Wirtschaft
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Sonntag, 15. April 2018

Kommt die Korrektur?: So groß ist die Blase bei US-Hightechs

Von Benjamin Feingold

Obwohl sich die Aktienmärkte zuletzt etwas beruhigt haben, bleiben US-High-Techaktien aufgrund ihrer sehr hohen Bewertung anfällig. Neue Regulierungsvorschriften verschärfen die Situation.

Michael Hartnett, Chef-Analyst bei der Bank of America nennt ihn den "Ikarus Trade": Wie der Figur aus der griechischen Mythologie, die zu hoch geflogen und deshalb abgestürzt ist, drohe vor US-Hightechs ein ähnliches Schicksal - vor allem aus dem E-Commerce-Sektor. Das sind für ihn Amazon, Facebook, Twitter, Netflix, Google und Ebay.

Gestützt durch eine jahrelange expansive Geldpolitik haben diese Werte seit der Finanzkrise 2008 zusammengenommen mehr als 600 Prozent zugelegt. Der Anstieg dieser Aktien hat laut Hartnett inzwischen zu einer der größten Blasen am gesamten Aktienmarkt geführt. Dieser würde ohne den Tech-Sektor deutlich tiefer stehen. Die Bewertung der US-Hightechs übertrifft inzwischen diejenige für die Eurozone bei weitem.

Derweil hat die US-Bilanzsaison, in der amerikanische börsennotierte Unternehmen ihre Quartalsergebnisse präsentieren, gerade begonnen - und lenkt damit auch den Blick auf die Geschäftsentwicklung im Technologiesektor. Immer neue Rekorde wurden in den vergangenen Jahren erzielt, die Branche macht inzwischen fast ein Viertel der Konzerngewinne am US-Aktienmarkt aus. Dieses Niveau werde laut Hartnett selten überschritten und sei häufig mit Blasenspitzen verbunden. Ein weiteres Alarmzeichen: Bei den Analystenempfehlungen auf eine andere US-Technologiegruppe "FAAMG" (Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und Google) gebe es nur fünf Verkaufsempfehlungen unter den insgesamt 250 Empfehlungen.

Ein anderer Aspekt ist der Datenschutz, der viele Unternehmen aus dem E-Commerce-Sektor betrifft und nach dem Daten-Skandal bei Facebook evident geworden ist. Mati Greenspan, Analyst bei der Social-Trading-Plattform eToro, betrachtet den US-Hightech-Sektor daher ebenfalls als anfällig - insbesondere Titel, die von Kundendaten profitieren wie etwa Amazon oder Facebook. "Unternehmen, die Daten von Kunden oder Usern bekommen, müssen künftig vorsichtiger damit umgehen. Sie werden stärker reguliert und ihnen drohen empfindliche Geldbußen, wenn die Regeln nicht eingehalten werden", sagt Greenspan.

In der EU etwa müssen die neuen Datenschutzgesetze bis Ende Mai umgesetzt werden, dazu gehören strengere Regeln über die Nutzung und Übermittlung von persönlichen Daten. Bei einer Verletzung, wie bei Facebook geschehen, können den Unternehmen dann Strafen in Höhe von vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes aufgebrummt werden.

Laut Hartnett können US- und EU-Datenschutzgesetze den US-Tech-Sektor rund vier Prozent der Einnahmen kosten. Wie lax die Branche bisher reguliert wurde, zeige eine Zahl: Es existieren rund 27.000 Vorschriften für Tech-Unternehmen in den USA. Im Vergleich dazu gibt es in der Industrie 215.000 Regeln und im Finanzsektor 128.000.

Quelle: n-tv.de