Neues Unternehmen gegründetTiktoks Zukunft in den USA scheint gesichert

Wieder und wieder verschiebt US-Präsident Trump die Frist zum Verkauf Tiktoks in den USA. Er hält die Video-App gegen geltende Gesetze am Leben. Rund ein Jahr später steht endlich ein Deal, der für Nutzer Sicherheit bringen soll - und Trump in Erinnerung halten.
Monatelang war das US-Geschäft von Tiktok wegen Sorgen um den Einfluss Chinas vom Aus bedroht, nun ist es offiziell in eine neue Firma eingebracht worden. Als Eigentümer der populären Video-App behält der in China ansässige Konzern Bytedance einen Anteil von knapp 20 Prozent am neuen Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen Tiktok USDS.
Jeweils 15 Prozent halten ab sofort der Software-Konzern Oracle sowie die Finanzfirmen Silver Lake aus den USA und MGX aus Abu-Dhabi. Unter den weiteren Investoren sind der Computerunternehmer Michael Dell sowie der französische Unternehmer Xavier Niel. Daten von Nutzern in den USA sollen in Oracles Rechenzentren gespeichert werden. Auf den Betrieb von Tiktok außerhalb der USA - etwa auch in Deutschland - hat all das keine Auswirkungen.
Vielmehr soll so die Zukunft von Tiktok in den USA gesichert werden. Damit die Plattform weiterhin in den USA aktiv sein darf, musste Bytedance sich mindestens von der Kontrolle über das US-Geschäft trennen. Das hatte ein Gesetz vor einem Jahr festgelegt. Präsident Donald Trump war in seiner zweiten Amtszeit allerdings entschlossen, Tiktok im Land online zu halten. Er verlängerte dafür immer wieder die Fristen für Tiktoks Verkauf - in Umgehung des Gesetzes.
Trump will Tiktok-Nutzern in Erinnerung bleiben
In seiner ersten Amtszeit wollte Trump noch selbst mit einer Verbotsdrohung einen Verkauf von Tiktok erzwingen, scheiterte aber an US-Gerichten. Im Präsidentschaftswahlkampf 2024 fand er dann, dass die Plattform ihm beim Zugang zu jungen Wählern geholfen habe - und setzte sich für ihren Erhalt ein.
"Ich bin so froh, dass ich zur Rettung von Tiktok beitragen konnte!", schrieb Trump am späten Donnerstagabend auf seiner Plattform Truth Social. Er hoffe, dass er noch lange in Erinnerung der Menschen bleiben werde, die Tiktok nutzten und liebten. Trump dankte zudem Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping dafür, dass er mit den USA zusammengearbeitet und dem Deal letztlich zugestimmt habe. Er schätze das sehr, betonte Trump.
Große Zustimmung für Verkaufszwang
US-Kritiker des von ihm durchgesetzten Deals warnen, die neue Struktur greife zu kurz, um Risiken für die nationale Sicherheit auszuräumen. Die "Financial Times" berichtete zudem, dass Bytedance auch weiterhin die Kontrolle über das Onlinehandels- und Werbegeschäft von Tiktok in den USA behalten werde. Der Deal rette Tiktok den US-Markt und belasse zugleich den Großteil der wirtschaftlichen Vorteile bei Bytedance, sagte ein früherer Investor des bisherigen Eigentümers demnach.
Da Bytedance seine Zentrale in Peking hat, hing die Zukunft der App in den USA seit Monaten in der Schwebe. Unter anderem wurde befürchtet, dass chinesische Behörden sich Zugang zu Daten von Amerikanern verschaffen oder die öffentliche Meinung in den USA manipulieren könnten. Tiktok und Bytedance bestritten das. Dennoch wurde unter Trumps Vorgänger Joe Biden das Gesetz verabschiedet, das einen Eigentümerwechsel erzwingen sollte. Dafür stimmten sowohl Bidens Demokraten als auch Trumps Republikaner.
Trump setzte aber gleich zu seinem Amtsantritt im Januar die Umsetzung des Gesetzes aus und verlängerte die Gnadenfrist seitdem immer weiter. Er betrachtete die App auch als Verhandlungsmasse im großen Handelskonflikt mit Peking.
Streit um Algorithmus
Die Daten der US-Nutzer von Tiktok sollen wie geplant in Rechenzentren von Oracle gelagert werden. Die Demokraten warnten in den vergangenen Monaten angesichts des geplanten Deals um Tiktok, Trump wolle noch mehr Kontrolle darüber, was man zu sehen bekomme, "seinen Milliardärs-Kumpeln" überlassen.
Denn Oracle wird von Larry Ellison kontrolliert, einem milliardenschweren Unterstützer von Trump. Seine Familie kaufte vor einigen Monaten den Hollywood-Konzern Paramount. Danach gab es beim dazugehörenden Sender CBS zügig einen Umbau der Nachrichtenredaktion und eine freundlichere Berichterstattung über das Trump-Lager.
Große Debatten gab es in den vergangenen Jahren um den Algorithmus von Tiktok - die Software, die entscheidet, welche Videos den Nutzern als Nächstes angezeigt werden. In den USA wurde befürchtet, dass China die Software manipulieren könnte.
Nach bisherigen Angaben der US-Regierung bekam das neue Gemeinschaftsunternehmen eine Kopie der Algorithmus-Software von Tiktok. Diese werde nun durchleuchtet und mit Daten von US-Nutzern neu angelernt, hieß es. Einige Kritiker von Trumps Tiktok-Deal warnten, dass dies nicht genug Sicherheit gebe. Das US-Gesetz schreibt vor, dass weder die chinesische Regierung noch Bytedance Kontrolle über den Algorithmus haben dürfen.