Wirtschaft

Börsentalfahrt geht weiter US-Regierung ermittelt gegen Boeing

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Händler an der New Yorker Börse studieren am Montag den Börsenkurs von Boeing. Inzwischen ermittelt die US-Regierung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Zusammenhang mit Boeings Unglücksfliegern ermitteln zwei Ministerien der US-Regierung. Auch die US-Luftfahrtbehörde FAA steht wegen der Zulassung der Software der 737-Max-Serie unter Druck. Boeings Börsenkurs geht auf Talfahrt.

Nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien untersucht das US-Verkehrsministerium laut "Wall Street Journal" das Zulassungsverfahren für die Boeing 737 MAX durch die US-Luftfahrtbehörde FAA. Das Ministerium prüfe, ob das sogenannte Trimmsystem MCAS für den Absturz der Boeing 737 MAX 8 am 10. März verantwortlich sein könnte, berichtet die Zeitung. Zwei Standorte der FAA seien aufgefordert worden, entsprechende Dateien zu sichern. Das Ministerium wolle wissen, ob die Behörde die richtigen Verfahren zur Prüfung der MCAS-Software angewandt habe. Die FAA ging in die Offensive und betonte, die Zulassung des Flugzeugtyps sei nach bewährtem "Standardverfahren" erfolgt.

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Boeings Talfahrt an der Börse ging zu Wochenbeginn weiter. Im US-Handel büßte der Kurs zeitweise drei Prozent ein, zuletzt lag das Minus bei 2,6 Prozent. Seit dem tödlichen Absturz des 737 Max 8 Jets von Ethiopian Airlines am 10. März fiel der Kurs um mehr als zehn Prozent, was den Börsenwert des Flugzeugbauers um über 25 Milliarden Dollar auf rund 209 Milliarden Dollar sinken ließ.

Dem Zeitungsbericht nach hat auch das US-Justizministerium Ermittlungen eingeleitet. Die Untersuchung des Verkehrsministeriums habe schon nach dem Absturz in Indonesien begonnen, das Justizministerium habe sich nach dem Absturz in Äthiopien eingeschaltet. Inwieweit die Untersuchungen zusammenhängen, sei noch unklar. Ein Sprecher des Justizministeriums erklärte auf Nachfrage, das Ministerium bestätige oder dementiere Ermittlungen prinzipiell nicht. Die FAA wollte den Bericht nicht kommentieren und verwies auf Boeing. Ein Sprecher des Konzerns sagte, Boeing äußere sich nicht zu rechtlichen Angelegenheiten. Anfragen seien an die zuständigen Behörden zu richten.

Französische Luftsicherheit stellt Absturz-Ähnlichkeiten fest

Doch auch von dieser Seite gab es keine Entlastung für den US-Konzern. Im Gegenteil: Die französische Luftsicherheitsbehörde BEA bestätigte Gemeinsamkeiten des Absturzes der Boeing 737 Max 8 in Äthiopien mit dem Unglück einer baugleichen Maschine in Indonesien. Während der Überprüfung der Daten habe das Untersuchungsteam "klare Ähnlichkeiten" festgestellt, teilte die BEA mit.

Das Trimmsystem MCAS war schnell nach dem Unglück am 10. März in Verdacht geraten, für den Absturz der Boeing 737 MAX der Ethiopian Airlines mit 157 Toten verantwortlich zu sein. Auch der ähnlich verlaufene Absturz einer Maschine des gleichen Typs der Fluggesellschaft Lion Air im Oktober in Indonesien könnte durch einen Fehler in diesem System ausgelöst worden sein; darauf deuten bisherige Untersuchungsergebnisse und Analysen der Flugschreiber-Daten hin.

MCAS soll verhindern, dass der Schub der Triebwerke im Steigflug derart stark wird, dass sich die Maschine nicht mehr gerade ausrichten lässt. Beide Unglücksmaschinen waren nach dem Start mit äußerst unregelmäßiger Flugkurve und -geschwindigkeit aufgestiegen, sanken anschließend unkontrolliert ab und schlugen steil auf dem Boden auf.

Boeing hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die Software binnen weniger Tage zu aktualisieren. Am Sonntag teilte der Flugzeugbauer mit, das Update sei in der Schlussphase. Die Überarbeitung der Software hatte den Angaben zufolge bereits vor dem jüngsten Unglück begonnen. Seit dem Absturz in Äthiopien sind weltweit Flugverbote für die Boeing-Maschinen des Typs 737 MAX erlassen worden, darunter auch in den USA. Der US-Flugzeugbauer liefert die Maschinen vorerst nicht mehr aus.

Quelle: ntv.de, mau/dpa/AFP

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