Wirtschaft

"Extremes Müllproblem"Umweltministerium will Billigmode-Hersteller zur Kasse bitten

10.01.2026, 13:27 Uhr
00:00 / 02:30
Schleswig-rote-Altkleidercontainer-vom-Deutschen-Roten-Kreuz-vor-denen-jede-Menge-Altkleider-und-sonstiges-Zeug-im-Dreck-liegen-Sobald-die-Container-voll-sind-legen-die-Kleiderspender-ihre-Sachen-teils-in-unbrauchbarer-Qualitaet-einfach-davor-auf-den-Boden-Statt-Kleiderpende-ist-es-hier-oft-die-achtlose-Entsorgung-alter-Textilien-und-sonstiger-Sachen
Hersteller sollen sich künftig an den Entsorgungskosten von Billigklamotten beteiligen. (Foto: picture alliance / SULUPRESS.DE)

Deutsche kaufen jährlich etwa 60 neue Kleidungsstücke. Altkleidercontainer sind dadurch vielerorts überfüllt und vermüllen. Die EU hat bereits die Zölle auf Billigklamotten erhöht. Nun plant das Umweltministerium, die Hersteller für Entsorgung und Recycling mehr in die Verantwortung zu ziehen.

Bundesumweltminister Carsten Schneider will die Hersteller billiger Kleidung zur Kasse bitten, um die Entsorgung der zunehmenden Textilmüllmengen zu finanzieren. "Auch bei uns in Deutschland führt Fast Fashion zu einem extremen Müllproblem", sagte Schneider der "Rheinischen Post". "Unser über Jahrzehnte bestehendes System der Altkleidersammlung funktioniert nicht mehr. Die Container werden mit dem Billigklamottenberg überfüllt und die Betreiber werden ihn nicht mehr los."

Vielen Verbrauchern sei das Problem nicht bewusst, doch "die Folgen dieser Bestell-und-Wegwerf-Mentalität sind wirklich dramatisch", sagte Schneider weiter. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Umweltministerium Zahlen veröffentlicht, wonach Deutsche im Schnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr kaufen. Zudem hatte es davor gewarnt, dass durch das Waschen von Billigmode bis zu 400 Tonnen Mikropartikel jährlich in die Gewässer und Meere geleitet würden.

Schneider wolle nun erreichen, "dass die Hersteller sich an den Entsorgungskosten beteiligen müssen. Alle, die bei uns Kleidung verkaufen wollen, müssen sich registrieren und ihren Anteil für die ordnungsgemäße Entsorgung zahlen". Die Preise für Billigklamotten etwa bei Anbietern wie Shein, Zara oder Primark würden dadurch etwas steigen. "Vor allem gibt es dann aber neue Finanzquellen für Recycling und Entsorgung von Altkleidern", sagte Schneider. In Frankreich wird ein solches Gesetz bereits diskutiert. Er wolle bis zum Sommer einen entsprechenden Entwurf vorlegen.

"Der wichtigste Teil der Lösung ist, weniger von diesen Billigpaketen aus China zu kaufen", führte der Minister aus. Um dies zu erreichen, sei bereits auf EU-Ebene ein Zoll-Aufschlag von drei Euro pro Paket beschlossen worden. Umweltorganisationen wie Greenpeace dringen zudem seit Jahren auf ein Werbeverbot etwaiger Produkte in den sozialen Medien sowie eine stärkere staatliche Förderung von zirkulären Geschäftsmodellen.

Quelle: ntv.de, gri/AFP

UmweltschutzModeCarsten SchneiderUmweltministeriumSheinEUTemu