Wirtschaft

Jobabbau durch Ausgliederung Siemens Energy plant Standortschließungen

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Der Standort Görlitz ist einer von rund 75 bei Siemens Energy.

(Foto: picture alliance/dpa)

Für Siemens sind Standortschließungen und betriebsbedingte Kündigungen nur mit Zustimmung der IG Metall möglich. Für die Energietochter Siemens Energy wird diese Vereinbarung nach ihrem Börsengang im September Insidern zufolge nicht gelten. Sie will aufgeblähte Lieferketten und "Produkttourismus" stoppen.

Die Energietochter von Siemens will die Zahl seiner weltweiten Fertigungsstandorte reduzieren. Auf diese Weise plane Siemens Energy, das Ende September an die Börse gebracht werden soll, Kosten zu sparen, wie es übereinstimmend aus Unternehmenskreisen heißt. Die Diskussion zu den Details dauere noch.

Eine Vereinbarung des Mutterkonzerns mit der IG Metall, wonach Standortschließungen und betriebsbedingte Kündigungen nur im Einvernehmen mit der Gewerkschaft möglich sind, geht den Angaben zufolge nicht automatisch auf die Energietochter über. "Es gibt keine Standortgarantien", sagt ein Insider. Der neue Chef von Siemens Energy, Christian Bruch, hat bereits in der Vergangenheit einen Jobabbau nicht ausgeschlossen.

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Hintergrund der geplanten Betriebsschließungen ist ein im Unternehmen als "Produkttourismus" bezeichneter Zustand. Dadurch, dass in der Vergangenheit vermieden worden sei, Standorte zu schließen, seien Lieferketten mit übermäßiger Komplexität entstanden. Teilweise würden einzelne Komponenten an bis zu sechs Standorten zusammengebaut und getestet. Das führe unter anderem zu unnötigen Logistikkosten und sei kompliziert zu managen.

Zu viele Standorte: "Produkttourismus"

Derzeit verfügt Siemens Energy über rund 75 Standorte mit jeweils mehr als 50 Beschäftigten. Dies sei zu viel, heißt es. "Wir werden mit den Arbeitnehmervertretungen Gespräche darüber aufnehmen, wie eine künftige gemeinsame Herangehensweise aussehen kann", sagte ein Unternehmenssprecher.

Siemens will Ende September 55 Prozent der Tochter abspalten und den eigenen Aktionären ins Depot legen. Siemens selbst will zunächst 35,1 Prozent behalten, der Rest geht an den Siemens Pensionsfonds. Binnen 12 bis 18 Monaten nach dem Börsengang will der Mutterkonzern seinen Anteil weiter verringern. Vorstandschef Joe Kaeser zufolge will Siemens aber 25 Prozent behalten.

Siemens Energy stellt Gasturbinen und Anlagen für den Betrieb der Stromnetze her. Außerdem hält das Unternehmen 67 Prozent der Anteile des weltweit zweitgrößten Windturbinenherstellers Siemens Gamesa. Eine Veränderung sei derzeit nicht geplant, sagte der Insider. Auch solle das Onshore-Windgeschäft nicht abgestoßen werden. Über den Sitz der künftigen Unternehmenszentrale solle bis Ende Oktober entschieden werden. Zu den Kandidaten zählen München und Berlin.

Siemens Energy kam mit 91.000 Beschäftigten auf einen Umsatz von 29 Milliarden Euro. Zu den größten Konkurrenten in der Windbranche gehört der dänische Vestas-Konzern.

Quelle: ntv.de, chr/rts/dpa