Wirtschaft

Zuliefererstreit legt Wolfsburg lahm VW stoppt Golf-Produktion

Der Streit mit den Zulieferern hat das Herz von VW in Wolfsburg erreicht. Die Bänder in der wichtigen Golf-Produktion stehen still. Für die Beschäftigten heißt das Kurzarbeit. Der Konzern hat möglicherweise noch ein weiteres Problem.

Die Vor-Produktion des wichtigsten VW-Modells Golf im Stammwerk Wolfsburg ruht seit dem Morgen. Damit ist die nächste Eskalationsstufe im Streit mit einem Getriebe- und einem Sitzbezug-Zulieferer erreicht. Laut einem Konzernsprecher wurden für dieses Wochenende Arbeiten in Bereichen zur Vorbereitung der Golf-Fertigung ausgesetzt, die entsprechende Logistik ruhe. Entsprechende Schichten würden dann ab Montag wegfallen.

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Für die betroffenen Beschäftigten in Montage, Karosseriebau, Lackiererei und Presswerk sei im Einvernehmen mit dem Betriebsrat inzwischen Kurzarbeit angezeigt und Kurzarbeitergeld beantragt worden, heißt es in einer Bekanntmachung an die Mitarbeiter.

Osterloh: "Ein ganz mieses Spiel"

Grund für die Zwangspause in der größten Volkswagen-Fabrik ist ein Lieferstopp der Partnerunternehmen ES Automobilguss (Getriebe) und Car Trim (Sitzbezüge) aus Sachsen. "Wir arbeiten nach wie vor an einer Einigung", erklärte der Konzern. Der VW-Anteilseigner Niedersachsen schließt angesichts des Lieferstopps der Teilehersteller jedoch auch Zwangsmaßnahmen nicht mehr aus. Der bereits beträchtliche Schaden würde sich mit jedem Tag vergrößern, sagte Ministerpräsident Stephan Weil in Hannover. Sollte die Verhandlungslösung scheitern, müsse Druck ausgeübt werden.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh bezeichnete den Streit als "ganz mieses Spiel der Lieferanten". "Kurzarbeit nimmt niemand auf die leichte Schulter. Wenn man Geschäfte auf dem Rücken der Belegschaft macht, dann ist das rücksichtslos und unsozial", sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh der "Bild"-Zeitung. Die beiden Zulieferer, die zur Prevent-Gruppe mit Hauptsitz in Slowenien gehören, wiesen eine Verantwortung zurück, VW selbst trage die Schuld an der Entwicklung. Der Dax-Konzern nutze seine Marktmacht auf ihre Kosten aus.

Der Produktionsstopp beim Golf soll zunächst bis einschließlich kommenden Samstag (27. August) gelten. Im Passat-Werk Emden wurde schon für 7500 Kollegen Kurzarbeit angemeldet. Das Unternehmen prüft dies nun auch für die Standorte Braunschweig, Zwickau und Kassel.

Wie kostet der Produktionsstopp VW?

Experten schätzen den Schaden durch den Produktionsstopp auf mehrere Millionen Euro wöchentlich. Letztlich wird es davon abhängen, wie lange die Bänder stillstehen. Klar ist bislang nur: Ab dieser Woche werden in Wolfsburg und Emden pro Tag rund 3450 Autos vorwiegend der Modelle Golf und Passat weniger gefertigt.

Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer rechnet mit "Gewinneinbußen im hohen dreistelligen Millionen-Bereich", wie er den "Ruhr Nachrichten" sagte. Branchenexperte Frank Schwope von der NordLB geht von einem zweistelligen Millionenbetrag aus, "wenn es schlecht läuft und sich hinzieht auch dreistellig". 

Laut Dudenhöffer ist der Preis für diesen Streit auch deshalb hoch, weil Volkswagen das Vertrauen bei allen Herstellern in der Branche verspiele. Für den Ökonomen steht fest, dass VW in "allerhöchster Not" entschieden haben muss. VW sei bei seinen Zulieferern nicht gut aufgestellt. Bei jedem anderen Autobauer der Welt gebe es mindestens zwei Lieferanten für solche Teile, ergänzte er.

Schwierigkeiten beim Golf-Absatz?

Möglicherweise hat VW auch nicht nur ein Zuliefererproblem. Laut "Bild" droht der Konzern noch an anderer Stelle ausgebremst zu werden. Die Bänder in der Golf-Produktion im VW-Werk in Wolfsburg werden demnach nicht nur nächste Woche stillstehen, sondern auch vom 4. bis zum 7. Oktober und vom 19. bis zum 22 Dezember. Hintergrund sollen die sinkenden Golf-Absatzzahlen nach dem Abgasskandal sein, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise. VW rechne demnach in Wolfsburg mit rund 15.000 weniger produzierten Golfs als noch zu Beginn des Jahres.

Ein Sprecher wies die Darstellung der Zeitung zurück, wonach der Konzern insgesamt weniger Golfs baue als geplant. Beispielsweise seien im Sommer mehr Wagen vom Band gelaufen, da im Werksurlaub "durchproduziert" worden sei, erklärte er. Ausschlaggebend sei die "Sicht aufs Gesamtjahr". Bei den Produktionsunterbrechungen für den Golf handele es sich um eine "normale Vorgehensweise", so der Sprecher weiter. Jeweils zur Quartalsmitte werde das Vorgehen für das folgende Quartal festgelegt.

Quelle: n-tv.de, ddi/dpa

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