Wirtschaft

Die Zwei-Billionen-Dollar-WetteStemmt Elon Musk mit SpaceX den größten Börsengang der Geschichte? 

11.04.2026, 16:11 Uhr
imageVon Diana Dittmer
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Elon Musk hat sich in Texas bereits ein Denkmal gesetzt: Nahe Starbase steht eine fast drei Meter hohe Büste - direkt neben dem Gelände, auf dem seine größte Vision entsteht: das Starship. Das größte Raketensystem der Welt soll eines Tages Menschen und Fracht zum Mars transportieren. (Foto: REUTERS)

SpaceX plant den größten Börsengang aller Zeiten. Mit einer noch nie dagewesenen Bewertung von bis zu zwei Billionen US-Dollar setzt Elon Musk auf Raumfahrt, KI und globales Internet aus dem All - in einem Unternehmen. Das sollten Anleger über den Börsengang der Superlative wissen.

Warum will SpaceX ausgerechnet jetzt an die Börse?

Das bereits 2002 gegründete Unternehmen benötigt Kapital. Zwar liefert der Satelliteninternetdienst Starlink stabile Einnahmen, doch die Ambitionen von SpaceX reichen weit darüber hinaus. Das Unternehmen investiert in die Entwicklung der Starship-Rakete, in KI-Infrastruktur und langfristig sogar in eine Präsenz auf dem Mond - perspektivisch auch auf dem Mars. Hinzu kommt die teure Übernahme der KI-Tochter xAI - deren Betriebskosten betragen derzeit rund eine Milliarde Dollar pro Monat. Der Börsengang soll diese Expansion finanzieren und ein höheres Tempo im globalen KI-Wettbewerb ermöglichen. Zugleich will sich SpaceX bei den Investoren als breit aufgestellter Tech-Konzern neu positionieren – von Raumfahrt bis KI.

Wie groß könnte der Börsengang werden?

Sehr groß. SpaceX peilt eine Bewertung von über zwei Billionen US-Dollar an und könnte bei Investoren bis zu 75 Milliarden Dollar einsammeln. Damit würde das Unternehmen den bisherigen Rekord-Börsengang von Saudi Aramco (29 Milliarden Dollar im Dezember 2019) deutlich übertreffen und auf Anhieb zu den wertvollsten Unternehmen der Welt zählen. Entscheidend ist, ob Investoren bereit sind, diese ambitionierte Bewertung mitzutragen.

Ist diese Bewertung gerechtfertigt?

SpaceX erzielte 2025 laut Reuters einen Gewinn von rund acht Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 15,8 Milliarden Dollar. Wichtigster Treiber ist Starlink. Der Dienst für Satelliteninternet wächst und liefert einen Großteil der Erlöse. Gleichzeitig dominiert SpaceX den Markt für Raketenstarts und sichert sich lukrative staatliche Aufträge.

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SpaceX hat sich als Marktführer im Bereich kommerzielle Raumfahrt etabliert. Die Falcon 9, die für den Transport von Nutzlasten in die Erdumlaufbahn entwickelt wurde, absolvierte im Jahr 2025 insgesamt 165 Starts - ein neuer Rekord. (Foto: IMAGO/NurPhoto)

Mit xAI und dem Chatbot Grok kommt zwar eine spekulative KI-Sparte hinzu, die derzeit hohe Verluste macht, langfristig aber neue Erlösquellen erschließen soll. Zusammengenommen bietet SpaceX auf jeden Fall ein ungewöhnliches Geschäftsmodell, das Raumfahrt, Telekommunikation und künstliche Intelligenz verbindet. Kritiker weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Raketenstarts kein stark wachsender Markt sind und viele Zukunftsprojekte – wie die geplanten Mond- oder Marsmissionen - nicht zeitnah umgesetzt werden können. Ob dies also eine Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar - dem 110-Fachen des aktuellen Umsatzes - trägt, bleibt offen. Um die Bewertung zu rechtfertigen, "müssen die Investoren den Zeitplan für die Markteinführung von Starship und den Hochlauf des Starlink-Dienstes für Mobiltelefone genau im Auge behalten", zitiert das Portal Mergermarket den PitchBook-Analysten Franco Granda.

Welche Rolle spielt Elon Musk beim IPO?

Der Börsengang ist eng mit dem Tesla-Chef verknüpft. Investoren setzen nicht nur auf Geschäftszahlen, sondern auch auf seine Vision und Fähigkeit, große Projekte umzusetzen. Der Erfolg von Tesla dient vielen als Referenz. Gleichzeitig erhöht diese Personalisierung aber auch das Risiko: Ein Vertrauensverlust oder operative Rückschläge könnten sich direkt auf den Aktienkurs auswirken.

Richtet sich der Börsengang auch an Privatanleger?

Ja, und zwar in ungewöhnlich großem Umfang. Nach Insiderangaben möchte Musk bis zu 30 Prozent der Aktien für Privatanleger reservieren, etwa dreimal so viel wie bei einem klassischen Börsengang. Laut Finanzchef Bret Johnsen will SpaceX damit die breite Anhängerschaft des Milliardärs einbinden. Geplant ist sogar eine eigene Investorenveranstaltung für rund 1500 Kleinanleger aus mehreren Kontinenten im Juni. Die beteiligten Banken erwarten eine außergewöhnlich hohe Nachfrage – entsprechend begrenzt dürften die Zuteilungen bleiben.

Was hat es mit den Grok-Abonnements auf sich?

Für Aufsehen sorgt Musks Ansage an Banken, Kanzleien und Wirtschaftsprüfer: Wer am Börsengang beteiligt werden möchte, muss Abonnements für den KI-Chatbot Grok erwerben und in die eigenen Systeme integrieren. Einige Institute sollen bereits zweistellige Millionenbeträge pro Jahr investieren. Das schafft zusätzliche Einnahmen und bindet die Banken enger an das IPO. Kritiker sehen darin jedoch eine ungewöhnliche Verknüpfung von Kapitalmarkt und Produktvertrieb.

Wie läuft der Börsengang konkret ab?

Der Börsenprospekt soll Ende Mai veröffentlicht werden, die Roadshow bei potenziellen Anlegern startet Anfang Juni. Der Börsengang ist für Juni oder Juli an der Nasdaq geplant. Die Investorenveranstaltung für 1500 Kleinanleger steht laut Reuters am 11. Juni an. Die finale Preisfestlegung erfolgt kurz vor Handelsstart. Der genaue Zeitpunkt für den Börsengang dürfte stark vom Marktumfeld abhängen – insbesondere von der Entwicklung der Tech-Aktien und der Risikobereitschaft der Investoren.

Quelle: ntv.de

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