Wirtschaft

Häuptlinge beschimpfen sich "Testosteron-Krieg" um Kaiser's geht weiter

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Für die Mitarbeiter ist die Zerschlagung ein "Horrorszenario".

(Foto: dpa)

Mit gegenseitigen Vorwürfen brechen die Chefs von Tengelmann, Edeka und Rewe ihre Verhandlungen um die Zukunft der Kaiser's-Supermärkte ab. Von einer "Schweinerei" auf Kosten der Mitarbeiter ist die Rede. Trotzdem geht das Geschacher weiter.

Nach den gescheiterten Rettungsgesprächen für die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann wirft Rivale Rewe dem Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub "Trickserei" vor. Haub machte im Gegenzug Rewe-Chef Alain Caparros dafür verantwortlich, dass bislang kein Kompromiss der Konkurrenten Rewe, Edeka, Norma und Markant zustande gekommen ist. "Herr Caparros hat von Anfang an alles unternommen, um den Deal zu zerstören", sagte der Tengelmann-Inhaber der "WAZ".

Rewe-Chef Alain Caparros bot zwar an, unter Vermittlung von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel einen "letzten Versuch" zu unternehmen, beharrte allerdings auf einer Übernahme zumindest von Teilen von Kaiser's Tengelmann durch Rewe. Haub hat inzwischen die Geschäftsführung beauftragt, erste Angebote für Teile der Supermarktkette einzuholen und mit den Arbeitnehmervertretern in Sozialplanverhandlungen zu treten. Er selbst rechnet damit, dass sich für viele Filialen kein Käufer finden wird und Tausende Mitarbeiter ihren Job verlieren werden. Gleichzeitig schloss der Tengelmann-Eigner aber eine andere Lösung weiterhin nicht aus. "Ich bin bis zur letzten Minute offen für eine einvernehmliche Lösung, die Kaiser's Tengelmann als Ganzes und damit alle Arbeitsplätze erhält", sagte Haub der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Das Zeitfenster schließe sich erst, wenn die erste Filiale verkauft sei. Das werde einige Wochen in Anspruch nehmen.

Die Verhandlungen der vergangenen Wochen seien "verlogen" gewesen, sagte Caparros der "Bild"-Zeitung. Er habe den Verdacht, dass sich Haub mit Edeka-Chef Markus Mosa "längst einig" sei, welche Filiale der Marktführer bei der Zerschlagung ohne die Auflagen der Ministererlaubnis übernehme. Der von Verdi einberufene runde Tisch sei ein "unwürdiges Schauspiel" gewesen. "Für die Mitarbeiter ist dieser Testosteron-Krieg der Häuptlinge eine echte Schweinerei."

Gabriel soll vermitteln

Der Streit zwischen den Supermarktketten eskalierte am Donnerstagabend: Tengelmann, Edeka und Rewe gaben das Scheitern der Gespräche bekannt. Zuvor hatte Rewe erneut dafür geworben, Kaiser's Tengelmann selbst als Ganzes übernehmen zu dürfen und damit die beiden anderen Unternehmen verprellt. Sie wollten das Geschäft wie ursprünglich angedacht laut Ministererlaubnis umsetzen und gaben Rewe die Schuld am Scheitern der Gespräche.

Rewe-Chef Caparros bot an, "noch einen letzten Versuch zu starten". Als Voraussetzung nannte er dafür im "Tagesspiegel" aber, dass nicht mehr Verdi, sondern ein Vermittler den Krisengipfel leite. Dies müsse jemand "mit Kompetenz und politischer Autorität" sein. Caparros schlug Gabriel dafür vor.

Den Vorschlag wollte die Tengelmann-Gruppe nicht kommentieren. Miteigentümer Haub hatte bereits am Donnerstagabend angekündigt, für die Filialen in der Region Nordrhein und die drei Birkenhof-Fleischwerke ab nächster Woche "Interessensbekundungen am Markt einzuholen". In München und Berlin solle die "Verwertungsphase" zeitverzögert beginnen.

"Horrorszenario" für die Wirtschaft

Zudem beauftragte Haub die Geschäftsführung von Kaiser's Tengelmann damit, "in umfassende Sozialplanverhandlungen einzutreten". Hintergrund ist, dass bei einer Zerschlagung für viele Filialen wohl kein Käufer gefunden wird und damit etliche Jobs auf der Kippe stehen. Haub hatte bereits mehrfach betont, dass bei einer Zerschlagung die Hälfte der inzwischen nicht mehr ganz 16.000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren würden.

Die Belegschaft sei "am Boden zerstört", sagte der Betriebsratsvorsitzende der Kette in Nordrhein-Westfalen, Rainer Schroers, den "Ruhr Nachrichten" vom Freitag. "Ich bin wie vor den Kopf gestoßen. Das ist ein Horrorszenario."

Auch der Chef des Kaiser's-Tengelmann-Betriebsrats in Bayern, Manfred Schick, reagierte enttäuscht. "Man hat nicht alles versucht in den Verhandlungen an diesem sogenannten runden Tisch, um eine für die Beschäftigten und ihre Arbeitsplätze gute Lösung zu finden", sagte er im Bayerischen Rundfunk.

Verdi wollte das Ringen um die Rettung von Kaiser's Tengelmann noch nicht verloren geben. Die Gewerkschaft werde "auch jetzt noch alles daran setzen", die Zerschlagung zu verhindern, erklärte Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Quelle: n-tv.de, mbo/AFP/dpa

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