Tech- und KI-Aktien im FokusUS-Anleger spekulieren auf längere Feuerpause im Iran-Krieg

Das Hin und Her im Iran-Krieg setzt auch den Börsianern zu. Trotz der unsicheren Nachrichtenlage setzen die US-Anleger auf steigende Kurse, "um bei einem positiven Ausgang nicht das Nachsehen zu haben". An der Wall Street sind unter anderem KI-Aktien gefragt.
Hoffnungen auf eine Feuerpause im Krieg zwischen den USA und dem Iran haben der Wall Street Auftrieb gegeben. Der breit gefasste S&P 500 und der technologielastige Nasdaq schlossen auf Rekordhochs. Dem Nachrichtenportal "Axios" zufolge haben Washington und Teheran einen Vertragsentwurf für einen 60-tägigen Waffenstillstand ausgehandelt. Während dieser Zeit solle über das iranische Atomprogramm verhandelt werden. Der Plan müsse jedoch noch von US-Präsident Donald Trump gebilligt werden. Später dementierte Teheran allerdings den Bericht: Eine vorläufige Einigung auf ein Rahmenabkommen sei bislang weder fertiggestellt noch bestätigt. Auf das Börsengeschehen hatte dies keine Auswirkungen mehr.
Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss minimal fester bei 50.669 Punkten. Der Nasdaq Composite rückte 0,9 Prozent auf 26.917 Zähler vor und der breit gefasste S&P 500 0,6 Prozent auf 7564 Stellen. "Die Händler reagieren äußerst sensibel auf das Hin und Her bei den Nachrichten über ein Abkommen und setzen auf steigende Kurse, um bei einem positiven Ausgang nicht das Nachsehen zu haben", sagte Jamie Cox, geschäftsführender Gesellschafter bei der Harris Financial Group.
Das Schwierigere sei jedoch, dass der Inflationsdruck möglicherweise nicht so schnell nachlasse, wie es sich die Märkte wünschten. Die US-Inflation stieg im April so schnell wie seit drei Jahren nicht mehr, angetrieben von höheren Energiepreisen infolge des Iran-Kriegs. Zugleich wurde das Wirtschaftswachstum (BIP) für das erste Quartal auf ein aufs Jahr hochgerechnetes Plus von 1,6 Prozent nach unten korrigiert.
Jitania Kandhari von Morgan Stanley Investment Management erklärte, die Märkte blickten über Risiken hinweg, da die Weltwirtschaft und die Unternehmensgewinne relativ widerstandsfähig blieben. Geopolitische Instabilität könne letztlich die Ausgaben in Bereichen beschleunigen, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) verbunden seien, darunter Cybersicherheit und Verteidigungstechnologie. Der S&P 500 werde zwar etwa zum 21- bis 22-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, verglichen mit einem historischen Durchschnitt von 19,7. Anleger seien aber wenig besorgt, da die Gewinnerwartungen schneller stiegen als die Aktienkurse, sagte Kandhari.
Wie der Handel auf dem Frankfurter Parkett verlief, können Sie in unserem Börsen-Tag nachlesen.
Abnehmspritze sorgt für steigenden Kurs
Bei den Einzelwerten standen Technologie- und KI-Aktien im Fokus. Snowflake schossen in die Höhe, nachdem das Datenanalyse-Unternehmen seine Jahresumsatzprognose angehoben und einen fünfjährigen KI-Infrastrukturvertrag im Wert von sechs Milliarden Dollar mit Amazon Web Services angekündigt hatte. Auch die Konkurrenten Datadog und MongoDB legten zu.
Microsoft legten ebenfalls zu. Dem Nachrichtenportal "The Information" zufolge will der Softwarekonzern kommende Woche ein neues Programmiermodell veröffentlichen. Im Gesundheitssektor stiegen Eli Lilly, nachdem CVS Health mitgeteilt hatte, die Abnehmspritze Zepbound des Pharmakonzerns wieder in seinen Versicherungsschutz aufzunehmen und die neu zugelassene Adipositas-Pille Foundayo hinzuzufügen.
Auch Einzelhändler waren gefragt: Der Discounter Dollar Tree kletterte nach einer angehobenen Jahresgewinnprognose, während der Elektronikhändler Best Buy nach einem optimistischen Umsatzausblick für das zweite Quartal zulegte. Aktien von Drohnenherstellern wie Unusual Machines verbuchten starke Kursgewinne. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge führt die US-Regierung Gespräche über die Finanzierung von Drohnenunternehmen.