Wirtschaft

Therapiesysteme von Varian Siemens Healthineers kauft Krebsspezialisten

Milliarden-Deal im Medienzintechnikbereich: Die ehemalige Siemens-Tochter Siemens Healthineers will in den USA einkaufen. Und wie das in Familien nicht selten der Fall ist, streckt die Mutter die Summe beinahe in Gänze erst einmal vor.

Der Medizintechnikanbieter Siemens Healthineers plant einen Milliardenzukauf. Ziel ist der US-Krebsspezialist Varian Medical Systems. "Wir verstärken uns in einem stark wachsenden Markt", sagte Finanzvorstand Jochen Schmitz. Dafür will die ehemalige Siemens-Tocher 16,4 Milliarden Euro in die Hand nehmen, wie der MDax-Konzern mitteilte. Siemens Healthineers plant für den Kauf eine Mischfinanzierung aus Fremd- und Eigenkapital.

Die beiden Firmen arbeiten seit 2012 in einer strategischen Partnerschaft zusammen, bei der sie in der Krebsbehandlung die Röntgengeräte und Scanner von Healthineers mit den Therapiesystemen von Varian kombinieren. Das US-Unternehmen erwirtschaftete den Angaben zufolge im vergangenen Jahr 3,2 Milliarden Dollar. Die operative Marge belief sich demnach auf 17 Prozent. Das Board of Directors votierte bereits einstimmig für den Deal und empfiehlt den Varian-Aktionären die Annahme der Offerte. Der Übernahme müssen noch wie üblich die Behörden und Anteilseigner zustimmen. Sie soll aber im ersten Halbjahr 2021 in trockenen Tüchern sein.

Volle Effekte ab 2025

Siemens Healthineers erwartet, dass der Deal bereits innerhalb der ersten zwölf Monate nach Vollzug einen positiven Effekt auf das bereinigte unverwässerte Ergebnis je Aktie haben wird. Ab 2025 erwartet das Unternehmen Effekte auf das operative Ergebnis von jährlich rund 300 Millionen Euro. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 50.000 Mitarbeiter an Standorten in mehr als 70 Ländern.

Im per Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr hatte das Unternehmen mit einem Erlös von 14,5 Milliarden Euro das Vorjahresniveau um sechs Prozent übertroffen. Die die dominierende Sparte Bildgebung (Röntgen, Computertomografie, MRT) hatte noch einen Endspurt hingelegt, wie das Unternehmen seinerzeit mitteilte. Allerdings war die bereinigte operative Gewinnmarge mit 17,3 Prozent nur leicht gestiegen und unterhalb der Zielsetzung geblieben.

Mit der Bekanntgabe des Deals zog Healthineers auch die Bekanntgabe der Drittquartalszahlen vor. Demnach sanken die Erlöse auf Jahressicht auf vergleichbarer Basis um 6,9 Prozent. Das operative Ergebnis (Ebit) brach um 15 Prozent ein. Nach Steuern blieb wegen einer vorübergehend höheren Steuerquote fast ein Viertel weniger. "Für das vierte Quartal erwarten wir eine deutliche Verbesserung unserer Geschäftsentwicklung im Vergleich zum dritten Quartal", sagte Siemens-Healthineers-Chef Bernd Montag.

Aktien, Darlehen, Anleihen für den Dax-Traum

Die nun getroffene Vereinbarung sieht vor, das Siemens Healthineers den Varian-Aktionären 177,50 pro Aktie bietet. Finanziert werden soll das Geschäft durch Eigenmittel und Fremdkapital. So kommen vorübergehend mehr als 15 Milliarden Euro von der Konzernmutter Siemens. Diese Summe soll später etwa zur Hälfte durch Ausgabe neuer Aktien abgelöst werden. Der Anfang dazu soll bereits in diesem Jahr erfolgen. Der Rest wird über Darlehen und Anleihen finanziert.

Der Deal dürfte auch den Ambitionen von Siemens Healthineers, als einer der größten Anbieter von Medizintechik-Produkten weltweit, in den Deutschen Aktienindex der 30 größte deutschen börsennotierten Unternehmen aufzusteigen, neuen Schub verleihen. "Das würde unsere wahre Bedeutung eher widerspiegeln", hatte der Vorstandsvorsitzende Bernd Montag im Juni der SZ gesagt. Siemens Healthineers ist seit zwei Jahren an der Börse und derzeit im MDax.

Siemens, der Konzern hält noch 85 Prozent an Healthineers, müsse selbst entscheiden, ob weitere Aktien verkauft würden. "Eine erhöhte Sichtbarkeit würde aber uns und auch Deutschland helfen", sagte Montag. Siemens Healthineers gehört mit einer Kapitalisierung von 44 Milliarden Euro zu den wertvollsten Unternehmen in Deutschland. Durch die Kapitalerhöhung bei der Tochter werde der Anteil für Siemens auf 72 prozent sinken, teilte der Dax-Konzern mit.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/DJ/dpa