Wirtschaft

Neue Strafzölle treten in Kraft Trump will kein "Diener" Chinas sein

RTS2OJRD.jpg

"Wir können China nicht mehr erlauben, uns abzuzocken", meint Donald Trump.

(Foto: REUTERS)

Der Handelskrieg zwischen den USA und China geht in die nächste Runde: Beide Länder verhängen neue Strafzölle auf Importprodukte. Während US-Präsident Trump seine Politik mit dem Schutz vor einem Abzocken durch China erklärt, mahnt Peking zu Besonnenheit.

US-Präsident Donald Trump will mit seinem Handelskrieg mit China die globale Wirtschaft neu ordnen - auch wenn sich die Zeichen mehren, dass er damit einen Konjunktureinbruch riskiert. "Es gibt keinen Grund, alles aus China zu kaufen", schrieb Trump auf Twitter. Amerika dürfe nicht mehr "Diener" Chinas sein, zitierte er einen Ökonomen. Im Weißen Haus sagte er wenig später: "Wir können China nicht mehr erlauben, uns abzuzocken." Trump wiederholte auch sein von den meisten Experten als absurd angesehenes Mantra, wonach alle Kosten des Handelskriegs allein von China getragen würden.

*Datenschutz

Heute wurde im Ringen der beiden größten Volkswirtschaften die nächste Eskalationsstufe eingeläutet: Wie angekündigt, traten auf beiden Seiten neue Strafzölle in Kraft. Die USA erheben erstmals zusätzliche Importgebühren auf in China hergestellte Konsumgüter wie Fernseher, Bücher, Windeln und Turnschuhe. Die Zölle dürften daher nach Ansicht von Experten mittelfristig zu Preiserhöhungen für US-Verbraucher führen. Die neuen Sonderabgaben in Höhe von 15 Prozent betreffen Waren im Wert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar (90,82 Mrd Euro).

Als unmittelbare Reaktion verhängte China Gegenzölle in Höhe von fünf und zehn Prozent auf Importe aus den USA. Zehn Prozent werden zusätzlich auf Importe von Fleisch, Gemüse, Mais und Kartoffeln, Obst, Kleidung und Lederwaren erhoben. Fünf Prozent entfallen auf Sojabohnen, Milchprodukte, Pilze und Chemikalien.

Mitte Dezember will Peking dann weitere US-Produkte auf einer rund 5080 Artikel umfassenden Liste mit zusätzlichen Zöllen belegen. Ebenfalls am 15. Dezember wollen die USA weitere Importe aus China mit einer Zollabgabe von 15 Prozent belasten. Dies soll vor allem den chinesischen Technologiesektor treffen. Um dem Weihnachtsgeschäft von Firmen wie Apple oder amerikanischen Einzelhändlern nicht zu schaden, hatte Trump die Zölle auf Produkte wie Mobiltelefone, Laptops und Tablet-Computer zunächst verschoben. Zum 1. Oktober ist weiter die Anhebung des Zollsatzes von 25 auf 30 Prozent auf chinesische Waren im Wert von 250 Milliarden Dollar geplant.

"Nur dann kann Amerika wieder groß werden"

Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, die als Sprachrohr der Kommunistischen Partei gilt, appellierte an die Verantwortung der USA. Die Vereinigten Staaten sollten lernen, sich wie eine verantwortungsvolle globale Großmacht zu benehmen und aufhören, als "Schul-Rüpel" zu handeln. "Nur dann kann Amerika wieder groß werden."

US-Präsident Trump will China mit den Strafzöllen zum Abschluss eines umfassenden Handelsabkommens bewegen. "Die Zölle haben uns eine unglaubliche Verhandlungsposition verschafft", zeigte Trump sich am Freitag zuversichtlich. "Ich glaube wirklich, dass China ein Abkommen will." Die Verhandlungen sind seit Monaten festgefahren, sollen Trump zufolge diesen Monat wieder aufgenommen werden. In Peking gab es dafür aber zunächst keine Anzeichen.

Das Wachstum in den USA verlangsamt sich bereits. Für den Fall, dass der Handelskonflikt einen Wirtschaftseinbruch auslösen würde, hat Trump bereits einen Schuldigen ausgemacht: die US-Notenbank Fed. Sie müsse den Leitzins drastisch senken, um die Konjunktur anzukurbeln, fordert er. Doch eine Wachstumsdelle oder gar Rezession wäre für Trump gut ein Jahr vor der Präsidentenwahl verheerend.

Chinas Handelsüberschuss als Auslöser

Auch die Konjunktur in China ist betroffen. So verschlechterte sich die Stimmung der Einkaufsmanager in Chinas Industriebetrieben im August: Der entsprechende Index sank von 49,7 auf 49,5 Punkte, wie die chinesische Statistikbehörde am Wochenende bekanntgab. Werte unterhalb von 50 Punkten deuten ein Schrumpfen der Industrie der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt an.

Der Handelskonflikt ist seit mehr als einem Jahr im Gange. Auslöser war ursprünglich die Verärgerung Trumps darüber, dass China weit mehr in die USA exportiert als umgekehrt. Er fordert eine Beseitigung von Marktschranken, kritisiert die Verletzung von Urheberrechten und den zwangsweisen Technologietransfer bei in China tätigen US-Unternehmen sowie staatliche Subventionen. Später forderte der US-Präsident auch strukturelle Veränderungen in China, die der Führung in Peking aber zu weit gehen. Auch Trumps Unberechenbarkeit in den Gesprächen verärgerte die chinesische Führung.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/rts

Mehr zum Thema