Wirtschaft

Dürre legt Lieferkette lahm Tankstellen geht der Sprit aus

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Schiffe auf dem Rhein können wegen des niedrigen Wasserstandes nicht voll beladen werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

In einigen Regionen spielen sich Szenen ab, die Deutschland seit Jahrzehnten nicht erlebt hat: Tankstellen schließen, weil der Nachschub ausbleibt. Ursache ist unter anderem das extreme Niedrigwasser des Rheins.

Seit 40 Jahren betreibt Rolf Hammes seine Tankstelle in Waldesch, die einzige in dem Dorf südlich von Koblenz. Doch so etwas hat er in dieser Zeit noch nie erlebt: Tagelang konnte er keinen Sprit verkaufen. Am vergangenen Freitag ging ihm zunächst der Diesel aus, wie der Tankstellenbetreiber der "Rhein-Zeitung" berichtet, am Tag drauf auch das Benzin. Erst diesen Morgen - drei Tage später - kam der Tankwagen mit einer neuen Lieferung Treibstoff. Eine Tankstelle ohne Benzin: "Das ist der Super-Gau", sagt Hammes.

Die Total-Tankstelle von Hammes in kein Einzelfall derzeit. Von Aachen an der deutsch-belgischen Grenze über das Rheinland bis in Teile Österreichs häufen sich Berichte von Tankstellen, denen einzelne Spritsorten ausgehen oder die ganz schließen müssen, da der Nachschub ausbleibt. Die Logistik für die Belieferung der Tankstellen sei derzeit gestört, sagt Herbert Rabl, der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (Tiv). Er betont allerdings, dass es sich um Lieferengpässe handle, aufgrund derer immer wieder einzelne Tankstellen auf dem Trockenen säßen. "Es gibt keine allgemeine Benzinknappheit", sagt Rabl n-tv.de.

Das Problem habe bereits Anfang September begonnen, so Rabl. Damals sei eine Raffinerie in Bayern nach einem Großbrand ausgefallen, die große Teile Süddeutschlands mit Treibstoff versorge. Deren Produktionsausfall zu ersetzen, habe die Branche bereits vor eine große logistische Herausforderung gestellt.

Dazu kam dann das extreme Niedrigwasser der Donau und des Rheins. Tankschiffe, die einen Teil des Treibstoffs in die Region transportieren, können derzeit nur noch mit etwa 20 Prozent ihrer Kapazität beladen werden, damit sie nicht auf Grund laufen. Einige Rheinhäfen werden gar nicht mehr angelaufen. Das führt dazu, dass einige Treibstoff-Lager, von denen aus Tankstellen wie die von Rolf Hammes beliefert werden, nur unzureichend gefüllt sind.

Um einer Knappheit vorzubeugen, hatte die Bundesregierung vergangene Woche einen Teil der deutschen Ölreserven in Form von Diesel, Benzin und Kerosin in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und im Regierungsbezirk Köln freigegeben. Zudem verlegen die Mineralölkonzerne ihre Transporte, soweit möglich, auf die Straße und die Schiene.

Ein Treibstoff-Notstand sei nicht zu befürchten, versichert Tiv-Sprecher Rabl, auch wenn weiter kein Regen in Sicht sei und sich beim Niedrigwasser daher keine Entspannung abzeichne. Spürbar für die Verbraucher sei das Problem allerdings schon. So seien die Spritpreise in wenigen Wochen teilweise um mehr als 20 Cent pro Liter gestieben. "Die Konzerne müssen ihre Logistikkette neu organisieren", so Rabl. Die Kosten dafür reichen sie an die Kunden weiter.

Quelle: n-tv.de

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