Wirtschaft

Studie warnt den Mittelstand Spionage betrifft nicht nur große Konzerne

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Bereits bei jedem zweiten Unternehmen ist einmal der Verdacht aufgekommen, ausgespäht worden zu sein.

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Kleine und mittelgroße Unternehmen stellen in Deutschland die meisten Arbeitsplätze. Das technische Wissen dort bildet das Rückgrat der Wirtschaft. Es verwundert daher kaum, dass auch diese Betriebe Spionage-Ziele sind. Doch dagegen wird oft zu wenig unternommen.

Deutschland und seine Unternehmen sollten sich nach Auffassung von Experten auch mit Gesetzesanpassungen wirksamer gegen Wirtschaftsspionage und Ausspähungen durch ausländische Konkurrenten und Staaten schützen. Gerade auch der Mittelstand sei akut bedroht, stellte ein Team von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht (MPICC) und des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) in einer Untersuchung fest.

"Nicht nur die Global Player können Opfer sein - auch jedes dritte kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland war in der Vergangenheit schon (...) betroffen." Das gelte für Firmen über alle Branchen hinweg. Die Wissenschaftler des Forschungsprojekts WISKOS, an dem auch das Bundeskriminalamt und das baden-württembergische Landeskriminalamt beteiligt waren, beklagten, dass ein Fünftel der Unternehmen keinerlei Strategien entwickelt habe, wie man solchen Angriffe unterbinden und auf sie reagieren könne.

Dass gerade kleine und mittlere Firmen Zielobjekte solcher Ausspähungen seien, ist bedeutsam, denn sie stellen in Deutschland die meisten Arbeitsplätze und gelten als Garant für das Wirtschaftswachstum. "Sie entwickeln wertvolles und begehrtes Know-how, das bei der Konkurrenz oder anderen Staaten Interesse weckt", lautet eine Erkenntnis der Experten.

"Gegenseitiges Vertrauen" schaffen

Bereits bei jedem zweiten Unternehmen sei einmal der Verdacht aufgekommen, ausgespäht worden zu sein. Die Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. "Die Bedrohung besteht gleichermaßen von innen, etwa durch unzufriedene oder ehemalige Mitarbeiter, wie von außen, etwa durch Cyberspionage", ergaben Analysen. "Die Ergebnisse unserer Befragungen zeigen, dass sich kein Unternehmen sicher fühlen kann", sagte Esther Bollhöfer, die am ISI für das Projekt verantwortlich war.

Als Handlungsmöglichkeit wird eine enge Kooperation zwischen den Betrieben und den Behörden empfohlen. "Gegenseitiges Vertrauen entsteht vor allem durch Kommunikation und Kooperation." Rechtliche Analysen hätten zudem Hinweise ergeben, dass der Gesetzgeber den gesetzlichen Rahmen überarbeiten sollte. So erscheine die strikte Trennung von Wirtschaftsspionage und Konkurrenzausspähung nicht mehr zeitgemäß. "Sie ist aus Sicht der betroffenen Unternehmen irrelevant und im Hinblick auf eine effektive Aufklärung und strafrechtliche Verfolgung nicht zielführend", lautete die Bewertung von Michael Kilchling vom MPICC.

Quelle: n-tv.de, fzö/rts

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