Wirtschaft

Kaffee und Tesla - was soll das? Tchibo verkauft jetzt auch Abos für E-Autos

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Der Tesla Model 3 im Abo bei Tchibo. Mit einem Mausklick im virtuellen Warenkorb - mit Tischdecke und Topflappen.

(Foto: Tchibo)

Möbel, Küchenutensilien und Unterwäsche kennt man bereits aus dem Angebot des Kaffeerösters. Jetzt geht Tchibo im Non-Food-Bereich noch einen Schritt weiter: Als Autoverleiher bietet das Unternehmen zwei Elektro-Pkw mit einer Art Auto-Flatrate an.

Tchibo steigt in das Geschäft mit Abos für Elektroautos ein: Neben Büstenhaltern, Bettlaken und Brotbrettern vertreibt das Hamburger Kaffeeröster ab sofort das Tesla Model 3 sowie den nagelneuen Fiat 500e Icon. Das Angebot ist begrenzt. Laut Unternehmensangaben ist das Model 3 im "zweistelligen", der Fiat 500e im "vierstelligen Bereich" verfügbar.

Bei beiden Angeboten handelt es sich um Autobesitz auf Zeit. Das Model 3 von Tesla gibt es mit einer Laufzeit von einem oder zwei Jahren zu einem Preis - unabhängig von der Dauer des Abos - von 777 Euro im Monat. Den Fiat 500e Icon gibt es für 13 Monate für 289 Euro monatlich.

Inklusive beim Model 3 sind unter anderem die Versicherung mit Selbstbeteiligung, die Wartung sowie 10.000 Freikilometer im Jahr. Wer mehr fährt, muss 15 Cent bis 2500 Kilometer zahlen, darüber hinaus werden 25 Cent fällig. Das Abo-Angebot für das italienische E-Auto enthält 13.000 Kilometer. Auch hier gilt: Wird der Wagen mehr gefahren, fallen Zusatzkosten an. Ansonsten müssen die Abonnenten nur den Strom zusätzlich zahlen.

Ähnlich wie bei seinen Mobilfunkangeboten vermarktet Tchibo das Angebot nicht alleine, sondern in diesem Fall zusammen mit dem Startup Like2drive. Das Kölner Unternehmen ist während der Laufzeit auch der Ansprechpartner für sämtliche Fragen rund um das Auto-Abo. Ist diese abgelaufen, wird das Fahrzeug entweder abgegeben oder aber es wird ein Folgevertrag abgeschlossen.

Wie bei anderen Non-Food-Waren landen die Abos per Mausklick im virtuellen Einkaufswagen, einen Klick weiter wird an der digitalen Kasse bezahlt. Die Übergabe der Autos findet an einem von sechs bundesweit angebotenen Standorten statt. Gegen einen einmaligen Aufpreis von 199 Euro kommt das Auto auch direkt vor die Haustür. Abo-Kunde kann jeder ab 21 Jahre werden.

Auto-Abos liegen im Trend

Mit dem neuen Angebot springt Tchibo auf einen Trend auf, der auf dem Automarkt schon länger zu beobachten ist. Like2drive ist in Deutschland nicht der einzige Anbieter von Auto-Abos. Neben anderen Startups wie Cluno mischen auch Autovermieter und Autobauer wie Mercedes-Benz mit. Laut dem Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut Duisburg verlieren klassische Autohändler immer mehr an Bedeutung. Während das Angebot von Rabattaktionen schrumpfe, werde das margenstarke Geschäft mit Abos immer wichtiger.

Tchibo ist auch längst nicht mehr der einizige branchenferne Anbieter von Autos. Zuletzt sorgte der Discouter Lidl mit einem Leasingangebot für Kia- und Fiat-Modelle für Schlagzeilen. Die Wettbewerbszentrale warf Lidl allerdings vor, "veraltete Ladenhüter" anzubieten.

Wie immer bei Abos ist ein Vergleich mit anderen Angeboten wegen unterschiedlicher Konditionen schwierig. Ausgesprochen günstig scheint der Preis jedoch nicht: Für viele dürften die gedeckelten Freikilometer ein Problem sein, die nicht für jeden Radius reichen werden und dann auch ins Geld gehen können. Ein einfacher Vergleich beim Model 3 zeigt: Bei Tesla kostet ein Leasingvertrag für Privatkunden nur 389 Euro netto pro Monat. Hier wird zwar noch eine Anzahlung von 6500 Euro fällig, die kann aber mit der Kaufprämie verrechnet werden. Auch wenn die Versicherung bei Tesla nicht inklusive ist - Kunden müssen selber eine Vollkaskoversicherung abschließen - und die Laufzeit mit 36 oder 48 Monaten zudem deutlich länger ist als bei Tchibo, scheint das Leasing-Angebot, das vielleicht etwas komplizierter als ein Abo-Modell ist, zumindest konkurrenzfähig.

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Bei Finn.auto.de kostet das Model 3 bei einer Laufzeit von sechs Monaten 799 Euro - also ähnlich viel wie bei Tchibo. Kostenlos gibt es 1000 Kilometer monatlich. Bei sechs Monaten Laufzeit und insgesamt 30.000 Kilometern (pro Monat 5000 Kilometer) werden für Vielfahrer schon 1308 Euro monatlich fällig. Dabei ist alles inklusive außer Tanken.

Grundsätzlich für ein Abo spricht, dass der Kauf eines E-Autos spontan immer mehr ins Geld geht. Autofahrer schonen mit einem Abo ihre Liquidität und sparen Aufwand, weil im Preis vieles inbegriffen ist, was bei einem eigenen Auto selbst getragen werden muss. Hinzu kommt, dass ein Abo die Möglichkeit bietet, E-Auto, Ladeinfrastruktur und Reichweite erst einmal zu testen, bevor man sich für den Kauf eines Elektro-Autos entscheidet. Auch das gilt es nicht zu unterschätzen und ist nicht unbedingt in Geld aufzuwiegen. Letztlich ist es wie immer die Frage, was gewollt ist.

Quelle: ntv.de, ddi

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