Wirtschaft

Ja zum Joint Venture mit Tata Thyssenkrupp-Beschäftigte machen Weg frei

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Am morgigen Freitag entscheidet der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp über die Fusion mit Tata.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach zermürbenden Verhandlungen stehen IG Metall und Betriebsräte von Thyssenkrupp nun hinter den Fusionsplänen mit Tata Steel. Das Ja des Aufsichtsrats ist so gut wie sicher. Einem Medienbericht zufolge steht der Deal schon jetzt.

Die Thyssenkrupp-Beschäftigten haben sich für ein Stahlbündnis mit Tata Steel ausgesprochen und damit einem Gemeinschaftsunternehmen den Weg geebnet. "Das jetzt beschlossene Joint Venture ist besser als ein Joint Venture, das ohne Beteiligung der Arbeitnehmerseite zustande gekommen wäre", sagte Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath nach einer Sitzung des Aufsichtsrats von Thyssenkrupp Steel Europe.

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Eine Stahlfusion mit Tata sei zwar nie der Wunsch gewesen. Es sei aber die bessere Alternative. "Es kann doch nicht sein, dass Thyssenkrupp wie ein Gebrauchtwagen ausgeschlachtet werden soll und die Menschen auf dem Schrott landen sollen." Mit der Zustimmung der Arbeitnehmervertreter ist auch eine Mehrheit für das Joint Venture im Aufsichtsrat des Konzerns so gut wie sicher, weil die Gewerkschafter und Betriebsräte die Hälfte der 20 Sitze innehaben. Das "Handelsblatt" berichtet unter Berufung auf das Umfeld der Unterhändler schon jetzt von einer endgültigen Einigung.

Der Aufsichtsrat soll am morgigen Freitag über die Pläne von Vorstandschef Heinrich Hiesinger beraten, wie Reuters erfahren haben will. Hiesinger treibt seit über zwei Jahren ein Bündnis voran, mit dem er den zweitgrößten Stahlkonzern Europas nach ArcelorMittal schmieden will. Thyssenkrupp hatte zuletzt mehrfach angekündigt, den Zusammenschluss bis Ende Juni besiegeln zu wollen.

"Verlorengegangenes Vertrauen wiederherstellen"

Tausende Stahlkocher von Thyssenkrupp hatten zunächst gegen die Pläne protestiert, ehe sich die IG Metall mit Personalvorstand Oliver Burkhard im Dezember auf ein umfangreiches Paket zur Beschäftigungs- und Standortsicherung einigte. "Unser Ziel war immer, die Arbeitsplätze und Standorte zu sichern, die Interessen der Kolleginnen und Kollegen zu wahren und alle IG Metall-Mitglieder zu beteiligen. Das ist, denke ich, weitestgehend gelungen", betonte Stahlbetriebsratschef Tekin Nasikkol.

"Thyssenkrupp Tata Steel ist machbar", bestätigte auch der frühere IG Metall-Chef und heutige stellvertretende Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp Steel Europe, Detlef Wetzel. Er nahm zugleich Hiesinger und Stahlboss Andreas Goss in die Pflicht. Der gesamte Prozess – die Dauer der Fusionsdebatte und die Fusionsverhandlungen – sei eine Zumutung für die Belegschaft, die Betriebsräte und die IG Metall, gewesen. "Wir erwarten, dass die Vorstände von Thyssenkrupp und Thyssenkrupp Steel jetzt alles daransetzen, verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen."

Quelle: ntv.de, fhe/rts/dpa