Wirtschaft

"Preise zu hoch!" Trump-Tweet lässt Ölpreise fallen

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Experten verweisen zur Erklärung der Ölpreise auch auf die Folgen der US-Sanktionen gegen den Iran.

(Foto: imago/Pacific Press Agency)

Gerade erreicht die Opec einen Kompromiss zwischen Saudi-Arabien und Iran, da mischt US-Präsident Trump den Ölmarkt neu auf: In einer Twitter-Botschaft behauptet er, der saudische König habe ihm eine kräftige Produktionssteigerung zugesagt.

Die Ölpreise sind zu Beginn der neuen Handelswoche deutlich zurückgegangen. Händler nannten die jüngsten Wortmeldungen von US-Präsident Donald Trump zum Rohöl als Grund. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kostete am Morgen 78,29 US-Dollar. Das waren 94 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 75 Cent auf 73,40 Dollar.

Damit entfernte sich der US-Ölpreis etwas von seinem am Freitag erreichten Dreieinhalbjahreshoch. Bei der Suche nach dem Auslöser für die ungewöhnlich starken Bewegungen am Rohstoffmarkt verwiesen Händler auf eine Twitter-Nachricht von US-Präsident Donald Trump.

Trump erklärte am Wochenende wie nebenbei, er habe den saudischen König persönlich gebeten, die Ölproduktion seines Landes um zwei Millionen Barrel zu erhöhen, um Ausfälle infolge "der Turbulenzen und Störungen im Iran und Venezuela" auszugleichen. Er fügte hinzu: "Preise zu hoch! Er hat zugestimmt!" Das Weiße Haus äußerte sich später differenzierter und nannte keine konkrete Zahl. Eine Stellungnahme aus dem saudischen Königshaus gab es dazu nicht.

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Für Beobachter käme eine solche Zusicherung des saudischen Königs überraschend: Die Ausweitung der Ölproduktion um zwei Millionen Barrel pro Tag stünde in klarem Widerspruch zu dem erst kürzlich vereinbarten Vorgehen der Opec-Staaten.

Hintergrund von Trumps Bemühungen sind die aus seiner Sicht zu hohen Ölpreise. Er hat dafür in der Vergangenheit mehrfach das von Saudi-Arabien angeführte Ölkartell Opec verantwortlich gemacht. Die führenden Ölförderstaaten hatten sich jedoch erst vor rund einer Woche in einem mühsam ausgehandelten Kompromiss auf eine Erhöhung der Ölproduktion ab Juli verständigt.

Die Mitgliedstaaten der Opec einigten sich auf eine Steigerung der Fördermenge um rund eine Million Barrel pro Tag. Die Ausweitung in dieser Höhe gilt als Kompromiss, der in aufwändigen Verhandlungen zwischen den beiden Rivalen Saudi-Arabien, das sich für eine Produktionserhöhung aussprach, und dem Iran, der dagegen war, erreicht werden konnte.

Experten sehen Verantwortung bei Trump

Die Opec-Einigung geht allerdings über bereits getroffene Verpflichtungen nicht hinaus: Das Abkommen von 2016 zur Drosselung der Ölproduktion, das noch bis Ende 2018 gilt, sieht eine Reduzierung um 1,8 Millionen Barrel pro Tag vor. Zuletzt hatten einige Förderländer ihre Produktion aber noch stärker verringert - mit dem Effekt, dass die tatsächliche tägliche Kürzung nach Angaben der Opec bei rund 2,8 Millionen Barrel lag. Die Steigerung der Fördermenge um eine Million Barrel pro Tag gleicht also nur diese Differenz aus.

Fachleute weisen zur Erklärung der aktuellen Ölpreise neben Angebotsengpässen in vielen wichtigen Förderländern auch auf eine Mitverantwortung der US-Regierung hin. So habe Trump mit der Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran und neuen Sanktionen gegen das ölreiche Land selbst hohe Angebotsrisiken geschaffen.

Das US-Außenministerium hatte vergangene Woche alle Länder, darunter die iranischen Großkunden China und Indien, aufgerufen, iranische Ölimporte bis zum 4. November einzustellen. Anderenfalls würden Sanktionen verhängt, wie es nach der Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran im Mai durch die US-Regierung angekündigt worden war.

Quelle: n-tv.de, fhe/dpa/AFP

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