Wirtschaft

Trauer um Thomas Wagner Unister-Chef suchte "potenzielle Investoren"

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Unister trauert um seine Gründer und Kollegen.

Homepage/Unister

Der Unfalltod von Unister-Chef Wagner sorgt für Trauer und Entsetzen im Konzern. Wie soll es weitergehen? Die Firma steckt in Schwierigkeiten. Deshalb war Wagner wohl auch in Italien.

Mit einer Trauerminute und virtuellen Kondolenzbüchern hat das Leipziger Internetunternehmen Unister am Freitag seines Geschäftsführers und dessen Begleiter gedacht. Es herrsche Trauer und Sprachlosigkeit, sagte Unister-Mitgründer und Gesellschafter Daniel Kirchhof. Thomas Wagner und drei weitere Personen waren am Donnerstag bei einem Flugzeugabsturz in den slowenischen Bergen ums Leben gekommen.

Die Homepage des Internetunternehmens zeigt eine einzige große Traueranzeige in schwarz-weiß: "Wir trauern um unsere Gründer und Kollegen Thomas Wagner und Oliver Schilling. Sie waren großartige Menschen, voller Mut, Weitsicht und Tatendrang. Sie waren Vorbilder und für viele von uns auch gute Freunde. Ein Teil von ihnen bleibt bei uns." Der Schock und die Betroffenheit nach dem Unglück sind groß. Die Informationen zum Hintergrund des Unglücksflugs fließen jedoch nur spärlich.

Die Privatmaschine war nach einem eintägigen Aufenthalt in Venedig auf dem Rückweg nach Leipzig gewesen. Vier Personen waren an Bord: neben Wagner ein Banker, der Pilot sowie der 39-jährige Gesellschafter und Mitgründer der Unister-Holding, Oliver Schilling. Der Anlass der Reise, von der offenbar kaum einer Kenntnis hatte, bleibt größtenteils ein Rätsel.  

"Gespräche mit potenziellen Investoren"

Weder das Unternehmen, noch die Polizei vor Ort wollten die Hintergründe sowie Berichte über einen ominösen Geldkoffer, der angeblich an der Absturzstelle gefunden wurde, bislang kommentieren. Laut "Bild" soll beim Flugzeugwrack viel Bargeld gefunden worden sein. Unister-Mitbegründer Kirchhof, mit dem sich Wagner im vergangenen Herbst überworfen hatte, sagte dazu nur: "Davon weiß ich nichts."

Er gehe davon aus, dass Wagner geschäftlich unterwegs gewesen sei. Unternehmenssprecher Dirk Rogl bestätigte dies: "Herr Wagner und Herr Schilling befanden sich in Venedig in Gesprächen mit potenziellen Investoren." Darüber, was es mit den Millionen Euro auf sich hat, die angeblich gefunden wurden, lässt sich somit nur spekulieren.

Unister steckt offenbar in Schwierigkeiten. Das Unternehmen gilt seit einiger Zeit als finanziell angeschlagen. Es soll hoch verschuldet sein. Die Gruppe wird seit einiger Zeit umstrukturiert. Schon 2014 wurde die Travel-Sparte ausgegliedert und später in eine AG umgewandelt. 200 Mitarbeiter wurden entlassen. Mitte 2015 strich der Konzern weitere 150 Stellen. Für das "Effizienzsteigerungsprogramm" Unister 3.0 sollten 30 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. Jüngst hatte das Unternehmen das Portal Geld.de verkauft. 

Versammlung in Leipzig

Eine der drängendsten Fragen für das Unternehmen, das unter anderem Portale wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de betreibt, ist jetzt: Wer übernimmt Wagners Posten? Vertraute und leitende Mitarbeiter haben sich nach Unternehmensangaben bereits in Leipzig versammelt, um den verbliebenen Gesellschaftern Handlungsempfehlungen zu geben. Wagner war alleiniger Geschäftsführer und Hauptgesellschafter des Unternehmens mit rund 1200 Mitarbeitern.

"Bei den Mitarbeitern herrscht Entschlossenheit, das Geschäft im Sinne ihrer Gründer fortzusetzen", erklärte Unternehmenssprecher Rogl. Der Betrieb laufe planmäßig weiter. Über die Nachfolge soll so schnell wie möglich entschieden werden.

Das Flugzeugwrack soll in einem Hangar des Flughafens Brnik bei Ljubljana untersucht werden. Wie die slowenische Nachrichtenagentur STA berichtet, werde die Analyse zur Unfallursache mindestens zehn Tage dauern. Den Angaben zufolge sind deutsche Sicherheitsbehörden eingeschaltet.

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Quelle: n-tv.de, ddi

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