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Eröffnung 2020 nicht zu halten? Tüv-Bericht bringt BER-Termin in Gefahr

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Am Nord-Pier des Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt werden neue Gebäude gebaut.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gut 2500 Tage nach dem eigentlichen Eröffnungstermin des BER scheint ein Ende der Bauarbeiten am Haupstadtflughafen nicht in Sicht. Nun offenbart ein interner Tüv-Bericht erhebliche Mängel. Die Behebung dürften sich noch lange hinziehen.

Der seit Jahren im Bau befindliche Hauptstadtflughafen BER könnte auch am avisierten Termin im Oktober 2020 nicht eröffnet werden. Das berichtet der Berliner "Tagesspiegel" unter Berufung auf einen internen "Statusbericht" des Tüv Rheinland vom 8. März 2019. Demnach seien Rückbaumaßnahmen im BER-Terminal notwendig, um die nach wie vor gravierenden Mängel an Sicherheitskabeln des Brandschutzsystems beseitigen zu können.

Aus dem Tüv-Bericht über den Zustand der Anlagentechnik im Fluggastterminal gehe hervor, dass die Probleme umfassender seien als bekannt. Dabei hatte sich BER-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider am 8. März noch zuversichtlich gezeigt, was eine Eröffnung im Oktober nächsten Jahres anbelangt. Seinerzeit mahnte er an, dass sich bei den Kabelgewerken und der Brandmeldeanlage die verantwortlichen Firmen kräftig anstrengen müssten, um die versprochenen Termine zu halten. Hier gebe es noch zahlreiche Mängel. Sollten die versprochenen Fortschritte jedoch bewerkstelligt werden, dürfte auch der Zeitplan für die im Sommer anstehenden Prüfungen und damit auch der geplante Eröffnungstermin eingehalten werden, hieß es.

Ursprünglich sollte der Berliner Flughafen BER, an dem seit 2006 gebaut wird, im Jahr 2011 eröffnet werden. Im Dezember 2017 hatten die Betreiber den Eröffnungstermin erneut verschoben, von 2018 auf 2020. Dabei wurde absehbar, dass die Kapazität des Flughafens nicht ausreicht, um das erwartete Passagieraufkommen zu bewältigen. Deshalb kündigte die Flughafengesellschaft im Mai den Bau eines dritten Terminals an.

Laut dem 61-Seiten-Bericht des Tüv, über den der "Tagesspiegel" berichtet, gab es im März allerdings allein bei den Kabeln für die Sicherheitsbeleuchtung und die Sicherheitsstromversorgung, die nach der geplatzten BER-Eröffnung 2012 ausgetauscht und erneuert wurden, noch 11.519 Mängel. "Das Abstellen dieser Mängel ist nach unserer Einschätzung mit einem möglicherweise hohen personellen Aufwand, aber auch einer Vielzahl von Rückbauten verbunden", soll es wörtlich in dem Dokument heißen.

Flughafengesellschaft ist unbeirrt

Der Tüv warne, "dass bauseitig sicherzustellen ist, dass die Mängel bei weiteren Prüfungen nicht länger vorhanden sind." Das betreffe etwa überlegte oder vermischte Kabel-Trassen, unzulässige Befestigungen oder den nicht gewährleisteten "Funktionserhalt" solcher Kabel im Brandfall. Die Flughafengesellschaft FBB habe dem Tüv zufolge ein "Planungs- und Bausoll sicherzustellen". Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es bereits keine Puffer mehr, um 2020 entsprechend zu halten. Alle Mängel müssten dem Bericht zufolge bis spätestens Ende Juli dieses Jahres behoben sein, damit die dafür für drei Monate angesetzten Prüfungen aller Systeme im Terminal beginnen können.

"Insbesondere ist der Zieltermin aufgrund des unfertigen Anlagenzustandes stark gefährdet", zitiert das Blatt aus dem Tüv-Dokument. Doch die Flughafengesellschaft halte dennoch am geplanten Eröffnungstermin fest. Die Rückbauten seien keinesfalls mit Abrissarbeiten zu vergleichen. Der Aufsichtsrat sei vollständig über den Tüv-Bericht informiert worden.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup wolle im Oktober 2019 die sogenannte Baufertigstellungsanzeige bei der Baubehörde Dahme Spreewald einreichen. Dafür sei ein Tüv-Zertifikat nötig, dass alle Anlagen betriebssicher funktionieren und ordnungsgemäß errichtet wurden. Doch der BER ist nach jetzigem Stand davon noch weit entfernt. Der Tüv sehe schon den Prüfbeginn gefährdet.

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Quelle: n-tv.de, fzö/AFP

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