Wirtschaft

Hohe Mieten für Familien Studie: Immobilienbranche baut am Bedarf vorbei

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Laut Studie werden in Wachstumsregionen die höchsten Quadratmeter-Mietpreise für single- und familienfreundliche Wohnungen aufgerufen.

(Foto: IMAGO/Martin Müller)

In Großstädten ist Wohnraum ein begehrtes Gut. Einer neuen Studie zufolge baut die Immobilienbranche dort am Bedarf vorbei. Leidtragende sind vor allem Familien und Singles.

Singles und große Familien zahlen in Deutschland laut einer Studie die höchsten Quadratmetermieten. Der Abstand zu anderen Wohnungsarten ist vor allem in großen Städten deutlich, zeigt eine veröffentlichte Analyse des Datenanbieters Empirica Regio. Demnach wurde für eine Einzimmerwohnung im vergangenen Jahr im Bundesdurchschnitt 9,84 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter fällig. Wohnungen mit fünf oder mehr Zimmern wurden für 8,78 Euro pro Quadratmeter angeboten. Wohnungen mit zwei Zimmern waren hingegen günstiger mit 8,72 Euro je Quadratmeter, ebenso wie Dreizimmerwohnungen (8,41) und Vierzimmerwohnungen (8,42).

Besonders in Metropolen wie München, Hamburg oder Berlin wurden Familien und Singles bei den untersuchten Angebotsmieten mehr zur Kasse gebeten als andere Mieter. Wohnungen mit fünf oder mehr Zimmern waren demnach für gut 13,71 Euro pro Quadratmeter zu haben, Einzimmerwohnungen für 13,50 Euro. Beides lag über dem Durchschnittsmietpreis von 12,79 Euro pro Quadratmeter. Wohnungen mit zwei, drei oder vier Zimmern waren auch hier günstiger. In anderen großen Städten (B-Lagen) gab es den Angaben nach ähnliche Muster. In Stagnations- und Schrumpfungsregionen hingegen waren Ein- und Zweizimmerwohnungen gefragt und teurer als andere Wohnungsarten.

"Unsere Erhebungen legen nahe, dass gerade in Wachstumsregionen die höchsten Quadratmeter-Mietpreise für single- und familienfreundliche Wohnungen aufgerufen werden", sagte Jan Grade, Geschäftsführer von Empirica Regio. "In Großstädten werden zu wenige familienfreundliche Wohnungen gebaut." Auch seien die Mieten für große Wohnungen überdurchschnittlich stark gestiegen. Das treibe die für die Stadtentwicklung wichtige Gruppe der jungen Familien ins Umland.

Größeres Wohnungsangebot benötigt

Laut der Studie sind die Fertigstellungen von Wohnungen mit vier oder mehr Zimmern, hier einschließlich Ein- und Zweifamilienhäusern, in den Metropolen kräftig gesunken: Im Vergleich der Fünfjahreszeiträume 2011 bis 2015 und 2016 bis 2020 gingen sie von durchschnittlich 8500 Wohnungen pro Jahr auf 6700 zurück. Zudem machten Wohnungen mit vier oder mehr Zimmern nur 15 statt 29 Prozent aller Fertigstellungen aus. Zugleich stieg die Zahl der fertiggestellten Wohnungen mit einem oder zwei Zimmern um das Zweieinhalbfache - von 7400 auf 19.100 jährlich und der Anteil dieser an allen Fertigstellungen von 25 auf 42 Prozent.

Die Immobilienbranche reagiere auf die wachsende Haushaltszahl häufig mit dem Bau von Single-Wohnungen, sagte Grade. Dabei zeigten Daten, dass die Zahl von Haushalten ab drei Personen in den A- und B-Städten in den vergangenen Jahren stärker zugelegt habe als die Zahl der kleinen Haushalte. "Die Zielgruppe der Familien droht aus dem Blick zu geraten". Nötig sei ein größeres Wohnungsangebot für sie.

Untersuchungsansatz

Empirica Regio hat die durchschnittlichen, inserierten Mietpreise je Quadratmeter Wohnfläche ausgewertet. Standardpreise beschreiben das mittlere Segment (Median). Angaben gab es nur für Gebiete, bei denen mindestens 20 Objekte je Segment und Jahr berücksichtigt werden konnten. Datengrundlage ist eine Sammlung aufbereiteter Immobilienmarktdaten aus mehr als 100 Quellen (Angebotsdaten). Die Sammlung speist sich aus kontinuierlich, deutschlandweit und flächendeckend recherchierten Immobilieninseraten und wurde um Dubletten und Betrugsinserate bereinigt. Bei der Recherche fließen neben den bekannten großen Immobilienmarktplätzen auch kleinere, spezialisierte Internetquellen und Printmedien ein. Berücksichtigt wurden die Daten der 400 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte.

Quelle: ntv.de, mba/dpa

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