Wirtschaft
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Sonntag, 10. Juni 2018

Opec vor Entscheidung: Trendwende am Ölmarkt?

Von Egmond Haidt und Daniel Saurenz

Öl ist der wichtigste Schmierstoff der Weltwirtschaft. Experten sind sich uneins darüber, ob die Preise weiter steigen. Was bedeutet das für die Autofahrer?

Seit Wochen kennen die Spritpreise hierzulande fast nur eine Richtung, nämlich nach oben. Für Urlauber, die mit ihrem eigenen Auto die Reise antreten wollen, könnte es der teuerste Sommerurlaub seit Jahren werden. Und auch die Perspektiven über den Sommer hinaus sind nicht unbedingt ermutigend.

So haben die Analysten der Bank of America Anfang Mai prognostiziert, dass der Ölpreis im kommenden Jahr bis auf 100 Dollar je Fass steigen könnte. Doch dazu muss es nicht kommen: Denn Saudi-Arabien und Russland planen, die Drosselung der Förderquoten im zweiten Halbjahr zurückzufahren - sprich die Produktion allmählich zu erhöhen. Umso gespannter blicken Investoren daher auf den 22. Juni, wenn sich das Ölkartell Opec, dessen wichtigstes Land Saudi-Arabien ist, mit Nicht-Mitgliedern wie Russland in Wien trifft.

"Der Ölpreis ist im vergangenen Jahr stetig gestiegen, hauptsächlich aufgrund der Bemühungen der globalen Produzenten, die Versorgung zu drosseln", konstatiert Mati Greenspan, Senior Market Analyst bei der Social-Trading-Plattform eToro. "In den vergangen beiden Wochen wurde jedoch deutlich, dass die Opec und Russland eine Änderung ihrer Strategie in Erwägung ziehen und zum ersten Mal seit dem Zusammenbruch des Ölpreises im Jahr 2014 die Aussicht auf eine Produktionssteigerung diskutieren. Infolgedessen verschieben viele Analysten ihre Preisprognosen, um das erwartete Mehrangebot zu berücksichtigen", fügt er hinzu. Die USA haben zuletzt die Opec aufgefordert, die Produktion um eine Million Barrel pro Tag zu erhöhen.

Trump, Fracking und der Atom-Deal

Damit wird offensichtlich, dass US-Präsident Donald Trump etwas gegen die hohen Spritpreise in den USA unternehmen will. Denn sie verschlechtern auch die Wahlchancen der Republikaner bei den Halbzeitwahlen im November. Da nützen selbst die Steuersenkungen wenig, wenn die Preise an der Zapfsäule kräftig steigen.

Mit dem möglichen Hochfahren der Produktion würde zudem die Opec, allen voran Saudi-Arabien, die Folgen der Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA abfedern. Der Iran dürfte in Kürze weniger Öl auf dem Weltmarkt verkaufen.

Diese Aussicht hat deutliche Auswirkungen auf den Preis, auch weil die US-Öllagervorräte seit einigen Wochen wieder steigen und die US-Förderung wegen des Frackings zuletzt auf den Rekord von 10,8 Mio. Barrel pro Tag gestiegen ist. Mit 436,6 Mio. Barrel lagen die Vorräte zuletzt deutlich über dem Niveau früherer Jahrzehnte. "Auch die implizite Volatilität ist angestiegen und spiegelt eine größere Unsicherheit wider", sagt Matthias Schwärzler, Derivate-Experte von Goldman Sachs, im Gespräch mit n-tv.de. Die implizite Volatilität ist die von Anlegern erwartete Schwankungsbreite beim Ölpreis, also das Risiko. Wie der Preis für WTI befindet auch jener für die Nordseesorte Brent im Rückwärtsgang - allerdings sinkt er nicht so stark. Daher ist der Preisaufschlag für die Nordseesorte gegenüber WTI auf 10,8 Dollar geklettert und damit in die Nähe des hohen Niveaus von März 2015. Das und der gesunkene Euro führen dazu, dass der Benzinpreis an der Tankstelle hierzulande mit 1,45 Euro je Liter auf dem höchsten Stand seit Sommer 2016 liegt.

Konjunkturelle Warnzeichen

Ein größeres Angebot von Seiten der Opec belastet allerdings die Ölpreise, eine schwächere Wirtschaftsentwicklung könnte noch hinzukommen und den Preisauftrieb bremsen "Die Konjunkturerwartungen brechen im Juni regelrecht ein", warnt Manfed Hübner, Geschäftsführer bei Sentix, einem Unternehmen, das darauf spezialisiert ist, Muster im Anlegerverhalten am Kapitalmarkt zu analysieren und die Ergebnisse für das Investieren zu nutzen. "Mit einem Stand von minus 13,3 Punkten notieren sie auf dem niedrigsten Stand seit August 2012! Auch die bisherige Konjunkturlokomotive in Europa, die deutsche Wirtschaft, steht unter Druck", so der Marktexperte.

Ein ähnliches Bild ist bei Deutschland zu sehen: "Der Gesamtindex für Deutschland sinkt ebenfalls - und zum fünften Mal in Folge - auf den tiefsten Stand seit Juli 2016", konstatiert Hübner. Diese Entwicklung dürfte aber trotz Aussicht auf sinkende Spritpreise nicht nur die Autofahrer nicht besonders glücklich machen.

Quelle: n-tv.de