Wirtschaft

Aufzugssparte geht an Investoren Thyssenkrupp verkauft seine Ertragsperle

Thyssenkrupp beschafft sich das so dringend benötigte frische Geld. Dafür allerdings muss der Traditionskonzern seine Aufzugssparte verkaufen. Betroffen ist gut ein Drittel der Belegschaft. Der Deal aber spült dem Konzern Milliarden in die klammen Kassen.

Der schwer angeschlagene Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp trennt sich von seiner einzigen Ertragsperle. Für insgesamt 17,2 Milliarden Euro wechselt die Aufzugssparte den Besitzer, wie das Unternehmen mitteilt. Käufer ist ein Konsortium um die Finanzinvestoren Advent und Cinven und die Essener RAG-Stiftung. 1,25 Milliarden davon reinvestiert der Konzern in eine Rückbeteiligung. Die Transaktion stehe unter dem Vorbehalt fusionskontrollrechtlicher Genehmigungen, man erwarte aber keine Bedenken der zuständigen Behörden, heißt es weiter.

ThyssenKrupp
ThyssenKrupp 4,63

Den Ruhrkonzern drücken Nettofinanzschulden von sieben Milliarden Euro und Pensionsverpflichtungen von neun Milliarden Euro. Thyssenkrupp hatte daher im vergangenen Jahr einen Börsengang oder Verkauf des Geschäfts angekündigt. Der Erlös soll nun komplett im Konzern bleiben und zur Entschuldung und zur Senkung der Strukturkosten genutzt werden, heißt es weiter. So sollen die Pensionsverpflichtungen des Unternehmens teilweise ausfinanziert werden. Die Entschuldungsmaßnahmen sollen es möglich machen, den Free Cashflow vor Ver- und Zukäufen binnen zwei Jahren positiv zu machen.

53.000 Beschäftigte in der Sparte

Weltweit hat Thyssenkrupp Elevator rund 53.000 Mitarbeiter, das ist fast ein Drittel aller Beschäftigten im Konzern. Mit den künftigen Eigentümern sei eine Standort- und Beschäftigungssicherung vereinbart worden, teilte die IG Metall mit. Sie laufe mindestens bis zum 31. März 2027. Während dieser siebenjährigen Laufzeit seien betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen, alle bestehenden Standorte in Deutschland blieben mit ihren wesentlichen Funktionen erhalten und sollten gestärkt werden.

Während das Stahl-Geschäft tief in den roten Zahlen steckt, erzielte Thyssenkrupp mit dem Verkauf und der Wartung von Aufzügen und Rolltreppen allein im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen operativen Gewinn von 228 Millionen Euro. Nach dem Verkauf der Aufzugssparte soll der traditionsreiche Stahl wieder zum Kerngeschäft von Thyssenkrupp werden. Im Ersten Quartal lief in der Sparte indes ein operativer Verlust von 164 Millionen Euro auf. Zunächst sollen nun bei Stahl 2000 Arbeitsplätze wegfallen - mittelfristig könnten es weitere 800 ein.

Wert der Sparte über Börsenwert des Konzerns

Wie wertvoll die Aufzugssparte ist, zeigt ein Blick auf den Börsenkurs der aus dem Dax abgestiegenen Industrieikone. Nach einem monatelangen Absturz des Börsenkurses brachte Thyssenkrupp am Donnerstag nur noch eine Marktkapitalisierung von rund 5,7 Milliarden Euro auf die Waage. Die Aufzugssparte ist aus Sicht der Investoren also drei Mal so wertvoll wie der gesamte Konzern.

Zuletzt war neben dem nun erfolgreichen Konsortium noch eine Gruppe aus Blackstone, Carlyle und dem Canada Pension Plan Investment Board im Rennen. Der finnische Konkurrent Kone war in der vergangenen Woche ausgestiegen. Dieser hatte rund 17 Milliarden Euro geboten. Die Finanzinvestoren hatten Insidern zufolge knapp 16 Milliarden offeriert.

Bei Thyssenkrupp hatte sich in den vergangenen Monaten die Lage immer mehr zugespitzt. Die lange vorbereitete Fusion der Stahlsparte mit dem europäischen Zweig des indischen Stahlkochers Tata war von der EU-Kommission untersagt worden. Eine Aufspaltung des Konzerns in zwei Aktiengesellschaften wurde abgesagt, Thyssenkrupp flog wegen massiver Kursverluste aus dem Dax. Vorstandschef Guido Kerkhoff musste nach nur gut einem Jahr im Amt seinen Hut nehmen. Im Oktober wechselte dann die Aufsichtsratsvorsitzende Martina Merz als Interimschefin an die Spitze des Vorstands.

Die RAG-Stiftung ist für die Finanzierung der dauerhaften Folgekosten des Steinkohlenbergbaus zuständig und dazu auf sichere Erträge ihres Kapitals angewiesen.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa/DJ