Wirtschaft

Keine bedeutende Auswirkung Trumps Pläne beeindrucken Indien nicht

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Nur ein Bruchteil der indischen US-Exporte fallen bislang unter die US-Sonderregelungen.

(Foto: REUTERS)

Die USA wollen Indien und der Türkei Sondervereinbarungen im Handel streichen. Grund sind angeblich Hindernisse für US-Unternehmen in den jeweiligen Ländern. Die Reaktionen in Ankara und Neu Delhi fallen unterschiedlich aus.

US-Präsident Donald Trump will Sonderhandelsvereinbarungen mit Indien und der Türkei streichen. Beide Länder erfüllten nicht mehr die Kriterien für Entwicklungsländer, die von besonderen Handelsbedingungen profitieren könnten, erklärte das Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer. Während sich Indien unbeeindruckt zeigte, kritisierte die Türkei die Entscheidung als kontraproduktiv für den Ausbau der Handelsbeziehungen.

Das Allgemeine Präferenzsystem (GSP) erlaubt Zollvorteile bei bestimmten Industrieprodukten wie Automobilteilen, Reifen oder Haushaltsgeräten aus Entwicklungsländern, wenn diese bestimmte Vorgaben erfüllen - unter anderem hinsichtlich des Marktzugangs von US-Unternehmen. Diese Bedingungen sieht die US-Regierung nun aber bei Indien und der Türkei nicht länger gegeben.

Indien habe den USA keine Zusicherungen gemacht, dass es einen "fairen und vernünftigen Zugang zu seinen Märkten" erlauben werde, erklärte Lighthizers Büro. Vielmehr habe das Land eine Reihe von Handelsbarrieren errichtet, "die ernsthafte negative Auswirkungen auf den Handel der USA" hätten. Indien war bisher der größte Nutznießer des GSP-Programms.

Keine zehn Prozent von Indiens US-Exporten betroffen

Die Regierung in Neu Delhi zeigte sich unbeeindruckt von der Entscheidung. Sie werde keine "bedeutende Auswirkung" auf den Handel haben, da von den indischen Exporten in die USA in Höhe von jährlich 80 Milliarden Dollar nur 5,6 Milliarden Dollar unter das Programm fallen würden, sagte Handelsminister Anup Wadhawan laut der Nachrichtenagentur PTI.

Das Handelsministerium in Neu Delhi betonte zudem, dass alle indischen Zölle den Verpflichtungen Indiens gegenüber der Welthandelsorganisation (WTO) entsprächen. Zudem sei das US-Handelsdefizit gegenüber Indien gesunken, da die Öl- und Gasimporte aus den USA erhöht worden seien.

Ankara befürchtet negative Auswirkungen

Hinsichtlich der Türkei erklärte die US-Regierung, das Land sei inzwischen ausreichend wirtschaftlich entwickelt und solle deswegen keinen erleichterten Zugang zum US-Markt mehr erhalten. Die Türkei ist seit 1975 im GSP-Programm. 2017 exportierte sie Produkte im Wert von 1,66 Milliarden Dollar über das Programm in die USA, was 17,7 Prozent der Gesamtexporte in die USA entsprach.

Die türkische Handelsministerin Ruhsar Pekcan erklärte, die US-Entscheidung "widerspricht unserem gemeinsamen Ziel, ein Handelsvolumen von 75 Milliarden Dollar zu erreichen (...) und wird negative Auswirkungen für die kleinen und mittleren US-Unternehmen haben". Die Türkei wolle weiter den bilateralen Handel ausweiten, betonte die Ministerin.

Die Streichung des Sonderhandelsstatus kann erst nach 60 Tagen erfolgen, nachdem der US-Kongress und die betroffenen Länder informiert wurden. Trump schrieb nun entsprechende Briefe an die Vorsitzenden von US-Repräsentantenhaus und Senat.

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP

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