Wirtschaft

Pilotenreaktion falsch beurteilt US-Behörde macht Boeing schwere Vorwürfe

AP_19126467136792.jpg

Das Verhalten der Besatzung im Cockpit haben sowohl Boeing als auch die FAA offenbar falsch eingeschätzt.

(Foto: AP)

Die Steuerungsautomatik MCAS gilt aus Hauptursache für die Abstürze zweier Boeing-Maschinen des Typs 737 Max. Die Aufarbeitung der Unglücke mit Hunderten Toten dauert an. Doch für die Ermittler steht bereits fest: Konzern und Aufsicht schätzten die menschliche Komponente falsch ein.

Rund sechs Monate nach Inkrafttreten des weltweiten Flugverbots für Boeings 737 Max hat die US-Verkehrssicherheitsbehörde (NTSB) dem Flugzeugbauer Boeing und der Flugaufsicht Versäumnisse attestiert. Sowohl das Unternehmen als auch die Luftfahrtbehörde FAA hätten falsch eingeschätzt, wie Piloten auf Warnmeldungen bei Fehlfunktionen reagieren würden, hieß es in einem Bericht. Die FAA müsse sich bei der Zulassung von Flugzeugen auf eine realistischere Sicht auf das zu erwartende Pilotenverhalten stützen.

Boeing
Boeing 322,51

Bei den beiden Abstürzen von 737-Max-Maschinen, bei denen im Oktober 2018 in Indonesien und im März dieses Jahres in Äthiopien insgesamt 346 Menschen ums Leben gekommen waren, habe sich gezeigt, "dass die Besatzungen nicht so reagiert haben, wie Boeing und die FAA dachten", erklärte NTSB-Chef Robert Sumwalt. In der Realität seien die Piloten mit mehreren Alarm- und Warnmeldungen konfrontiert gewesen.

Es gebe demnach eine Lücke zwischen den Annahmen bei der Zertifizierung der 737 Max und den tatsächlichen Erfahrungen in der Praxis, so das Ergebnis der Untersuchung der NTSB-Unfallermittler. Als Hauptabsturzursache gelten in beiden Fällen Probleme mit Boeings Steuerungsautomatik MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System). Es drückt bei einem drohenden Strömungsabriss die Nase des Flugzeugs automatisch nach unten, auch wenn die Piloten gegensteuern.

Ging alles mit rechten Dingen zu?

Der NTSB-Bericht macht außerdem klar, dass es nicht um Kritik an den Aktionen der Piloten bei den Abstürzen gehe. Diese seien nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen und würden von anderen Behörden analysiert. Die Ermittler nehmen vielmehr Boeing und die FAA in die Pflicht, mit angemessenen Mitteln und Methoden sicherzustellen, dass Flugcrews MCAS-Fehler richtig erkennen und darauf reagieren können.

Sowohl Boeing als auch die FAA sind durch die Abstürze schwer in die Kritik geraten. US-Behörden untersuchen, ob bei der ursprünglichen Zulassung der Unglücksflieger alles mit rechten Dingen zuging. Die FAA soll wesentliche Teile der Zertifizierung Boeing selbst überlassen haben. Ob und wann die 737 Max wieder abheben darf, ist derzeit unklar. Die FAA hat wiederholt betont, dass es keinen festen Zeitplan gebe.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa