Wirtschaft

Stürmische Zeiten an der Börse So überstehen Anleger die Zinswende

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Anleger sollten sich gegen Unwetter an der Börse schützen.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Crash-Propheten haben aktuell wieder Hochkonjunktur, die Stimmung an den Märkten könnte kaum schlechter sein. Doch mit der richtigen Strategie können Anleger auch weiterhin gut schlafen.

Man musste nicht viel Erfahrung mitbringen, um ein schwierigeres Börsenjahr 2022 vorherzusagen im Vergleich zu 2021. Drei Wochen sind inzwischen vergangen und die wichtigsten US-Indizes haben in der Spitze mehr verloren als im gesamten Vorjahr. Besonders die Performance der einst so gehypten Tech-Titel schmilzt wie Schnee in der Sonne.

Aktien wie Block, Zoom, PayPal und selbst Impf-Titel wie Biontech sackten seit November um 40 bis 60 Prozent ab. Diese Titel werden auch hierzulande gemieden, wie die aktuellen Hitlisten von Smartbroker oder der Börse Frankfurt sowie der Börsenhandelsplattform gettex zeigen.

Nachdem zuerst die kleinen und mittleren Werte unter Druck kamen, leiden nun auch die Schwergewichte. Microsoft, Apple und Alphabet waren in den vergangenen Monaten wichtige Stützen in unruhigen Zeiten und stehen nun mit zehn Prozent seit Monatsbeginn ähnlich kräftig im Minus wie der Nasdaq 100. Bisher wurden Rückschläge immer zum Einstieg genutzt - "buy the dip" lautete das Motto. Jetzt gilt "sell the rally" - bei jeder Erholung werden Aktien verkauft.

Notenbanken unter Zugzwang

Auslöser für den Kursrutsch ist ein Mix aus mehreren Faktoren. Geopolitische Spannungen, der steigende Ölpreis und die damit weiter anziehende Inflation bringen die Notenbanken unter Druck, die Leitzinsen zu erhöhen. Drei bis vier Zinserhöhungen in den USA sind für das laufende Jahr bereits eingepreist. Gewissheit über die weitere Geldpolitik erhoffen sich Anleger von der anstehenden Fed-Sitzung am heutigen Mittwochabend. Notenbank-Chef Jerome Powell dürfte bei den geplanten Leitzinserhöhungen konkreter werden. Börsianer erwarten die erste Leitzinsanhebung aktuell für den März.

Steigende Zinsen belasten vor allem Technologie-Aktien doppelt, da die Firmen meist viel Fremdkapital aufgenommen haben und so die Zinsbelastung steigt und gleichzeitig künftige Gewinne in der Gegenwart weniger wert sind. Wenn dann die Bilanzen auch noch enttäuschen wie zuletzt bei Netflix, sind heftige Kursverluste die Folge. Derzeit dominiert die Unsicherheit bei den Anlegern, sowohl auf geldpolitischer Seite als auch hinsichtlich der fundamentalen Aussichten der Unternehmen.

Grundsätzlich sind Preis und Wert einer Aktie die entscheidenden Richtgrößen für Anleger in guten wie in unruhigen Börsenzeiten. Aktuell ist der Preis oder Kurs vieler Aktien stark gefallen, weil die Stimmung schlecht ist und niemand Aktien haben möchte. Wer jetzt einsteigt, hat zwar ein ungutes Gefühl, bezahlt aber wesentlich weniger als noch vor einigen Wochen.

Risiko über Cash-Position und Produkte steuern

Der Bargeldbestand ist somit eine wichtige Steuerungsgröße und stellt im Depot eine Form der Positionierung dar. Zudem wird das Risiko über verschiedene Instrumente gesteuert. Index-ETFs sind weniger anfällig als Einzelaktien. "Discount- und Bonus-Zertifikate weisen gerade bei der derzeit erhöhten Volatilität gute Konditionen auf, dazu zählt ein attraktiver Sicherheitspuffer gegen fallende Kurse", meint Marcus Landau, Derivate-Sales-Experte der DZ Bank.

Wer mit Hebelpapieren am Markt aktiv sein möchte, sollte kleine Hebel von zwei oder drei wählen. Bei Feingold Research bevorzugen wir meist Capped-Call- und Put-Optionsscheine, die zusätzlich auch von Seitwärtsbewegungen profitieren.

Put-Optionsscheine und somit Absicherungen werden häufig dann gekauft, wenn es zu spät ist und die Papiere sehr teuer sind. Auch hier empfiehlt sich eine antizyklische Vorgehensweise: In Rally-Phasen erste Versicherungen aufbauen und auflösen, wenn die Kurse wie jetzt kräftig fallen. Hohe Verluste bei Einzeltiteln sollten dann realisiert werden, wenn man vom Unternehmen nicht mehr überzeugt ist. Das Geld ist besser in Aktien von Firmen aufgehoben, die zwar ebenfalls gefallen sind, aber über ein unverändert gutes Geschäftsmodell verfügen. Bedeutet: Verlieben Sie sich niemals in eine Aktie, jede Position gilt es daher zu überprüfen und bei Bedarf einen Qualitätstausch vorzunehmen.

Quelle: ntv.de

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