Wirtschaft

Einbruch "bislang einzigartig" So wenige Azubis wie seit Jahrzehnten nicht

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Am stärksten vom Rückgang der Ausbildungszahlen betroffen: die Bereiche Industrie und Handel und das Handwerk.

(Foto: imago images/Rupert Oberhäuser)

Im vergangenen Jahr beginnen so wenige Menschen in Deutschland eine Berufsausbildung wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Ursache auch hier: die Corona-Krise. Der Handwerksverband warnt: Wer jetzt nicht ausgebildet werde, fehle in der Zukunft als Fachkraft.

Die Berufsausbildung in den Betrieben hat in der Corona-Krise stark gelitten: Die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge in der dualen Berufsausbildung ist 2020 deswegen in noch nicht dagewesenem Ausmaß eingebrochen. Sie ging um 9,4 Prozent auf rund 465.200 zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. "Dieses Ergebnis zeigt damit einen deutlichen Effekt der Corona-Krise auf den Ausbildungsmarkt", erklärten die Statistiker. "Zwar sind die Ausbildungszahlen seit Jahren tendenziell rückläufig. Der aktuelle Einbruch ist in seiner Höhe aber bislang einzigartig."

Einen leichten Zuwachs verzeichnete lediglich die Landwirtschaft, und zwar um 500 Verträge oder plus 3,6 Prozent. "In allen übrigen Ausbildungsbereichen sank die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge", hieß es. Im Bereich Industrie und Handel gab es ein Minus von 35.900 oder 11,9 Prozent, im Handwerk von 9100 oder 6,6 Prozent. "Gerade im Handel sind viele der besonders durch die Corona-Krise betroffenen Berufsgruppen angesiedelt", so die Statistiker. Er litt unter den Corona-bedingten Schließungen, durch die etwa der Modehandel heftige Umsatzeinbrüche hinnehmen musste.

Bei den Frauen ging die Zahl der Neuverträge demzufolge um 19.100 auf 168.300 zurück (minus 10,2 Prozent), bei den Männern um 29.000 auf 297.000 (minus 8,9 Prozent). 36,2 Prozent aller neuen Verträge wurden von Frauen und 63,8 Prozent von Männern abgeschlossen.

Große Unterschiede bei den Bundesländern

Deutliche Unterschiede gibt es im Vergleich der Bundesländer: Zwar sind in allen die Zahlen insgesamt rückläufig, die prozentuale Höhe des Rückgangs differiert zum Teil aber erheblich. In Hamburg (minus 13,5 Prozent) und im Saarland (minus 12,4 Prozent) nahmen die Zahlen am stärksten ab. In Brandenburg (minus 2,8 Prozent) und Sachsen (minus 4,8 Prozent) gingen die Ausbildungszahlen weniger zurück.

Insgesamt befanden sich am 31. Dezember 2020 nach vorläufigen Ergebnissen rund 1,289 Millionen Personen in einer dualen Berufsausbildung. Im Vergleich zum Jahr 2019 ist die Zahl damit ebenfalls rückläufig: Damals waren es noch 1,329 Millionen.

Niedrigster Stand an neuen Lehrverträgen seit 1991

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Der Rückgang ist stärker als 2009, als die Gesamtzahl der Neuverträge im Zuge der Finanzkrise um 7,6 Prozent geschrumpft war. Außerdem zählten die Statistiker seit 1991, als erstmals die Daten von West- und Ostdeutschland zusammengeführt wurden, keinen niedrigeren Stand an neuen Lehrverträgen.

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, zeigte sich angesichts der Zahlen besorgt: "Azubis, die jetzt nicht ausgebildet werden, fehlen in der Zukunft als Fachkräfte", sagte er.

Quelle: ntv.de, abe/rts/dpa

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