Wirtschaft

Überraschende Erhöhung Türkische Notenbank vollzieht die Zinswende

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Die türkische Wirtschaft leidet vor allem unter dem Einbruch des Tourismus.

(Foto: imago images/rusak)

Die Fakten stehen den Wünschen im Wege: Entgegen der Forderungen von Staatschef Erdogan erhöhte die Notenbank des Landes die Leitzinsen. Grund ist die steigende Inflation und der Verfall der Landeswährung. Experten zufolge müssten nun weitere Zinsschritte folgen.

Die türkische Zentralbank stemmt sich mit einer überraschenden Erhöhung ihrer Leitzinsen gegen eine ausufernde Inflation und den Absturz der Landeswährung Lira. Die Währungshüter entschieden auf ihrer Zinssitzung, den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld auf 10,25 Prozent von bislang 8,25 Prozent zu erhöhen, wie die Notenbank mitteilte. Es ist die erste Zinsanhebung seit rund zwei Jahren.

US-Dollar / Türkische Lira
US-Dollar / Türkische Lira 8,28

Die Zinserhöhung markiert eine Trendwende in der türkischen Geldpolitik. Im September 2019 hatte die Notenbank mit Zinssenkungen begonnen. Die Lira war im vergangenen Monat von Rekordtief zu Rekordtief geeilt. Nach dem Beschluss zog die Landeswährung zum Dollar an. Das war der stärkste Tagesanstieg seit rund einem Monat.

In diesem Jahr hat die türkische Währung gegenüber dem Dollar bereits 23 Prozent an Wert eingebüßt. Eine hohe Inflation und geschröpfte Devisenreserven der Zentralbank setzen der Landeswährung momentan zu. Im August lag die Teuerung im Land bei fast zwölf Prozent. Dazu kommt die steigende Nachfrage der Türken nach harten Devisen angesichts des Währungsverfalls.

Moody's droht mit Abstufung

Die Entscheidung der Währungshüter dürfte allerdings Präsident Recep Tayyip Erdogan eher missfallen. Denn dieser hatte sich wiederholt als "Zinsfeind" bezeichnet. Seine Regierung hatte zuletzt auf mehr Unterstützung für die Wirtschaft gedrungen. Denn das Bruttoinlandsprodukt des lange Zeit boomenden Schwellenlandes war angesichts der Corona-Krise von April bis Juni um elf Prozent zum Vorquartal gefallen. Unter anderem die wichtige Tourismusindustrie bekam die Virus-Pandemie deutlich zu spüren.

Aber auch die außenpolitischen Konflikte mit Griechenland und Zypern unterminieren das Vertrauen. Die Ratingagentur Moody's hat zuletzt die Kreditwürdigkeit der Türkei herabgestuft und gleichzeitig mit einer weiteren Herabstufung gedroht.

Aus Sicht der Notenbank hat eine schnelle wirtschaftliche Erholung von dem durch die Krise ausgelösten konjunkturellen Schock die Preise angeschoben. "Die Inflation ist einem Pfad gefolgt, der höher als erwartet war", erklärten die Währungshüter. Die Schritte zur Straffung der Geldpolitik müssten daher verstärkt werden, um die Inflationserwartungen einzudämmen.

"Es ist ein positiver Schritt. Nur wenige Menschen haben das erwartet", sagte Timothy Ash, Senior Sovereign Strategist für Schwellenmärkte bei BlueBay Asset Management. Obwohl wahrscheinlich weitere Zinserhöhungen erforderlich sein würden, um ausländischen Investoren Vertrauen einzuflößen, sei es "ein guter erster Schritt". Für den Markt sei das beruhigend.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa/DJ