Wirtschaft

"Bisher Reallohn-Verlust angeboten" Sechs deutsche Flughäfen werden bestreikt

An Deutschlands Flughäfen müssen sich Passagiere heute wegen eines Verdi-Warnstreiks auf massive Behinderungen einstellen. Betroffen sind Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, Köln-Bonn und München. Allein die Lufthansa strich 900 Flüge.

An sechs großen Flughäfen in Deutschland haben am Morgen Warnstreiks der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für massive Flugausfälle gesorgt. Am größten Flughafen Frankfurt am Main etwa wurden 392 von normalerweise geplanten 1330 Flügen annulliert, wie ein Sprecher sagte. Am Münchner Flughafen fielen nach Angaben eines Sprechers zwei Drittel der Flüge aus, 740 von rund 1100 geplanten Flügen.

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Anzeigetafel in einem Terminal am Flughafen in München. Von den Streiks sollen 87.000 Passagiere betroffen sein.

(Foto: dpa)

Aufgerufen zum Streik ist auch das Bodenpersonal der Flughäfen Dortmund, Düsseldorf, Hannover und Köln-Bonn. In Frankfurt am Main begann der Streik um 4.30 Uhr, wie der Flughafen-Sprecher sagte. Beschäftigte der Bodenverkehrsdienste sowie ein kleiner Teil der Sicherheitskräfte und der Mitarbeiter in der Verwaltung legten die Arbeit nieder. Um 8.00 Uhr folgten Mitarbeiter der Feuerwehr.

In München begann der Streik um 3.30 Uhr mit der Frühschicht, auch hier waren vor allem die Bodenverkehrsdienste betroffen. Die Mitarbeiter sind etwa zuständig für das Ein- und Ausladen des Gepäcks, das Fahren der Busse oder den Transport der Flughafenbrücken zu den Maschinen.

Bsirske: 1,8 Prozent bedeutet Reallohn-Verlust

Verdi-Chef Frank Bsirske verteidigte am Vorabend die Warnstreiks. Deren Sinn sei es, Tarifverhandlungen zu beschleunigen, sagte Bsirske der "Süddeutschen Zeitung". "Ich hoffe, dass dieses Signal verstanden wird und wir bei der dritten Runde am Donnerstag und Freitag zu einer Einigung kommen."

Verdi und andere Gewerkschaften verhandeln an diesen Tagen in Potsdam mit Vertretern von Bund und Kommunen über einen neuen Tarifvertrag für deren 2,1 Millionen Beschäftigte. Das Bodenpersonal der Flughäfen Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hannover, Köln-Bonn und München ist deshalb zum Streik aufgerufen, weil es sich bei diesen Flughäfen um kommunale Unternehmen handelt.

Mit den Arbeitsniederlegungen reagiere Verdi "auf ein Angebot, das den Beschäftigten einen Reallohn-Verlust zumuten will", sagte Bsirske der "SZ". Er bestritt, dass dieses Angebot drei Prozent für zwei Jahre betrage - wie von den Arbeitgebern angegeben.

Da die drei Prozent in zwei Stufen angeboten würden und jede der beiden Erhöhungen erst jeweils im Juni wirksam werden solle, betrage es auf zwei Jahre gerechnet nur 1,8 Prozent. Die Inflation werde jedoch in diesem und im nächsten Jahr zusammengenommen zwei Prozent betragen, kritisierte Bsirske.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP/dpa