Wirtschaft

Kaum Chancen auf Kompromiss Ultimatum an Katar läuft endgültig ab

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Die Skyline von Doha.

(Foto: REUTERS)

Auch nach einer Fristverlängerung wird das Emirat Katar die Forderungen seiner arabischen Nachbarn wohl ablehnen. Die Krise am Golf droht damit weiter zu eskalieren. Die deutsche Wirtschaft warnt vor den Folgen.

Die Spielräume für Lösungen in der Katar-Krise sind so klein, wie das Ego des isolierten Golfemirats groß ist, warnen kritische Beobachter. In wenigen Stunden wird Katars Antwort auf den 13 Punkte umfassenden Forderungskatalog seiner Nachbarländer Saudi-Arabien, Vereinigte Arabisch Emirate (VAE), Bahrain und Ägypten auf dem Tisch liegen. Dann dürfte auch klar sein, ob ein Kompromiss in der Krise in absehbarer Zeit möglich ist. Experten rechnen nicht damit.

Katar soll alle Verbindungen zu "Terror-Organisationen" kappen, fordern die vier Blockade-Länder. Das Emirat soll ferner seinen TV-Sender Al Jazeera und eine türkische Militärbasis im Inland schließen sowie seine Beziehungen zum Iran zurückfahren. Auch wenn die Entscheidung Dohas noch nicht bekannt ist, sind Beobachter überzeugt, dass Katar auf diese Forderungen seiner Nachbarn, die ihr Ultimatum zuvor bereits um 48 Stunden verlängert haben, nicht eingehen kann.

"Eine Liste, die man ablehnen muss"

"Katar wird voraussichtlich alle Forderungen Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten ablehnen", sagt der ehemalige US-Botschafter Chase Untermeyer CNBC. Untermeyer war von 2004 bis 2007 Botschafter in Katar, heute ist er Unternehmensberater und Mitglied des Nahost-Thinktanks Soufan Group. Die vier Außenminister der Nachbarstaaten werden am morgigen Mittwoch in Kairo über die Antwort aus Doha beraten und dann mögliche weitere Schritte beraten.

Katars Außenminister Mohammed Abdulrahman Al Thani hat bereits früh harte Kante signalisiert. Kurz nach der Veröffentlichung des Katalogs vor elf Tagen kritisierte er, dass die 13 Punkte so gestrickt seien, dass Doha die Forderungen ablehnen müsse. Katar könne nicht alle Forderungen erfüllen: Die Auslieferung iranischer Vertreter der Revolutionsgarden zum Beispiel scheitere daran, dass sie sich gar nicht in Doha aufhielten, sagte er.

Für Ex-Botschafter Untermeyer ist das ein wichtiger Punkt. Nur wenn Katar Mitglieder geächteter Organisationen und Gruppen wie der Hamas des Landes verweise, könne das Emirat die Lage deeskalieren. Die vier arabischen Nachbarstaaten werfen dem kleinen, aber reichen Golfemirat vor allem vor, Terroristen zu finanzieren.

Die Fehde gegen Katar hatte die Allianz um Saudi-Arabien auch mit der großen Nähe zu Iran begründet. Die Beziehungen zu Saudi-Arabiens Erzrivalen zurückzufahren, ist laut Untermeyer nicht nur eine weitere schwierige, sondern auch unlogische Forderung: "Warum sollte Katar die Beziehungen zum Iran kappen, wenn Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere der blockierenden Ländern ihre eigenen Beziehungen zum Iran unterhalten?"

