Wirtschaft
Siemens-Chef Joe Kaeser kann auf volle Auftragsbücher verweisen - die Zukunft sieht demnach gut aus.
Siemens-Chef Joe Kaeser kann auf volle Auftragsbücher verweisen - die Zukunft sieht demnach gut aus.(Foto: dpa)
Mittwoch, 31. Januar 2018

Kraftwerkssparte frisst Geld: Siemens steigert Gewinn, aber ...

Die Kraftwerkssparte frisst einen Teil des Gewinns von Siemens auf – der größte deutsche Industriekonzern steigert dennoch seinen Überschuss. Das hat aber vor allem mit Einmaleffekten zu tun.

Siemens hat zum Auftakt seines neuen Geschäftsjahres wie erwartet operativ Federn lassen müssen, sieht seine Jahresziele aber nicht in Gefahr. Hohe Auftragseingänge deuten auf deutliches Wachstum in der Zukunft hin. In den Monaten Oktober bis Dezember sank das Ergebnis des industriellen Geschäfts um 14 Prozent auf gut 2,2 Milliarden Euro, wie der Technologiekonzern vor Beginn der Hauptversammlung mitteilte. Damit übertraf Siemens die Erwartungen der Analysten. Die viel beachtete Umsatzrendite erreichte mit 11,0 Prozent bereits den Zielkorridor von 11 bis 12 Prozent.

Verantwortlich für den Gewinnrückgang war ein massiver Einbruch im Kraftwerksgeschäft sowie ein etwas schwächeres Abschneiden bei der vor dem Börsengang stehenden Medizintechnik. Dies konnte von einer starken Verbesserung im Zuggeschäft nicht aufgefangen werden.

Der Umsatz legte auf vergleichbarer Basis um ein Prozent auf 19,8 Milliarden Euro zu. Die anhaltende Dollar-Schwäche bremste das Wachstum allerdings um 4 Prozentpunkte. Wie im Schlussquartal des abgelaufenen Geschäftsjahres konnte Siemens in den ersten drei Monaten 2017/18 wieder mehr Aufträge einwerben. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte stieg der Auftragseingang sogar um 7 Prozent auf 22,5 Milliarden Euro. Mit 1,13 fiel die Book-to-bill-Ratio so hoch aus wie seit dem Kraftwerksgroßauftrag aus Ägypten von vor knapp zwei Jahren nicht mehr.

Osram-Verkauf bringt Geld in die Kasse

Unter dem Strich stieg der Siemens-Gewinn wegen eines Buchgewinns aus dem Verkauf der restlichen Aktien an der früheren Lichttechnik-Tochter Osram von 655 Millionen Euro und eines positiven Effekts von 437 Millionen Euro als Folge der US-Steuerreform um 12 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro.

Siemens bestätigte die Prognose, wonach der Umsatz organisch leicht wachsen soll. Unter dem Strich wird ein unverwässertes Ergebnis je Aktie von 7,20 bis 7,70 Euro angepeilt. Kosten für die geplante Schließung von Standorten und den massiven Personalabbau sind darin nicht enthalten.

Siemens will vor allem in der Kraftwerkssparte und im Geschäft mit Prozessindustrie und Antrieben weltweit 6900 Stellen abbauen, um dem Strukturwandel im Energiegeschäft zu begegnen. Wie teuer all dies wird, lässt sich derzeit nicht beziffern. Offizielle Verhandlungen über einen Interessensausgleich mit der IG Metall haben noch nicht begonnen.

Wie seine Wettbewerber bekommt Siemens die Begleiterscheinungen der Energiewende zu spüren. Große Gasturbinen werden zunehmend weniger nachgefragt, wegen der Überkapazitäten am Markt herrscht Preisdruck. Überdies ist ein Riesenauftrag aus Ägypten inzwischen abgearbeitet, so dass das Ergebnis der Sparte im ersten Quartal um 49 Prozent einbrach.

Quelle: n-tv.de