Wirtschaft

Not macht erfinderisch So kreativ sind Firmen in der Pandemie

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Innerhalb einer Minute wurden laut Eventim mehr als 4000 Impftermine in Warenkörben reserviert.

(Foto: picture alliance / Flashpic)

Atemgeräte statt Autos, Desinfektionsmittel statt Bier, Impftermine statt Konzerttickets: Wenn es im Kampf gegen die Pandemie hakt, sind zahlreiche Unternehmen bereit, ihre Ressourcen zu nutzen und kreative Lösungen anzubieten. Hier einige Beispiele.

In der Corona-Krise wurden auf einmal Masken, Beatmungsgeräte und vieles mehr gebraucht - Dinge, die vor der Pandemie nicht in dieser Masse produziert wurden. Kreative Lösungen mussten her. Verschiedene Unternehmen sprangen ein und stellten ihre Produktionen um oder nutzen ihre bestehende Infrastruktur, um bei der Eindämmung der Pandemie zu helfen.

Eventim vergibt Impftermine

Es hakt bei der Vergabe der Impftermine. So waren beispielsweise in Nordrhein-Westfalen die entsprechende Telefonnummer und Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung zeitweise nicht erreichbar. Schleswig-Holstein geht einen anderen Weg und hat den Ticket-Verkäufer Eventim mit der Impftermin-Vergabe beauftragt. Normalerweise verkauft Eventim Veranstaltungstickets und hat so bereits eine Infrastruktur, die darauf ausgelegt ist, dass sehr viele Menschen gleichzeitig Tickets buchen wollen – oder nun eben Impftermine.

Ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Gesundheitsministeriums sagte der Deutschen Presse-Agentur, innerhalb einer Minute seien mehr als 4000 Impftermine in Warenkörben reserviert worden. In der Spitze habe es laut Eventim bis zu 5225 Klicks pro Sekunde auf der entsprechenden Homepage gegeben. Das sei, so der Sprecher, mit dem Ticketverkaufsstart der Tournee eines internationalen Popstars vergleichbar. Daher sei es naheliegend, eine Software zu nutzen, die auch bei anderen Großereignissen genutzt werde.

Bislang ist Schleswig-Holstein das einzige Bundesland, dass die Terminvergabe an Eventim übertragen hat. Alexander Ruoff, Chief Operating Officer von Eventim, sagte aber gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, es gebe bereits erste Aufträge aus Österreich und Brasilien. Man sei aber auch mit anderen Bundesländern und europäischen Ländern in fortgeschrittenen Gesprächen. Wie viel Eventim mit diesem Service verdient, ist unklar.

Amazon hilft mit Pop-up-Klinik und Cloud-Technologie

Amazon unterstützt die Impfaktion in den USA. Der in Seattle ansässige Tech-Konzern arbeitet mit einem örtlichen Krankenhaus zusammen, um in einer sogenannten Pop-up-Klinik, einer Art Impfzentrum, Tausende mit dem Corona-Impfstoff zu versorgen.

Der Konzern hat zudem Joe Biden Unterstützung bei seinem Vorhaben angeboten, in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit 100 Millionen Amerikaner impfen zu lassen. Man sei bereit, die Betriebsabläufe, die Informationstechnologie, die Logistik- und Kommunikationsfähigkeiten so zu nutzen, dass sie Biden bei seinen Bemühungen helfen können.

Amazon Web Services (AWS) unterstützt die Weltgesundheitsorganisation nach eigenen Angaben zudem mit Cloud-Technologien und technischem Fachwissen. So helfe man unter anderem bei dem Aufbau großer Datenspeicher für epidemiologische Daten.

Seat baut Beatmungsgeräte

Beatmungsgeräte statt Autos - so lautete ab April 2020 das Motto in einer Produktionsanlage von Seat in einem Werk im spanischen Martorell. Die Anlage wurde umgerüstet, um das spanische Gesundheitssystem mit dringend benötigten Beamtungsgeräten zu versorgen. Ein Bestandteil der Geräte: umgebaute Scheibenwischermotoren.

"Eine Montagelinie, an der eigentlich Fahrzeugteile produziert werden, so umzurüsten, dass hier Beatmungshilfen gefertigt werden können, war eine umfangreiche, schwierige Aufgabe, an der viele Bereiche des Unternehmens beteiligt waren", sagt Sergio Arreciado von der Abteilung Verfahrenstechnik bei Seat. "Aber wir haben es in Rekordzeit geschafft."

Brauereien stellen Alkohol für Desinfektionsmittel zur Verfügung

Die Brauereien haben selbst unter der Corona-Krise gelitten. Wie das Statistische Bundesamt berichtet, sank der Bierabsatz im vergangenen Jahr auf ein historisches Tief. Der Grund: Es gab keine großen Feiern und die Gastronomie war monatelang geschlossen.

Gleichzeitig gehören die Brauereien und Spirituosenhersteller zu den Helfen in der Pandemie. Verschiedene Unternehmen stellen bereits während der ersten Welle Alkohol für die Produktion von Desinfektionsmitteln zur Verfügung - darunter unter anderem Beck’s, Diebels, Weihenstephan und Jägermeister. Beim Entalkoholisierungsprozess der Biere fällt Ethanol an – ein Stoff, der zur Herstellung von Desinfektionsmitteln dringend benötigt wird.

Unternehmen steigen in die Maskenproduktion ein

Zu Beginn der Pandemie gab es eine große Maskenknappheit. Kaum jemand hatte bereits Masken zu Hause. Dann fingen zahlreiche Unternehmen an, Alltagsmasken zu nähen, so zum Beispiel der Textilkonzern Trigema. Das Unternehmen wurde angefragt, ob es bei der Maskenproduktion helfen könne. Um die hohe Nachfrage zu bedienen, sei daraufhin auch samstags genäht worden, so das Unternehmen.

Mehr zum Thema

Das Luftfahrt- und Ballontechnikunternehmen "Geo - die Luftwerker" wurde unter anderem bekannt, weil es bei der Verwirklichung von Projekten des Verhüllungskünstlers Christo mitwirkte. Unter anderem wird das Unternehmen auch dem letzten Projekt des im vergangenen Jahr verstorbenen Künstlers mitwirken - der Verhüllung des Arc de Triomphe. In der Pandemie half Geo an ganz anderer Stelle aus und stieg ebenfalls in die Produktion von Behelfsmasken ein. Für die Käufer der Masken hält Geo ein Geschenk bereit: ein Gutschein für 20 Euro Rabatt für eine Ballonfahrt.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Capital.de.

Quelle: ntv.de

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