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Wie fahren andere Länder?Unterwegs in Japan mit dem Toyota Crown Crossover

24.01.2026, 09:30 Uhr Patrick-portraetfotoVon Patrick Broich, Tokio
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Im Straßenbild Tokios sieht man viele exotische Fahrzeuge. (Foto: Toyota)

Warum eigentlich funktionieren bestimmte Fahrzeugmodelle in verschiedenen Ländern unterschiedlich gut? ntv.de ist dieser Frage mit einem Toyota Crown Crossover nachgegangen. Die feine Limousine ist in Deutschland nicht lieferbar. Schade eigentlich.

Andere Länder, andere Sitten - das gilt auch für Autos. Nahezu jeder Hersteller bietet im Ausland Modelle an, die man in Europa, vor allem in Deutschland, nicht bekommen kann. Ja, sogar innerhalb Europa unterscheidet sich das Portfolio. Kleine Stufenhecklimousinen beispielsweise sind in Ländern wie Portugal oder Rumänien beliebt, während sie in Westeuropa zu den Ladenhütern gehören. Das hat historische Gründe, denn große Limousinen waren vielerorts ein Aufstiegsversprechen - das funktioniert auch gut in Klein.

Dagegen sind Kombis oft schnöde Handwerkerautos, die man nicht möchte. Da ist viel Psychologie im Spiel. Wer mal auf der japanischen Toyota-Website surft, wird erschlagen von völlig unbekannten Modellen. Klar, Kei-Cars beispielsweise sind in Megametropolen wie Tokio sinnvoll. Und sie besitzen dort eine Tradition - gelernt ist eben gelernt, und was der Bauer nicht kennt, frisst, ähm, kauft er eben nicht. Nissan hat es ja hierzulande auch versucht mit dem kastig-kultigen Würfel Cube - und ist gescheitert, obwohl das Auto cool war. Aber es ist in Europa eben nicht verwurzelt im kollektiven Automobilgedächtnis.

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Im Grunde wirkt der Toyota Crown Crossover recht international. Ist er auch, denn neben Asien werden auch die USA mit diesem Modell versorgt. (Foto: Toyota)

Richtig exotisch mutet der Crown Crossover nicht an

Toyota probiert es mit Exoten gar nicht erst, sondern bringt ein wohlkuratiertes Modellprogramm nach Europa und Deutschland, um die Verkäufe zu optimieren. Gleichwohl probieren es die Japaner immer wieder auch mit Konzepten, die in Westeuropa längst überholt sind.

Die Limousine Camry ist so ein Beispiel. Nach einiger Zeit Nischendasein hierzulande hat man aufgegeben. ntv.de hat ein Praxisexperiment gewagt mit einem eigentlich gar nicht so exotischen Modell, das übrigens nicht einmal ein Japan-Domestic-Market-Produkt ist: dem Crown Crossover. Dieser bei Toyota traditionelle Markenname fand sich sogar in europäischen sowie selbst in deutschen Modellprospekten - bis Anfang der 1980er-Jahre.

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Schnell mal in eine Toyota-Mietwagen-Filiale spaziert und einen Crown geschnappt. (Foto: Toyota)

Heute ist der Crown in Deutschland nur noch Fans und Markenexperten ein Begriff, während das Label in Japan, aber auch in den USA weiterlebt. Um einen kleinen Eindruck von der Limousine gewinnen zu können, hat der deutsche Importeur zu einer unkonventionellen Maßnahme gegriffen. Ein kurzer Besuch bei einer Mietwagen-Filiale in Tokio, und zack, sitzt man im Crown Crossover.

Ganz wichtig: Crossover - diese spezielle Version von Crown geht definitiv als Limousine durch (in den USA verzichtet man gar auf den Namenszusatz), aber sie setzt sich ab vom deutlich gestreckten klassischen Crown mit über fünf Metern Außenlänge und einer flacheren Silhouette. Der Crossover ist dagegen knapp unter 5 Meter lang und dafür aber 1,54 Meter hoch.

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Die schicke Limousine namens Crown Crossover würde auch Europa gut zu Gesicht stehen. (Foto: Toyota)

Crown-Antriebslayout kennt man aus europäischen Toyotas

Entsprechend geräumig geht es in der Limousine zu. Und eigentlich auch ziemlich konventionell, wenn man europäische Toyota-Modelle kennt. Dieser Eindruck reicht von der Innenarchitektur über das Bedienungskonzept bis hin zum Antriebslayout. Die Komponenten des Hybridstrangs umfassen einen 2,5 Liter großen Sauger-Vierzylinder unter der Haube mit 186 PS. Dazu gesellten sich zwei Elektromaschinen mit 54 PS vorn sowie 120 PS an der Hinterachse, sodass dieser Crown Crossover zum Allradler wird.

Der ebenfalls auf der TGNA-Plattform basierende Komfortgleiter nutzt das bei Toyota etablierte leistungsverzweigte System als Kraftübertragung, bei dem Stromer und Verbrenner an einem Planetengetriebe hängen; die Übersetzungen ergeben sich aus den unterschiedlichen Kräften an den Planetenradsätzen und sind stufenlos.

Entsprechend geschmeidig bewegt sich der insgesamt 249 PS starke Viertürer aus Tokio heraus in Richtung Fuji-san - ähnlich eigentlich wie einst der hier angebotene Camry. Locker-lässig, aber betont komfortabel fährt der Crown Crossover also über Stadt und Land, bietet auch genügend Reserven, wenn es mal bergauf gen Gebirge geht.

Zum Schluss die Gretchenfrage: Wäre der Crown Crossover für den europäischen Markt geeignet? Mit Einschränkungen sicherlich, wenn man den SUV-Trend einmal außer Acht lässt. Limousinen fristen hierzulande bekanntermaßen ein Nischendasein. Und Importeure haben speziell in Deutschland generell Schwierigkeiten damit, sich in gehobenen Segmenten gegen die hiesige Konkurrenz durchzusetzen. In anderen europäischen Märkten dagegen sieht die Sache anders aus. Besonders unkonventionell mutetet der Crown jedenfalls nicht an, und er fährt unspektakulär.

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Der Toyota Copen ist nicht nur exotisch, sondern sicherlich auch spaßig. (Foto: Toyota)

Daher zum Schluss noch eine kleine Anregung: Wie wäre es beim nächsten Mal mit einem wirklich exotischen Heimatmarkt-Produkt? Ich würde den offenen Toyota GR Copen mit 0,7 Liter großem Dreizylinder-Turbomotor empfehlen. Das wäre dann wirklich mal ein exotische Erlebnis.

Quelle: ntv.de

Japanische AutobauerToyota-Modelle