Stellenabbau und SparkursSo will sich Volkswagen mit historischem Konzernumbau sanieren

Nach wochenlangem Ringen hat sich der Volkswagen-Aufsichtsrat auf ein gemeinsames Sanierungspaket für Europas größten Autobauer geeinigt. Volkswagen-Chef Oliver Blume sprach von einem "starken Signal für die Zukunft des Volkswagenkonzerns". Im Folgenden eine Übersicht über die wichtigsten Punkte des Pakets:
Investitionen
Bei den Investitionen setzt Volkswagen den Rotstift an. Von 2027 bis 2031 sind Investitionen von 135 Milliarden Euro geplant, das sind rund 30 Milliarden Euro weniger als in den fünf Jahren bis 2030. Ziel ist es, die Rendite bis 2030 auf neun Prozent zu steigern, von 3,8 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Das entspreche einem operativen Ergebnis von rund 31 Milliarden Euro. Über Details zu den konkreten Investitionen muss allerdings der Aufsichtsrat noch abstimmen.
Sein Beteiligungsportfolio will Volkswagen verschlanken und sich von weiteren Unternehmensanteilen trennen. Zuletzt hatte VW gut die Hälfte am Schiffsmotorenbauer Everllence an die US-Beteiligungsgesellschaft Bain verkauft.
Modellpalette
Auch bei der Modellpalette soll der Rotstift angesetzt werden. Die Zahl der Modelle soll bis 2035 um die Hälfte sinken. Dabei fallen zum einen Modelle aus dem Programm, die nur selten verkauft werden, so hatte VW etwa den Touran vom Markt genommen. Dazu kommen Verbrennerfahrzeuge, die in der Europäischen Union ab 2035 kaum noch verkauft werden dürften. Zusätzlich soll auch die Komplexität um 75 Prozent reduziert werden, etwa durch den Einsatz gleicher Teile. Volkswagen verspricht sich davon niedrigere Kosten.
Höhere Effizienz
Auch schneller werden will Volkswagen. Dazu sollen verschiedene Bereiche wie Entwicklung, Produktion, Beschaffung, Qualitätssicherung und Vertrieb enger zusammenarbeiten. Das Unternehmen verspricht sich davon eine höhere Effizienz, bessere Abläufe, mehr Geschwindigkeit und eine spürbare Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.
Ein wichtiger Aspekt dabei ist eine schlankere Führungsstruktur. Die Führungskräfte sollen zudem anhand eines einheitlichen Bonussystems gemessen werden.
Werke und Personal
Der Rotstift angesetzt wird bei den Personalkosten. Konzernweit sollen rund 50.000 Arbeitsplätze gestrichen werden, darunter auch Managementjobs. Die Werkskapazitäten in Europa sollen um 500.000 Fahrzeuge jährlich gesenkt werden. Dabei ist bis Juni 2027 Zeit, um ein Konzept für eine wettbewerbsfähige Produktionsstruktur zu entwickeln. Der Aufsichtsrat habe zur Kenntnis genommen, dass für die Werke in Neckarsulm, Zwickau, Emden und Hannover ab 2031 bis 2034 keine Folgebelegung gewährleistet werden könne, hieß es.
Nordamerika und China als wichtige Märkte
Wachstum verspricht sich das Unternehmen dafür vom Nordamerika-Geschäft. Dort soll der bisherige Vertriebschef Marco Schubert für Schwung sorgen, geplant sind unter anderem ein Pickup und ein SUV, die im US-Werk Chattanooga gebaut werden sollen. So konzentriere sich das Unternehmen auf die profitabelsten Segmente.
Das derzeit kriselnde China-Geschäft werde an die veränderte Erwartung an das Gesamtwachstum des Marktes angepasst. VW-Autos aus China sollen in den "globalen Süden" exportiert werden.
Neue Konzernstruktur
Der strittigste Punkt im Vorfeld waren Pläne des Vorstands, die Marke Volkswagen aus dem Konzern herauszulösen. Das wurde als Angriff auf das VW-Gesetz verstanden. Zu dem Punkt heißt es nun, dass der Aufsichtsrat den Vorstand bitte, ein Modell für eine "fortentwickelte Entscheidungs- und Konzernstruktur" zu entwickeln, die eine "klare Zuordnung der Verantwortlichkeiten und eine schnellere, effizientere und moderne Konzernsteuerung" ermögliche. Die Arbeitnehmervertreter erklärten dazu, dass eine Ausgliederung der Kernmarke VW und der Komponentensparte damit vom Tisch und der Angriff auf die Mitbestimmungsstrukturen erfolgreich abgewehrt worden sei. Allerdings soll der Aufsichtsrat seine Zustimmungsvorbehalte auf Maßnahmen von wesentlicher Bedeutung für den Gesamtkonzern beschränken. Derzeit muss das Gremium allen Investitionen von mehr als 50 Millionen Euro zustimmen.

