Wirtschaft

Geringe Risikobereitschaft Sicherheit hat bei Anlegern oberste Priorität

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Hoch hinaus gerne, aber bitte ohne Risiko!

(Foto: picture alliance / dpa)

Privatanleger verlangen laut einer Umfrage von ihren Investments vor allem große Sicherheit, aber auch hohe Renditen. Wie sieht das Chance-Risikoverhältnis im aktuellen Niedrigzinsumfeld tatsächlich aus?

Die Deutschen und die Börse – ein Mysterium, das immer wieder Gegenstand von Untersuchungen ist. Das Deutsche Aktieninstitut etwa blickt regelmäßig auf die Entwicklung der Aktionärszahlen. Aber auch Banken, Fonds und Vermögensverwalter wollen ihre Kunden besser kennenlernen und schauen sich ihr Anlageverhalten genau an.

Die französische Fondsgesellschaft Natixis Global Asset Management zum Beispiel führt jedes Jahr eine weltweite Umfrage unter Privatanlegern durch. Anfang des Jahres wurden online 7100 Investoren in 21 Ländern befragt, davon stammen 400 aus Deutschland. Ihr Anlagevolumen beträgt mindestens 200.000 Euro. Interessant ist, dass viele eine hohe Renditeerwartung haben, aber dafür kein Risiko eingehen wollen. Wenig verwunderlich ist daher, dass der Beratungsbedarf der Befragten hoch ist.

Wie Kaninchen vor der Schlange

Der größte Hinderungsgrund von deutschen Privatanlegern überhaupt Anlageentscheidungen zu treffen, ist laut Natixis-Studie die geringe Risikobereitschaft. Der Sicherheitsaspekt hat bei 75 Prozent der Befragten einen größeren Stellenwert als die Investmenterträge, international sind es sogar 79 Prozent. Logischerweise bezeichnen 74 Prozent der deutschen Investoren ihr Anlageverhalten als defensiv. Hierzu passen aber nicht die damit verbundenen Renditeerwartungen der Befragten, die eine durchschnittliche Jahresperformance von zehn Prozent langfristig für realistisch halten. Ein Widerspruch im aktuellen Umfeld, da mit geringem Risiko nur Renditen von meist weniger als einem Prozent zu erzielen sind, etwa bei Tagesgeld.

Wie ausgeprägt das Sicherheitsbedürfnis deutscher Anleger ist, zeigt aber nicht nur die Studie von Natixis. Die jüngste Statistik des Deutschen Derivateverbandes DDV bestätigt dies ebenfalls und dokumentiert eine kräftig gestiegene Nachfrage nach defensiven Produkten.

"In den vergangenen zweieinviertel Jahren ist das Volumen in Aktienanleihen und Discountzertifikaten um rund 50 Prozent gestiegen", erläutert Anouch Wilhelms, Zertifikateexperte der Commerzbank diesen Trend. "Aktuell liegt das Volumen des Gesamtmarktes in diesen beiden Produktgattungen wieder über dem Niveau von 2007", ergänzt Wilhelms. Bei Aktienanleihen und Discountzertifikaten investieren Anleger mit einem Risikopuffer in einen Markt, nehmen dafür aber begrenzte Gewinnchancen in Kauf.

Defensive Papiere passen

Mit welchen Erträgen können sicherheitsorientierte Anleger nun rechnen? Wer auf Sicht von einem Jahr selbst bei einem Kursrückgang von 20 Prozent im Dax vor Verlusten geschützt sein will, kann mit Discountzertifikaten, die einen solchen Risikopuffer bieten, eine Rendite von knapp vier Prozent im Jahr erzielen. Die in der Natixis-Studie erwartete zehnprozentige Renditechance ist nur mit einem Risikopuffer von sechs Prozent zu erreichen.

Es herrscht also bei den Studienteilnehmern eine Diskrepanz zwischen den Renditezielen und wie er zu erzielen ist. Daher überrascht es auch nicht, dass 59 Prozent der befragten Investoren angeben, ihre Anlageziele nur mit Hilfe von professionellen Finanzberatern zu erreichen. Erfreulich ist, dass viele Privatanleger offen für neue Strategien sind. Immerhin halten 68 Prozent der Befragten die herkömmliche Assetallokation von 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen für überholt. In jedem Fall sollten Anleger ihre Investments verstehen, um realistische Renditeerwartungen zu entwickeln. Oft hilft dabei auch ein einfaches Investment oder ein Sparplan zu Aktien beziehungsweise Anleihen weiter.

Quelle: ntv.de

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