Wirtschaft

Unfreiwillige IronieTrump sorgt für hohe Zinsen

16.04.2026, 17:23 Uhr DSCF1383-2Von Jan Gänger
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Freunde werden Donald Trump (l.) und Fed-Chef Jerome Powell wohl nicht mehr. (Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa)

Donald Trump drängt auf drastisch niedrigere Zinsen. Doch ausgerechnet seine Zölle und der Iran-Krieg treiben die Inflation nach oben und machen Zinssenkungen für die Notenbank Fed immer schwieriger.

Donald Trump wünscht sich niedrige Zinsen. Der US-Präsident versucht deshalb sogar, die unabhängige Notenbank Fed unter seine Kontrolle zu bringen. Doch ironischerweise erschwert er mit seiner Politik den Notenbankern, die Leitzinsen zu senken. Sowohl die von ihm verhängten Zölle als auch die wegen des Iran-Krieges steigenden Energiepreise sorgen für höhere Inflation.

Das hält Trump nicht davon ab, gegen den Notenbankchef Jerome Powell zu wettern. Der Grund: Unter dessen Führung hat sich die Fed beharrlich geweigert, die Leitzinsen auf nur ein Prozent zu senken, wie von Trump gewünscht.

Zwar hat die Fed ihren Leitzins im vergangenen Jahr dreimal gesenkt, doch liegt der aktuelle Zielkorridor von 3,5 bis 3,75 Prozent immer noch deutlich über dem von Trump angestrebten Wert. Das liegt daran, dass die Inflation in den USA seit Anfang 2021 hartnäckig über der Zielmarke von 2 Prozent liegt, bei der die Fed die Preisstabilität sieht. Die Logik dahinter: Höhere Leitzinsen verteuern Kredite - das bremst sowohl Konsum als auch Investitionen und damit die Nachfrage. Das dämpft tendenziell die Preise.

Trump will aus zwei Gründen niedrigere Zinsen: Einerseits argumentiert er, dass niedrigere Zinsen die vielen US-Haushalte vor allem bei den Hypotheken entlasten würden. Andererseits sagt er auch offen, dass sie den Schuldendienst der USA lindern würden. Die von ihm geforderte Senkung würde eine Billion Dollar pro Jahr einsparen. Die Fed betont jedoch, dass es nicht zu ihren Aufgaben gehöre, den Schuldendienst der Regierung zu erleichtern.

Derweil hat der durch den Iran-Krieg ausgelöste Ölpreisschock die Inflationsrate in den USA kräftig in die Höhe getrieben. Die Verbraucherpreise lagen im März 3,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Die Teuerung hatte im Februar und damit vor Ausbruch der Kämpfe in Nahost noch bei 2,4 Prozent gelegen. Der Durchschnittspreis für Benzin an US-Tankstellen lag laut Daten des Dienstes GasBuddy den größten Teil des Aprils bei über vier Dollar pro Gallone (knapp 3,8 Liter). Das sind fast 30 Prozent mehr als vor den US-israelischen Angriffen.

"Blödmann"

Auch die Kerninflation ohne schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel zog im März an - und zwar auf 2,6 Prozent, nach 2,5 Prozent im Februar. "Die Fed wird nun beobachten, ob es aufgrund der höheren Energiepreise zu Zweitrundeneffekten kommt", sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. "Es geht also um die Frage, ob die höheren Benzinpreise in einen breiteren Preisanstieg münden. Dies ist wiederum davon abhängig, wie schnell sich der Anstieg der Energiepreise wieder beruhigt oder eben auch nicht beruhigt."

Schon die von Trump verhängten Zölle sorgen tendenziell für höhere Preise. Die Fed hat festgestellt, dass die Inflation in diesem Jahr über dem Zielwert von zwei Prozent liegt und zu einem nennenswerten Teil auf den Zolldruck zurückzuführen ist. Der Federal Reserve Bank of New York zufolge - der einflussreichsten regionalen Notenbank im US-Zentralbanksystem - wurden im vergangenen Jahr 90 Prozent der Zölle von amerikanischen Verbrauchern und Unternehmen übernommen und nicht, wie von Trump behauptet, von den ausländischen Herstellern.

Dies deckt sich mit einem Bericht des überparteilichen Congressional Budget Office (CBO). "Höhere Zölle erhöhen direkt die Kosten importierter Güter und treiben damit die Preise für US-Verbraucher und Unternehmen nach oben", heißt es darin. Das CBO kommt zu dem Schluss, dass ausländische Exporteure lediglich fünf Prozent der Kosten übernehmen. Vom Löwenanteil von 95 Prozent übernehmen 30 Prozent die US-Unternehmen durch niedrigere Gewinnmargen. Die restlichen 70 Prozent reichen sie an die Kunden weiter, indem die Preise erhöht werden.

Die Amtszeit von Powell als Fed-Chef läuft im Mai aus. Als Nachfolger hat Trump Kevin Warsh nominiert und verspricht sich unter seiner Fed-Führung schnelle und deutliche Zinssenkungen. Doch mit Warsh könnte Trump ein Déjà-vu erleben. Er hatte nach seinem ersten Wahlsieg 2016 Powell zum Fed-Chef ernannt. Damals lobte Trump Powell zum ersten und letzten Mal ausdrücklich. Dann änderte sich der Ton. Trump kritisierte Powell, weil die Fed die Zinsen nicht senkte. Er bezeichnete die Fed als "größte Bedrohung" für seine Wirtschaftsagenda und beschimpfte Powell als "inkompetent", "Idioten" und "Blödmann".

Quelle: ntv.de, mit rts

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