Wirtschaft

Analyst sieht "Regimewechsel"Toyota vollzieht überraschenden Chefwechsel

06.02.2026, 11:53 Uhr
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Kenta Kon löst Koji Sato (v.r.) als Toyota-Chef ab. (Foto: picture alliance / Kyodo)

Die Geschäfte bei Toyota laufen gut, doch der Druck steigt aus mehreren Gründen. Der Autobauer reagiert darauf mit einem überraschenden Schritt und tauscht die Führungsspitze aus. Der neue Chef berichtet, er sei ebenfalls erstaunt von dem Angebot gewesen.

Der weltgrößte Autobauer Toyota wechselt inmitten strategischer Herausforderungen überraschend seinen Chef aus. An der operativen Führungsspitze löst Finanzchef Kenta Kon den Produktspezialisten Koji Sato ab. Sato wird seinerseits zum Vizechef des Verwaltungsrats befördert und soll sich dort um Branchenthemen kümmern, wie Toyota mitteilte. Mit einer zeitgleichen Anhebung der Gewinnprognose untermauerte der japanische Konzern zwar florierende Geschäfte. Er steht jedoch unter wachsendem Druck durch chinesische Rivalen und ist zugleich mit einer umstrittenen Komplettübernahme seiner Tochtergesellschaft Toyota Industries beschäftigt.

Analyst James Hong von Macquarie sprach von einem "Regimewechsel". Während Sato eher für die Produktentwicklung stehe, bringe Kon mehr Erfahrung bei finanziellen Themen mit. Toyota will nach eigenen Angaben mit dem Umbau Entscheidungsprozesse beschleunigen, um besser auf den tiefgreifenden Wandel in der Branche reagieren zu können. Chinesische Rivalen gewännen mit alarmierender Geschwindigkeit an Boden.

Der neue Chef Kon gilt als treibende Kraft hinter der Komplettübernahme des Gabelstapler-Herstellers Toyota Industries, an der zuletzt die Kritik von Investoren gewachsen war. Minderheitsaktionäre, die herausgekauft werden sollen, hatten den Deal als intransparent und den Preis als zu niedrig bemängelt. Als Verwaltungsratsmitglied der Immobiliensparte Toyota Fudosan, die die Übernahme leitet, sagte Kon kürzlich in einem Reuters-Interview, der Konzern achte sorgfältig darauf, bei dem Geschäft niemanden zu bevorzugen.

Kon war überrascht

Der 57-jährige Kon sagte auf einer Pressekonferenz, er sei überrascht gewesen, als ihm sein neuer Posten Mitte des vergangenen Monats angeboten worden sei. Er kam 1991 nach seinem Wirtschaftsstudium zu Toyota und stieg in der Finanz- und Buchhaltungsabteilung auf. Seit Juli 2025 ist er Finanzchef. Kon ist auch für die Finanzen der Software-Tochter "Woven by Toyota" zuständig. Seine Erfahrung dort dürfte hilfreich sein, um den Rückstand bei der Software gegenüber der chinesischen Konkurrenz aufzuholen.

Sato hatte die Konzernführung erst im April 2023 vom Enkel des Firmengründers, Akio Toyoda, übernommen. Unter Satos Ägide hielt Toyota an Hybrid-Antrieben fest – eine Strategie, die sich angesichts der abflauenden Elektro-Euphorie zunächst auszahlte und Rekordverkäufe sicherte.

Der Toyota-Aktienkurs stieg in Satos Zeit auf dem Chefposten inklusive Dividenden um 111 Prozent und übertraf damit die Entwicklung des japanischen Leitindex Nikkei deutlich. Allerdings verlor der Konzern in Regionen wie Südostasien Marktanteile an chinesische Rivalen wie BYD.

Bekannt gegeben wurde die Personalie zeitgleich mit den Geschäftszahlen zum dritten Quartal. Dank des schwachen Yen und Sparmaßnahmen hob Toyota seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr (per Ende März) an. Der Betriebsgewinn soll nun 3,8 Billionen Yen (rund 23 Milliarden Euro) erreichen. Bislang war das Unternehmen von 3,4 Billionen Yen ausgegangen.

Quelle: ntv.de, toh/rts

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