Wirtschaft

Werk in Xinjiang soll bleiben VW-Chef hat "Sorgen" wegen deutscher China-Politik

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Diess ist seit April 2018 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Der VW-Chef fordert mehr Dialog mit China. Eine Konfrontation mit der Volksrepublik könne Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung in Deutschland gefährden. Herbert Diess meint: Ein Rückzug von VW aus der Region Xinjiang, wo China die Uiguren unterdrückt, hätte keine Vorteile.

VW-Chef Herbert Diess warnt vor einem Konfrontationskurs zu China. Die Grundhaltung der deutschen Regierung gegenüber der Volksrepublik bereite ihm "Sorgen", sagte Diess in einem Interview dem "Spiegel". "Wir brauchen noch mehr Dialog", forderte der VW-Chef. "Die chinesische Führung kann auch mit harten europäischen Positionen umgehen - aber man sollte darüber sprechen - und man sollte die wirtschaftlichen Auswirkungen verstehen."

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Würde sich Deutschland von der Volksrepublik abkoppeln, gäbe es laut dem VW-Chef sehr viel weniger Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung. "Hierzulande wird extrem unterschätzt, wie stark unser Wohlstand von China mitfinanziert wird." Im Gespräch mit dem "Spiegel" zählte Diess auf, dass Volkswagen in Deutschland 20.000 bis 30.000 Entwickler beschäftige und die Hälfte davon für Kunden in China arbeite. "Vier Milliarden Euro Gewinn fließen jährlich aus der Volksrepublik hierher." Seinen Führungskräften sage er, dass ein Großteil ihrer Boni dort erwirtschaftet werde. Auch würde die Inflation in Deutschland ohne die Geschäfte mit China "noch weiter explodieren".

In den Augen des VW-Chefs hat sich China "unter Präsident Xi Jinping wirtschaftlich weiter geöffnet". Er geht davon aus, dass sich das Land "auch im Wertesystem weiter positiv entwickeln" werde. "Wir können einen Beitrag zum Wandel leisten, indem wir vor Ort vertreten sind", sagte Diess. Volkswagen investiere perspektivisch für einen Zeitraum von 20 bis 40 Jahren, da könne sich noch viel ändern.

"Keine Zwangsarbeit" bei VW in Xinjiang

Zuletzt sorgten neue Berichte über die Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in der chinesischen Region Xinjiang weltweit für massive Kritik. Dabei geht es um Menschenrechtsverletzungen wie Zwangsarbeit und die Unterbringung in Umerziehungslagern. Die USA verhängten kürzlich einen Importbann für Produkte, die in Xinjiang gefertigt wurden, wie unter anderem CNN berichtete.

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Angesprochen auf die Kritik an dem VW-Werk in der Region sagte Diess dem "Spiegel", dass man im Konzern ständig darüber nachdenke. "Ich bin bis heute der Ansicht, dass wir dort bleiben sollten, weil ein Rückzug niemandem nützt", so der VW-Chef. Es gebe mehrmals im Jahr einen Austausch mit dem Joint-Venture-Partner vor Ort, in dem Werk gebe es Schutzrechte und Gebetsräume für religiöse Minderheiten, die 30 Prozent der Belegschaft ausmachten. "Wir können sicherstellen, dass dort keine Zwangsarbeit besteht", sagte Diess.

Der chinesische Markt ist für Volkswagen extrem wichtig. Die Wolfsburger sind dort Branchenprimus. Diess ist trotz der jüngsten Corona-Lockdowns und der Wirtschaftsabkühlung in China zuversichtlich, dass die Volksrepublik Wachstumsmotor bleiben wird.

Quelle: ntv.de, mbe/rts

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