Wirtschaft

"Oder überhaupt kein Abkommen" Trump warnt China vor Verzögerungen

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In Shanghai laufen neue Gespräche zum Handelsstreit.

(Foto: REUTERS)

Peking und Washington verhandeln nun wieder miteinander im festgefahrenen Handelsstreit. Eine US-Delegation reist dazu nach Shanghai. Im Weißen Haus verschickt Donald Trump währenddessen Droh-Tweets in Richtung der Chinesen.

Zu Beginn einer neuen Verhandlungsrunde im Handelsstreit mit China hat US-Präsident Donald Trump die Volksrepublik mit Nachdruck vor einem Spiel auf Zeit gewarnt. Bei seiner Wiederwahl im November nächsten Jahres müsste sich die Führung in Peking ansonsten darauf gefasst machen, dass ein Abkommen noch härter ausfallen würde, drohte Trump und fügte an: "Oder überhaupt kein Abkommen."

An der Börse sorgte dies für Verunsicherung. Der deutsche Aktienleitindex Dax weitete seine Verluste aus und gab zwischenzeitlich 2,4 Prozent auf ein Sechs-Wochen-Tief nach. Auch der Dow Jones rauschte vorbörslich noch mal 50 Punkte runter.

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Trumps in harschem Ton verfasster Tweet fällt in eine Zeit, in der China und die USA den Verhandlungsfaden bei Gesprächen in Shanghai gerade erst wieder aufgenommen haben. Trump hatte bereits am Freitag gesagt, es würde ihn nicht wundern, wenn die Regierung in Peking die US-Präsidentenwahl 2020 abwarten wolle. China könnte die Hoffnung haben, dass er die Wahl verlieren werde, und sie dann statt mit ihm "mit einem weiteren Trottel" verhandeln könnten. Es könnte aber auch sein, dass er die Wahl gewinne. "Dann werde der Abschluss entweder viel ungünstiger als der, der gegenwärtig verhandelt wird, oder es gibt gar keinen."

US-Delegation zu Gesprächen in Shanghai

US-Finanzminister Steven Mnuchin und der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer sind nach China gereist, um Wege auszuloten, wie die zuletzt festgefahrenen Verhandlungen wieder vorankommen können. Die Gespräche in Shanghai sind auf zwei Tage angesetzt. Auf chinesischer Seite werden sie von Vizepremier Liu He geleitet.

Mnuchin zufolge sind noch viele Fragen offen. Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow hatte jüngst Erwartungen an einen Durchbruch gedämpft. Die US-Regierung setze darauf, dass China mit dem Kauf von US-Agrarprodukten seinen guten Willen demonstriere.

Die beiden größten Wirtschaftsmächte haben sich gegenseitig mit milliardenschweren Sonderzöllen überzogen, was die Weltwirtschaft bremst. Trump wirft der Volksrepublik Dumpingpreise, Technologieklau und andere unfaire Handelspraktiken vor, was China bestreitet. Die Regierung in Peking kritisiert zudem geschäftliche Beschränkungen für chinesische Konzerne in den USA wie für den Netzwerkausrüster Huawei, gegen den die Regierung in Washington Sicherheitsbedenken vorbringt.

Zuletzt gab es eine Ruhepause in dem Konflikt. Es sind nun die ersten direkten Handelsgespräche zwischen China und den USA seit dem Scheitern der Verhandlungen im Mai. Vor knapp vier Wochen hatten sich Trump und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping am Rande des Gipfels der großen Wirtschaftsnationen in Osaka in Japan auf einen "Waffenstillstand" in ihrem Handelskrieg und eine Wiederaufnahme der Gespräche geeinigt.

Schnelle Lösung scheint in weiter Ferne

Dafür hatte der US-Präsident in Osaka zugesagt, eine geplante Ausweitung der Sonderabgaben vorerst zu verschieben. Doch steht seine Drohung weiter im Raum. Er denkt an 10 bis 25 Prozent Zusatzzölle auf die restlichen China-Einfuhren im Wert von rund 300 Milliarden US-Dollar.

Die chinesische Führung scheint auch langsam die Hoffnung auf eine baldige Lösung im Handelskrieg zu verlieren. Die Auseinandersetzung wird in politischen Zirkeln in Peking zunehmend als Rivalität der angeschlagenen alten Supermacht USA gegenüber der aufstrebenden asiatischen Macht China betrachtet. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, dass als "jüngster Fortschritt" Millionen Tonnen amerikanische Sojabohnen nach China verschifft worden seien. Chinesische Firmen stünden zudem in Verhandlungen über den Kauf weiterer US-Agrarprodukte. Trump hatte nach dem Gipfel in Osaka verkündet, dass China ihm den Kauf von mehr Agrarprodukten zugesichert hätte. Diese Vereinbarung wurde von Peking jedoch nicht bestätigt.

Quelle: n-tv.de, joh/hul/rts/dpa

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