Zwischen Triumph und Kapitulation

Für Katar sei es ein "schwieriger Balanceakt", sagt Emily Hawthorne, Expertin für den Mittleren Osten beim geopolitischen Thinktank Stratfor. Doha werde wahrscheinlich ein Stück weit kapitulieren oder einlenken müssen. Wirtschaftlich sei Katar zwar in der Lage, den ökonomischen Druck auszuhalten, räumt die Expertin ein. Doha sei aber auch auf stabile Beziehungen zu Russland, den USA, dem Iran sowie Saudi-Arabien angewiesen. Dadurch, dass niemand einlenken wolle, könnte die Krise Monate weiterschwelen. Zusätzliche Sanktionen, wie sie die Vereinigten Arabischen Emirate bereits angedroht haben, seien wahrscheinlich.

Am Wochenende sollen die vier Blockadeländer bereits gemeinsam über eine Liste möglicher Zwangsmaßnahmen beraten haben. Läuft das Ultimatum ungenutzt aus, könnte zum Beispiel Katars Mitgliedschaft im Golf-Kooperationsrat (GCC) ausgesetzt werden. Das wäre jedoch eher ein symbolischer Akt.

In Katar fürchte man sich nicht vor den Folgen, hat Außenminiser Al Thani klar gemacht. Das Emirat mag ein kleiner Staat sein, aber sein Einfluss ist groß. Das aufgrund seiner gigantischen Gasreserven unermesslich reiche Land mischt mittlerweile überall mit. In fünf Jahren soll es Gastgeber der Fußball-WM sein. Kritiker sagen, mit dem Reichtum sei auch das Ego des Landes übergebordet. Katar wolle beweisen, dass es alle und alles kaufen könne.

Symbolisch für die Größe, die sich der Zwergenstaat - der lediglich halb so groß ist wie Hessen - zugesteht, stehe der TV-Sender Al Jazeera, sagt Hawthorne. Der in Doha ansässige und 1996 gegründete TV-Senders sei Saudi-Arabien und Ägypten wegen seiner kritischen Berichterstattung über arabische Staaten immer ein Dorn im Auge gewesen, sagt Untermeyer. Die Schließung des Senders sei deshalb wichtig. Al Jazeera hatte etwa über das diktatorische Regime des im "Arabischen Frühling" gestürzten Hosni Mubarak in Ägypten kritisch berichtet.

Danach, dass sich Katar demnächst vor seinen Nachbarstaaten klein machen wird, sieht es jedoch nicht aus. Mitten in der Krise kündigte die Regierung an, ihre Produktion von Flüssiggas bis 2024 um 30 Prozent zu steigern. Katars Ressourcenreichtum sind das Ass im Ärmel. Schon heute ist das Emirat der weltweit größte Exporteur von Flüssiggas. Im vergangenen Jahr lieferte es dem Weltmarkt rund 30 Prozent der Gesamtmenge.

DIHK: Es droht ein "frozen conflict"

Die deutsche Wirtschaft schlägt Alarm. "Je länger die Krise andauert, desto mehr werden die deutschen Unternehmen über ihre Aufstellung in der Region nachdenken", sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Von dem Konflikt seien nicht nur Interessen deutscher Unternehmen in der Region, sondern potenziell auch ein Teil der deutschen und europäischen Energieversorgung bedroht. Spitze sich die Lage weiter zu, könnte die Gas- und Ölpreise weltweit steigen mit weitreichenden internationalen Auswirkungen. Es drohe ein "frozen conflict" - ein Konflikt ohne militärische Dimension, warnt Treier. Den würden neben Katar auch die Nachbarländer zu spüren bekommen, vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate, die für viele ausländische Investoren als Einfallstor und Schaltstelle für Aktivitäten in der Region genutzt werden.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, der sich auf mehrtägiger Mission in der Region befindet, um in dem Konflikt zu vermitteln, hofft noch auf eine Verhandlungslösung. Am morgigen Mittwoch wird er in Kuwait erwartet. "Mein Eindruck ist, dass jetzt doch alle Seiten bemüht sind, einen Raum zu finden, in dem man sich verständigen kann", sagte Gabriel in Abu Dhabi, schränkte aber ein: "Aber so weit sind wir noch nicht."

Quelle: n-tv.de

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