Wirtschaft

Entwicklerschmiede der Autobauer US-Behörde nimmt VW-Tochter ins Visier

99104504.jpg

"Können zu laufenden Ermittlungen keine Auskunft geben": IAV liefert der Autoindustrie Ingenieursdienstleistungen zu.

(Foto: picture alliance / Julian Strate)

Der Abgas-Skandal lässt Europas größten Autobauer nicht los. US-Presseberichten zufolge drohen einer Berliner VW-Tochter in den USA juristische Konsequenzen. Das Ingenieursbüro verhandelt mit dem US-Justizministerium, um einer harten Strafe zu entgehen.

Im Abgas-Skandal ist mit der VW-Tochterfirma IAV ein weiteres Unternehmen des Wolfsburger Automobilkonzerns ins Visier der US-Ermittler geraten. Der Zulieferer verhandle bereits mit dem US-Justizministerium, um strafrechtliche Konsequenzen mit einem Vergleich beizulegen, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider. Um welche Summen es bei einer möglichen Vergleichszahlung gehen könnte, ist noch offen.

"Wir können zu den laufenden Ermittlungen keine Auskunft geben", erklärte ein IAV-Sprecher dazu auf Nachfrage. Das Justizministerium wollte den Bericht weder dementieren noch bestätigen. Eine Sprecherin betonte jedoch, dass man Unternehmen und Verantwortliche zur Verantwortung ziehen werde, um die US-Verbraucher und die Umwelt zu schützen.

Der Verdacht gegen IAV, am Abgasbetrug von Volkswagen beteiligt gewesen zu sein, besteht schon lange. Der Name der Berliner Firma, die zur Hälfte VW gehört, tauchte bereits in US-Sammelklagen zur Dieselaffäre auf. Neben Volkswagen sind an der "Ingenieursgesellschaft Auto und Verkehr" (IAV) auch die Zulieferer Continental und Schaeffler sowie weitere, kleinere Gesellschafter beteiligt. Conti hält 20 Prozent der Anteile, Schaeffler 10 Prozent.

Mit ihren weltweit 6700 Mitarbeitern entwickelt die IAV für den Autobauer und seine Zulieferer Lösungen in Bereichen wie Fahrzeugelektronik oder im sogenannten Antriebsstrang. Die IAV unterhält neben verschiedenen Standorten in Asien, Amerika und Europa auch drei Entwicklungszentren in Deutschland, nämlich in Berlin, Chemnitz/Stollberg und Gifhorn.

Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck der US-Behörden eingeräumt, in großem Stil bei Abgastests betrogen zu haben, um den tatsächlichen Schadstoffausstoß von Diesel-Modellen vor den US-Umweltbehörden zu verschleiern. Die Aufdeckung des Skandals hatte den Konzern tief erschüttert. Der langjährige Unternehmenslenker Martin Winterkorn musste gehen. Die politische, juristische und unternehmerische Aufarbeitung dauert an.

Der Wolfsburger Autokonzern hat bereits über 25 Milliarden Euro an Rechtskosten für Strafen und Entschädigungen bei Vergleichen in Nordamerika verbucht. Weltweit betrifft der Skandal rund elf Millionen Dieselautos, bei denen eine spezielle Software angebracht wurde, um die Messwerte des Schadstoffs Stickoxid zu manipulieren.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

Mehr zum Thema