Wirtschaft

Neuwagen protzen mit ihrer Power Tesla-Effekt bringt mehr PS unter die Haube

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Der "Tesla-Effekt": Das Model S hat in der Spitze 999 PS.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Deutschland gibt es nur eine Richtung bei den PS-Zahlen: aufwärts. Seit 30 Jahren satteln Autofahrer zuverlässig jedes Jahr noch ein bisschen obendrauf - auch 2020. Ausgerechnet die staatlich geförderte E-Mobilität beschleunigt diese Entwicklung noch. Autoexperte Dudenhöffer fordert: gegensteuern.

Der deutsche Autofahrer liebt volle Motorenkraft auf vier Rädern. Bei jedem Kauf eines Neuwagens dürfen es immer noch gerne ein paar PS mehr sein. Daran hat sich seit 30 Jahren im Wesentlichen nichts geändert. Auch wenn die Corona-Pandemie die Zulassungszahlen bei Pkw im vergangenen Jahr um 19 Prozent einbrechen lassen hat, dem PS-Trend konnte das Virus nichts anhaben.

Ein durchschnittlicher Neuwagen hatte im vergangenen Jahr 165 PS unter der Haube, wie aus einer Studie des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer hervorgeht. "Das ist ein neuer Höchstwert, den wir erreicht haben", sagt Dudenhöffer zu ntv. "Die Deutschen lieben PS und sie sind auch 2020 wieder mit mehr PS-Zahlen unterwegs."

Mit plus 7 und plus 3 PS liegen die Jahreszuwächse 2019 und 2020 sogar über dem langjährigen Trend. Zum Vergleich: 2010 hatte ein durchschnittlicher Neuwagen "nur" 130 PS unter der Haube. "PS macht mehr Spaß. Und die Innovationsprämie, die von der Bundesregierung ausgeschüttet wird, führt natürlich auch dazu, dass mehr PS gekauft werden", sagt der Chef des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen ntv.

Ausschlaggebend sind dabei vor allem die starken Zuwächse an Plug-In Hybriden und Elektroautos unter den Neuwagen, die mittlerweile einen Anteil von zehn Prozent auf Deutschlands Straßen ausmachen. Vor allem die als Firmenwagen beliebten Plug-In Hybride haben viel PS unter der Haube. "Mit im Schnitt 190 PS sind sie deutlich stärker motorisiert als der Durchschnitts-Neuwagen mit 165 PS", sagt Dudenhöffer weiter.

Tesla Model S mit 999 PS

Wohin die Reise bei den Stromern geht, ist offensichtlich: Hatten sie 2017 noch 119 PS, sind es heute 169 PS. Den Turbo bei den vollelektrischen Pkw zündete Elektropionier Tesla. Das Model S aus der Schmiede von Elon Musk hat in der Spitze satte 999 PS, das Model 3 immerhin noch 306 PS. Dudenhöffer nennt es den "Tesla-Effekt".

In dem Maße wie neue Stromer - zum Beispiel aus der VW-Schmiede - auf den Markt rollen, dürfte dieser zwar etwas schwächer werden. Eine Umkehr des Trends erwartet der Autoexperte dadurch aber nicht. Denn selbst klassische Benziner haben unter der Haube mittlerweile kräftig zugelegt. SUVs, die alle mit mehr Pferdestärken unterwegs sind, haben ebenfalls ihren Anteil an dieser Entwicklung. Im vergangenen Jahr haben diese Wagen "nochmals deutlich bei der durchschnittlichen PS-Zahl zugelegt", heißt es.

"Trotz Klima- und Tempo-Debatten steigen die PS-Zahlen im deutschen Automarkt", lautet das Fazit der Studie. Und "mit den PS-Zahlen auch die Höchstgeschwindigkeiten". Ändern dürfte sich daran so schnell nichts, prognostiziert Dudenhöffer - selbst bei einem Tempolimit nach der nächsten Bundestagswahl. "Ich bin nicht sicher, ob das das Ziel der Bundesregierung und der Innovationspämie gewesen ist." Er appelliert an Verbände wie VDA oder VDIK bei den Mitgliedern dafür zu werben, "das Performance-Rennen zu beruhigen".

Quelle: ntv.de, ddi