Wirtschaft

Zur Absicherung externer SchocksStimmen für staatliche Gasreserve mehren sich

03.02.2026, 08:23 Uhr
00:00 / 03:35
ARCHIV-07-07-2025-Niedersachsen-Rehden-Mitarbeiter-der-SEFE-Storage-GmbH-gehen-an-einer-technischen-Anlage-zur-Verdichtung-von-Erdgas-auf-dem-Gelaende-des-Erdgasspeichers-Rehden-entlang-Bei-der-Speicheranlage-handelt-es-sich-um-den-groessten-Erdgasspeicher-in-Westeuropa
Das Gelände des Erdgasspeichers Rehden - niedrige Speicherfüllstände sind nicht mehr automatisch ein Indiz für eine Gasmangellage. (Foto: dpa)

Falls angesichts der Kälte wieder das Erdgas knapp wird, soll zusätzliches Flüssiggas helfen. Für den Notfall, dass die Versorgung trotzdem einmal nicht mehr sicher sein sollte, werden Forderungen nach einer Reserve laut.

In der Debatte über die künftige Versorgungssicherheit beim Erdgas hat der Dachverband der Energiewirtschaft (BDEW) die Einführung einer nationalen strategischen Reserve für Notfälle befürwortet. "Zur Absicherung eines akuten Krisenfalls und unerwarteter externer Schocks ist die Schaffung einer Speicherreserve ein sinnvolles Instrument", sagte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Kerstin Andreae, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Eine Speicherreserve könne die Handlungsfähigkeit erhalten und Deutschland resilienter machen, erklärte Andreae. Die Reserve solle jedoch nicht zur gezielten Dämpfung von Preisspitzen dienen, sondern dürfe ausschließlich zur Sicherung der physischen Versorgung eingesetzt werden.

Es bedürfe daher unter anderem klarer Regeln für den Einsatz einer solchen speicherbasierten Reserve, forderte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. "Diese muss auf Notfallsituationen beschränkt sein und nur so erfolgen, dass Marktverzerrungen vermieden werden", betonte sie.

Gasversorgung dank LNG "stabil"

Zuvor hatte bereits der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, die Einrichtung einer strategischen Reserve angeregt. Es brauche eine Absicherung, um schnell auf unvorhersehbare Ereignisse reagieren zu können, erklärte er.

Experten sprechen von einem historischen Tief der Gasspeicher-Füllstände in diesem Jahr. Derzeit liegen sie Daten des Portals AGSI zufolge noch bei rund 36 Prozent. Ende Januar 2025 betrugen sie 58 Prozent, Ende Januar 2024 waren es sogar 76 Prozent. Die Bundesnetzagentur rechnet aber nicht mit Engpässen. "Die Gasversorgung in Deutschland ist aktuell stabil, die Versorgungssicherheit ist gewährleistet", sagte Müller am Montag. Die Gefahr einer "angespannten Gasversorgung" schätze er im Augenblick als gering ein.

Müller betonte, die Rolle der Gasspeicher habe sich gewandelt. Gründe dafür seien der Ausbau der LNG-Infrastruktur für Flüssigerdgas und neue Gasflüsse. "Niedrige Speicherfüllstände sind kein automatisches Indiz für eine Gasmangellage." Der Behördenchef rechnet allerdings mit steigenden Preisen und einem sehr niedrigen Speicherstand am Ende des Winters.

Anfang Januar hatte bereits der Chef des Oldenburger Energieversorgers EWE, Stefan Dohler, vorgeschlagen, für den Krisenfall eine nationale Gasreserve anzulegen. "Ich möchte keinen Alarm schlagen, aber trotzdem darauf hinweisen, dass die Füllstandssituation heute so schlecht ist, wie sie es Anfang 2022 war", sagt Dohler. "Es ist ein Zeichen, dass die Mechanismen, die die Politik geschaffen hat, so nicht funktionieren. Es gab im vergangenen Sommer keine Preissignale im Markt, die Gasspeicher zu befüllen." Es sei an der Zeit, darüber zu sprechen, welche Instrumente auch in einem Krisenfall für ausreichende Versorgungssicherheit sorgen könnten.

Quelle: ntv.de, chl/AFP/rts/dpa

GaspreisEnergieversorgungBundesnetzagenturGasspeicher