Wirtschaft

Tarnfirmen und Geldkoffer So kaufte ein Adidas-Boss neue NBA-Stars

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Adidas-Manager James Gatto: Das Schmiergeld für die Spielergewinnung kam aus der Konzernkasse.

(Foto: REUTERS)

Über Jahre schmierten Marketingchef James Gatto und zwei Berater die Familien von US-Basketballtalenten, um sie zu Adidas-Teams zu locken. Das Urteil gegen die drei Männer wirft ein Schlaglicht auf die Mafia-Methoden im Sport-Sponsoring.

Einem Adidas-Manager und zwei Spielerberatern geht es seit gestern wie Mafialegende Al Capone: Sie werden nicht für ihre Haupttaten, sondern für das Begleitdelikt verurteilt, das sie begangen haben. Den Chicagoer Gangster bekam die US-Justiz nicht für Mord, sondern für Steuerhinterziehung dran. James Gatto, einstiger Adidas-Marketingchef für Basketball, und die Berater Merl Code und Christian Dawkins wurden am Mittwoch in New York nicht wegen jahrelanger Bestechung, sondern wegen Betrugs verurteilt. Am 5. März wird das Strafmaß verkündet.

Das Urteil "deckt eine Untergrundkultur illegaler Zahlungen, des Betrugs und der Korruption in der Welt des College-Basketballs auf", sagte Staatsanwalt Robert Khuzami. Adidas-Mann Gatto und seine Handlanger schleusten rund eine Viertelmillion Dollar an die Familien vielversprechender Highschool-Jungstars, damit sie bei US-Unis starteten, deren Teams von Adidas gesponsort werden und als spätere NBA-Profis Adidas-Werbeverträge unterschreiben.

Das Urteil wirft einen Schatten auf die Sportartikelfirma. Denn auch wenn das Gericht keine Beweise fand, dass der Konzern die Bestechungen organisiert oder gebilligt hat, ist nun erwiesen, dass sein hochrangiger Basketball-Manager Nachwuchstalente systematisch geschmiert hat. Und dass bei Adidas über Jahre niemand merkte, dass er dafür heimlich in die Konzernkasse griff.

Es ist ein bislang einmaliger Fall: Nicht nur, weil er einen seltenen Einblick in die verschwiegene Welt des Sportmarketings erlaubt und zeigt, mit welchen Methoden die Talentscouts kämpfen. Nicht nur, weil die Ermittler gegen die Sportmanager mit Methoden vorgingen, die sonst nur gegen organisierte Kriminelle angewendet werden. Sondern vor allem, weil Gatto und seine Helfer nicht für die eigentliche Bestechung verurteilt wurden, sondern für das Begleitdelikt. Das könnte Signalwirkung haben.

Sportkorruption ist nicht illegal

Denn so moralisch verwerflich die Korruption ist: Illegal ist sie nicht. Schmiergelder zur Spielergewinnung einzusetzen ist zwar laut den Ethikregeln der Collegeliga NCAA verboten, aber keine Straftat. Schließlich geht es nicht um Beeinflussung von Amtsträgern, sondern um Geschenke an Privatleute.

Die Ermittler klagten Gatto und seine Männer deshalb nicht für die Bestechung an, sondern für den Schaden, den sie damit den Unis der Nachwuchsspieler zufügten. Laut dem Urteil betrogen sie die gleich mehrfach: Sie riskierten durch die heimliche Bestechung nicht nur Sperren für die einzelnen Spieler, den Liga-Ausschluss ihrer Teams und Strafen für die Unis. Sie verleiteten die Unis auch, entgegen den Regeln Stipendien an gekaufte Nachwuchsspieler zu vergeben.

Diese Argumentation, der die Jury folgte, ist durchaus angreifbar: Denn die Unis geben selbst Millionen aus, um neue Talente zu locken, für teure Stipendien, topmoderne Trainingszentren, Sportausrüstung, Spielerbetreuung und Unterbringung. Was schaden ihnen da ein paar Hunderttausend Dollar zusätzliches Handgeld an die Athleten, könnten Kritiker des Verfahrens fragen.

Nichts, könnte die Antwort der Staatsanwälte lauten. Aber erlaubt ist es trotzdem nicht. Den Ermittlern ging es offenbar darum, eine neue Handhabe gegen die Korruption im Sportbusiness zu bekommen und ein Zeichen gegen die Gepflogenheiten von Managern wie Gatto zu setzen. Das haben sie geschafft.

Geldkoffer, Tarnfirmen und Scheinrechnungen

Das System, das der Adidas-Mann und seine Berater organisierten, war überaus lukrativ: Die Berater kassierten von ihren Spielern üppige Honorare. Und Adidas winkten durch deren Verpflichtung potentielle Millionenumsätze, falls sie sich später in der NBA zu Topstars entwickeln sollten. Wie alle anderen Sportkonzerne versuchen auch die Herzogenauracher Jungstars deshalb so früh wie möglich als Werbeikonen zu binden.

Weil die Liga Bestechung untersagt, vertuschten Gatto und seine Leute die Zahlungen vor den Universitäten. Sie liefen über Amateurteams und Firmen, die die Berater kontrollierten. Gatto besorgte das Geld dafür, indem er bei Adidas deren Scheinrechnungen durchwinkte. Wie bei einem Mafia-Clan war Gatto der Pate, der das Geld verteilte. Seine Berater überbrachten es dann im Geldkoffer auf dem Parkplatz an die Familienangehörigen der Spieler.

Auf die Schliche kam die Justiz dem Treiben erst durch jahrelange verdeckte Ermittlungen, abgehörte Telefonate und Kronzeugen. Vor einem Jahr waren zehn Personen festgenommen worden. Als Beweise legten die Ermittler unter anderem SMS zwischen Gatto, den Beratern und korrupten Trainern vor.

Man respektiere das Urteil und habe die internen Kontrollprozesse gestärkt, teilte Adidas mit. "Wir werden weiterhin konstruktiv mit der NCAA und allen Beteiligten daran arbeiten, das Umfeld des College-Basketballs zu verbessern", sagte eine Sprecherin. "Fairness und ethisch korrektes Geschäftsgebaren haben für uns oberste Priorität."

Quelle: n-tv.de