"Desaströse Kommunikation" VW-Belegschaft geht mit Vorstand hart ins Gericht

Der Autobauer Volkswagen muss sich neu aufstellen. Unternehmenschef Blume sorgt mit einem Interview konzernintern für Verunsicherung. Über die konkreten Pläne des Vorstandes werden die Angestellten im Unwissenden gelassen. Ihre Unzufriedenheit zeigen sie bei einer Umfrage.
Im Ringen um ein weiteres Sparpaket bei Europas größtem Autobauer Volkswagen kritisiert die Belegschaft den Kommunikationsstil des Managements. Wegen der "desaströsen Kommunikation nach außen durch den Vorstand" seien die Mitarbeiter und ihre Familien "verunsichert und verängstigt", heißt es in einer Intranet-Meldung des Betriebsrats.
Der Betriebsrat habe die Stimmungslage der Belegschaft in der vergangenen Woche online abgefragt. Dabei seien auch Fragen zur Zukunft der Altersteilzeit und der Aufhebungsverträge gestellt worden, zudem sei nach Perspektiven für die Werke in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm gefragt worden.
VW-Chef Oliver Blume stellt sich am vergangenen Dienstag bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung in Wolfsburg den Fragen der Mitarbeiter. Am Mittwoch sind weitere Betriebsversammlungen in Emden und Zwickau geplant. Am vergangenen Freitag hatte er in einem im Intranet veröffentlichten Interview die Lage als "mehr als kritisch" bezeichnet. "3,8 Prozent operative Rendite sind in dieser anspruchsvollen Situation zwar solide", sagte Blume. "Aber sie reichen bei Weitem nicht aus, um dauerhaft ausreichende Mittel zu erwirtschaften für neue Technologien, neue Produkte und unsere Standorte."
Kapazitäten und Kosten sollen gesenkt werden
Für den Sparkurs appellierte er an die Mitarbeiter. "Auf die nächsten Wochen kommt es an: Alle müssen mitziehen. Wir haben den größten Transformationsplan in der Geschichte des Volkswagen-Konzerns aufgesetzt", sagte Blume der "Bild am Sonntag". Der Betriebsrat kritisierte, dass das interne Interview erst am Freitagnachmittag veröffentlicht worden sei, als zahlreiche Mitarbeiter bereits auf dem Weg ins Wochenende gewesen seien und zu dem Zeitpunkt die entsprechenden Informationen aus den Nachrichten erfahren hätten.
Zudem habe Blume weder Details zur Zukunft der Werke in Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm noch zu einem möglichen Arbeitsplatzabbau genannt. Blume hat angekündigt, die Kapazitäten in den Konzernwerken in Europa um 500.000 Fahrzeuge pro Jahr zu senken. "Für Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm können wir heute keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre darstellen", sagte er.
Zudem sollen die Kosten deutlich reduziert werden. Die Gemeinkosten seien um 30 Prozent höher als bei Wettbewerbern. "Die häufig genannte Zahl von rund 50.000 Stellen weltweit ist dabei keine fixe Zielgröße", sagte der VW-Chef. "Sie errechnet sich aus unserem Kostenziel im Vergleich zum Wettbewerb und gibt eine Orientierung, wie groß unser Handlungsbedarf ist."