"Dinge ziemlich außer Kontrolle"US-Staatsverschuldung steigt auf satte 40 Billionen Dollar

Eine erratische Zollpolitik, langfristige Zahlungsverpflichtungen, steigende Zinskosten - die USA verschulden sich immer weiter. Experten sind besorgt: "Wir bringen unsere Wirtschaft und die Zukunft unseres Landes wirklich in Gefahr."
Die Staatsverschuldung der USA ist erstmals auf über 40 Billionen Dollar (34,3 Billionen Euro) gestiegen. Entsprechende Zahlen veröffentlichte das Finanzministerium in Washington. Demnach belief sich die gesamte ausstehende Staatsverschuldung auf 40,05 Billionen Dollar.
Damit stieg die Staatsverschuldung höher als von der Regierung und Experten bisher prognostiziert. Grund dafür sind nach Angaben von Experten unter anderem die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump, langfristige Zahlungsverpflichtungen in den Bereichen soziale Sicherheit und Gesundheitsversorgung sowie steigende Zinskosten.
"Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir in nur sechs Jahren bei 50 Billionen Dollar stehen. Wenn man zurückblickt, lagen wir vor weniger als zehn Jahren noch bei 20 Billionen Dollar", zitiert der US-Sender CNN Michael Peterson, CEO der Peter G. Peterson Foundation, einer Organisation zur Überwachung der Haushaltspolitik. "Wir bringen unsere Wirtschaft und die Zukunft unseres Landes wirklich in Gefahr."
Wie CNN berichtet, war noch im Mai 2023 prognostiziert worden, dass die USA diese Schwelle erst im Haushaltsjahr 2028 überschreiten würden. Die Höhe der Verschuldung und die Geschwindigkeit, mit der sie steigt, geben demnach Experten Anlass zur Sorge.
Allein im vergangenen Jahr stieg die US-Staatsverschuldung um 3 Billionen Dollar. Wie die "Financial Times" schreibt, war dies das schnellste Wachstum außerhalb der Pandemiezeit. "Das ist so etwas wie eine riesige, blinkende 'Check-Engine'-Warnleuchte", sagte Marc Goldwein, vom Thinktank "Committee for a Responsible Federal Budget" der Zeitung. "Das bedeutet nicht, dass Ihr Motor morgen durchbrennt, aber es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Dinge ziemlich außer Kontrolle geraten sind. Und es geht nicht nur um das Ausmaß, sondern auch um die Geschwindigkeit, mit der wir diesen Stand erreicht haben."
Wirtschaftsweiser: Schuldenmachen deutlich teurer
Der Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr warnte vor den steigenden Renditen an den Anleihemärkten. "Man muss sich um die Stabilität der globalen Anleihemärkte Sorgen machen", sagte das Mitglied im Sachverständigenrat Wirtschaft. Das Schuldenmachen sei nun überall deutlich teurer. "Aber nicht nur das: Die Gefahr einer größeren globalen Staatsschuldenkrise ist aktuell sehr hoch."
"Die USA sind besonders verwundbar, weil hier - anders als in Japan oder der Eurozone - nicht nur der Staat massiv und zunehmend verschuldet ist", so der Wirtschaftsweise. Auch der Unternehmenssektor - nicht zuletzt wegen der schuldenfinanzierten KI-Investitionen - und die privaten Haushalte stünden dort tief in der Kreide. Der gesamte Bruttoauslandsschuldenstand der USA mache mittlerweile etwa 200 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. "Es gibt keine Anzeichen auf Verbesserung dieser Situation, ganz im Gegenteil", sagte Felbermayr. "Daher erwarten Marktteilnehmer höhere Inflation und eine Verschiebung der Zinskurve nach oben."
US-Präsident Trump macht seit Langem Druck auf die US-Notenbank Fed, die Zinsen zu senken. Am Mittwoch forderte er, die Zinsen "sollten angesichts des Erfolgs unseres Landes sinken dürfen und nicht wegen dieses Erfolgs steigen". Auf welche Erfolge sich Trump bezog, blieb allerdings offen. Laut Experten ist die relativ hohe Inflation in den USA, die einer Zinssenkung entgegensteht, unter anderem auf den von Trump und Israel begonnenen Krieg gegen den Iran zurückzuführen. Niedrigere Zinsen würden allerdings unter anderem dafür sorgen, dass die USA weniger Kreditkosten für ihre sehr hohe Staatsverschuldung hätten.