Wirtschaft

"Unsere Unterstützung hat er" VW-Patriarchen stärken Diess

Der Volkswagen-Konzern und sein Chef Diess müssen sich mit dem Strukturwandel in der Automobilindustrie auseinandersetzen. Die mächtigen Familien Porsche und Piech stärken dabei die Position Diess'. Sie sehen aber auch die Politik in der Pflicht.

In der Diskussion um den Umbau des VW-Konzerns hat Volkswagen-Vorstandschef Herbert Diess Rückendeckung von der Familie Porsche/Piëch als größtem Anteilseigner erhalten. "Unsere Unterstützung hat er", sagte Aufsichtsrat Hans-Michel Piëch der "Bild". "Er steht vor einer gewaltigen Aufgabe. Dafür braucht er Kraft, aber auch Unterstützung von allen im Konzern." Sein Cousin Wolfgang Porsche betonte: "Wenn auch Herr Diess von vielen Seiten kritisiert wird, er ginge ein wahnsinniges Risiko ein: Es gibt heute keine Alternative zu dem Weg, den er und der Volkswagen-Vorstand eingeschlagen haben."

VW Vorzüge
VW Vorzüge 141,34

So schlugen sich die VW-Patriarchen etwa beim Thema Wasserstoff auf die Seite von Diess. "Allein die Diskussion über eine Entscheidung für Wasserstoff oder Batterien ist unglücklich", sagte Piëch. "Wasserstoff ist auf absehbare Zeit zu teuer und kann eben nicht mit nachhaltiger Energie hergestellt werden."

Autos mit Brennstoffzellen, in denen Wasserstoff mit Sauerstoff zu Wasser reagiert und so die nötige Antriebsenergie liefert, gelten als Alternative zu reinen Elektroautos mit Batterieantrieb. Die Kosten für solche Fahrzeuge sind - auch wegen der noch sehr geringen Modellstückzahlen und Infrastruktur - aber bislang hoch. Viele Automanager sehen sie daher eher als langfristige Lösung.

Auch Politik ist am Zug

Diess setzt verstärkt auf Zukunftsthemen. In E-Mobilität, Hybridantriebe und Digitalisierung sollen bis 2024 Dutzende Milliarden Euro fließen. "Digitalisierung und Software bestimmen künftig das Auto", sagte Porsche. "Man muss wissen: Wenn wir diese Transformation nicht jetzt angehen, hat der Konzern in Zukunft ein riesiges Problem."

Zugleich forderte der VW-Aufseher von der Politik machbare Rahmenbedingungen und kritisierte die EU-Vorgabe, spätestens 2021 im Schnitt einen durchschnittlichen Ausstoß von 95 Gramm CO2 je gefahrenem Kilometer bei den neu verkauften Autos einzuhalten. "Der Flottenwert von 95 Gramm CO2 auf EU-Ebene mag politisch gewünscht sein, aber um das zu erreichen, müssen wir auch eine große Zahl an Kunden finden, die die E-Autos kaufen."

Mit Blick auf Kaufprämien für Elektroautos regte Piëch mehr Privilegien für E-Auto-Fahrer an. "Ich bin überzeugt, dass wir mehr erreichen würden, wenn sie zum Beispiel auf der Busspur fahren oder spezielle Parkplätze benutzen dürfen", sagte er. Porsche zeigte sich offen für eine Streichung der Steuererleichterung für Diesel. Das Geld könne in den Ausbau der Ladeinfrastruktur und die Entwicklung neuer Technologien fließen, sagte er.

Quelle: ntv.de, bad/dpa