Wirtschaft

Bestechung im US-Basketball Hat Adidas sich Wachstum erkauft?

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Ein Adidas-Manager soll US-Basketballspieler bestochen haben. Das Schmiergeld lief offenbar über die Firmen-Bücher.

REUTERS

Im Kampf mit Nike investiert Adidas Millionen in den USA. Nun rückt ein Korruptionsskandal die Expansion ins Zwielicht: Ein Top-Manager soll Basketball-Talente geschmiert haben - mit Tarn-Zahlungen, die offenbar über die Adidas-Bücher liefen.

Der Staatsanwalt fand bei seiner Pressekonferenz deutliche Worte: Die Angeklagten hätten die "Träume von Athleten ausgenutzt" und in ihnen "wenig mehr als die Gelegenheit zur Bereicherung durch Bestechung und Betrug" gesehen. Zwei Jahre habe das FBI verdeckt ermittelt, Telefone abgehört, Informanten umgedreht. Das Bild des Sports, das dabei entstand, sei nicht schön: Trainer, die sich mit Bargeld bestechen ließen, Berater, die "vielversprechende Talente wie Kojoten umkreisten" und "Angestellte einer globalen Sportartikelfirma, die Cash an Spielerfamilien schleusten" - Adidas.

Vier Coaches, drei Spielerberater, ein Adidas-Manager und zwei Adidas-Partner sind am Dienstag im größten Bestechungsskandal verhaftet worden, den der US-Basketball bisher gesehen hat. Die Affäre scheint weit weg, könnte den Dax-Konzern aber empfindlich treffen. Denn der festgenommene Adidas-Mann ist nicht irgendein Mitarbeiter, sondern der Direktor für das weltweite Basketball-Marketing, James Gatto. Und das US-Geschäft das wichtigste Schlachtfeld im Kampf um die globale Vorherrschaft zwischen Adidas und Nike.

Adidas-Manager schuf "Pay-to-play-Kultur"

Ein Fünftel seines Umsatzes macht Adidas inzwischen in den USA. Nur in Westeuropa verkauft der Konzern aus Herzogenaurach mehr. Auf diesem Milliardenmarkt sollen Trainer und Finanzberater gemeinsam mit Adidas-Manager Gatto eine "Pay-to-Play-Kultur" geschaffen haben. Es ging darum, aufstrebende Basketball-Talente, die schnell zu NBA-Stars und damit lukrativen Werbeträgern werden, möglichst früh an Spielervermittler und Sponsoren zu binden - mit Schmiergeld.

Denn das Prinzip, nach dem der Konzern aus Herzogenaurach in den USA operiert, ist das gleiche wie in Deutschland und im Rest der Welt: Adidas sponsort erfolgreiche Athleten und Vereine. Wenn die gewinnen, verkauft Adidas mehr Sneakers, Bälle und Trikots. Die Versuchung, nachzuhelfen und die Stars von morgen illegal zu Adidas zu lotsen, ist also groß.

Genau das soll Gatto bei mindestens drei vielversprechenden Highschool-Spielern getan haben. Der Adidas-Manager soll ihren Familien mithilfe von nahestehenden Spielerberatern sechsstellige Beträge gezahlt haben, damit sie zu College-Teams wechseln, die von Adidas ausgerüstet werden und später bei Adidas unterschreiben, sobald sie NBA-Profis werden. Er wird nun wegen Betrug und Geldwäsche angeklagt.

Was wusste Adidas von der Bestechung?

In seinem ausgeklügelten Bestechungssystem soll Gatto Spielerberater als Strohmänner eingespannt haben. Die Schmiergelder sollen laut Staatsanwaltschaft über die Adidas-Bücher gelaufen und mittels gefälschter Rechnungen und Aufträge als Zahlungen an diese Spielerberater getarnt worden sein. In einem Fall geht es um 100.00 Dollar, bei einem zweiten Spieler um 150.000 Dollar. Das Geld sei "auf den Büchern, aber nicht auf den Büchern wofür es eigentlich gedacht ist", zitieren die Ermittler in ihrer Anklage einen Spielerberater, der abgehört wurde. Er habe das Schmiergeld nach Erhalt von Adidas dann in bar an den Vater des Spielers ausgezahlt, der bestochen wurde.

Die getarnten Zahlungen in den Adidas-Büchern werfen die Frage auf, was der Konzern von der Bestechung wusste - und warum sie dort offenbar niemandem auffielen. Es gebe "keine anderen Vorwürfe gegen weitere hochrangige Manager", teilte die Staatsanwaltschaft laut "Wall Street Journal" mit. Gatto sei bis auf weiteres freigestellt worden, teilte Adidas auf Anfrage von n-tv.de mit. Man werde "vollumfänglich mit den relevanten Behörden zusammenarbeiten" und mithilfe externer Anwälte "eine eigene gründliche Untersuchung durchführen". Adidas verpflichte sich "voll und ganz zu Compliance, Integrität und ethischer Geschäftsführung".

Die Affäre rückt die US-Expansion von Adidas ins Zwielicht: Hat sich der Konzern sein Wachstum auch mit Bestechung erkauft? Um seine Bekanntheit in den USA zu steigern hat Adidas in den vergangenen Jahren massiv in den College-Sport investiert. Unter anderem kaufte sich die Marke mit den drei Streifen 2015 beim Football-Team der Universität von Miami (Florida) ein. Und erst im August besiegelte sie einen 160-Millionen-Dollar-Vertrag mit der Basketballmannschaft der Universität von Louisville (Kentucky) - genau dem College, zu dem Adidas-Manager Gatto einen kommenden Top-Spieler mit Schmiergeld gelenkt haben soll.

Auch seinen Vertrag mit der Fußball-Liga MLS hat Adidas gerade erst bis 2024 verlängert. Und ab dieser Saison ist Adidas auch für sieben Jahre Ausrüster der Eishockey-Liga NHL. Bislang ist die Wette auf den US-Markt aufgegangen. Mit einem Umsatzplus von über 20 Prozent hat Adidas seinem Erzrivalen Nike im vergangenen Quartal deutliche Marktanteile abgejagt. Durch die Korruptionsaffäre könnte die Expansion nun einen Dämpfer bekommen.

Quelle: n-tv.de

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