Wirtschaft

US-Börsen im AbwärtstendSteigender Ölpreis verdüstert Stimmung an der Wall Street

20.03.2026, 23:33 Uhr
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Eine Deeskalation im Iran-Krieg ist nicht in Sicht, entsprechend kritisch blicken die Händler an der Wall Street auf die nächsten Monate. (Foto: REUTERS)

Der Ölpreis klettert und verstärkt die Sorgen, dass die Inflation wieder Fahrt aufnehmen könnte. Eine Zinssenkung rückt in den Augen der US-Anleger immer weiter in die Ferne. Kauflaune kommt da eher nicht auf.

US-Anleger haben sich angesichts des anhaltenden Nahost-Krieges am Freitag weiter zurückgezogen. Der Dow Jones verlor 1,0 Prozent auf 45.577 Punkte. Der technologielastige Nasdaq gab zwei Prozent auf 21.648 Zähler nach und der breit gefasste S&P 500 büßte 1,5 Prozent auf 6506 Stellen ein. Auf Wochensicht fiel der S&P um 1,9 Prozent, der Nasdaq und der Dow um 2,1 Prozent.

Iranische Angriffe auf Energieinfrastrukturen in den Nachbarländern Saudi-Arabien, Katar und Kuwait schürten Sorgen der Investoren vor weiter steigenden Energiepreisen. Die USA wollen im Iran-Konflikt mehr Truppen in den Nahen Osten schicken. Seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar ist der S&P 500 um 5,4 Prozent gefallen, der Nasdaq um 4,5 Prozent und der Dow um knapp sieben Prozent.

Auch anderswo hinterließ der Krieg am Markt Spuren. Der Russell 2000, der die Kursentwicklung von 2000 kleineren börsennotierten US-Unternehmen abbildet, schloss 10,3 Prozent unter seinem Rekordstand vom 22. Januar. Damit bestätigt sich, dass sich der Index seit diesem Datum formell in einer Korrektur befindet.

Der Ölpreis bewegt sich derweil weiter aufwärts: Die Nordsee-Sorte Brent lag mit 111,71 Dollar je Barrel 2,9 Prozent im Plus und damit weiter deutlich über der psychologisch wichtigen 100-Dollar-Marke. Anleger fürchten, dass dies die Teuerung nach oben treiben und eine restriktivere Geldpolitik der Notenbanken zur Folge haben könnte. Fed-Direktor Christopher Waller hatte gesagt, wenn die Ölpreise monatelang hoch blieben, würde sich dies auf die Kerninflation auswirken. Laut LSEG-Daten haben die Händler ihre Wetten auf eine Zinssenkung der US-Notenbank von Dezember 2026 mittlerweile auf irgendwann im Jahr 2027 verschoben.

"Die traurige Wahrheit ist, dass erhebliche Aufwärtsrisiken für die Inflation bestehen, weshalb der Ausverkauf nachvollziehbar ist. Die Neubewertung des Zinspfads, zumindest in Europa, erscheint angesichts des Schocks bei den Energiepreisen angemessen", sagte Chris Scicluna, Research-Leiter bei Daiwa Securities. Der Dollar-Index stand mit 99,58 Punkten 0,3 Prozent im Plus.

Kursausschläge am Hexensabbat

Auf der Unternehmensseite mussten einige Werte am sogenannten Hexensabbat zum Teil deutliche Kursausschläge hinnehmen. Zu diesem großen Verfallstermin werden an den Terminmärkten Optionen und Futures auf Aktien und Indizes fällig. Investoren versuchen daher, die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung zu bewegen. Vor allem technologielastige Aktien wurden verkauft. Titel von Nvidia verbilligten sich um 3,3 Prozent, Micron fielen um 4,8 Prozent. Aktien von Super Micro Computer stürzten sogar um 33,3 Prozent ab. Offenbar wird drei Personen, die mit dem Serverhersteller in Verbindung stehen, Beihilfe zum Schmuggeln von KI-Technologie nach China vorgeworfen.

Für etwas Erleichterung sorgte der Logistikkonzern Fedex mit einer optimistischen Prognose. Die weltweite Nachfrage sei trotz der geopolitischen Spannungen stabil, hieß es ausblickend. Die Aktie legte daraufhin um 0,8 Prozent zu. Energieaktien waren angesichts der hohen Ölpreise gefragt. Aktien von APA Corp, ONEOK, Exxon Mobil und Occidental Petroleum gewannen zwischen 0,9 und 2,8 Prozent.

Quelle: ntv.de, ino/rts

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