Wirtschaft

Post zieht alle Register Verdi muss Post-Beamte als "Helfer" dulden

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(Foto: picture alliance / dpa)

Seit Monaten ringen Post und Verdi um Bezahlung, Arbeitszeit die Ausgliederung von Beschäftigten in Tochtergesellschaften. Um Streikfolgen zu mildern, setzt das Unternehmen zum Unmut der Gewerkschaft seine Beamten ein - und polnische Kollegen.

Die Gewerkschaft Verdi ist mit einer Klage gegen die Deutsche Post vor dem Arbeitsgericht Bonn gescheitert. Verdi hatte juristisch erzwingen wollen, dass die Post keine Beamten einsetzen darf, um die Folgen von Streiks der Angestellten zu mildern. Die entsprechenden Anträge seien zurückgewiesen worden, teilte das Gericht in Bonn mit. Die Gewerkschaft könne aber vor dem Landesarbeitsgericht in Köln in Berufung gehen.

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Verdi behalte sich weitere Rechtsmittel vor, kündigte ein Sprecher an. Die Post begrüßte die Entscheidung: "Wir freuen uns, dass das Gericht unsere Rechtsauffassung bestätigt hat", sagte Post-Vorstand Jürgen Gerdes. Verdi setzte im Streit um höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten die Streiks bei der Post fort.

38.000 Beamte als "Streikbrecher"?

Bei dem ehemaligen Staatsmonopolisten Post sind noch rund 38.000 Beamte beschäftigt. Gerdes rief Verdi auf, nun am Verhandlungstisch konstruktiv an einer Lösung des Tarifstreits zu arbeiten. Die Gespräche mit der Post sollen am 1. und 2. Juni in Berlin fortgesetzt werden.

Verdi will für die 140.000 Tarifbeschäftigten des Konzerns 5,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie eine Verkürzung der Wochen-Arbeitszeit auf 36 von 38,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich durchsetzen. Die Gewerkschaft hat ihre Forderungen bereits mit mehreren bundesweiten Warnstreikwellen unterstrichen.

Darüber hinaus setzt die Post auch auf polnische Paketboten. Vorübergehend würden "neben Mitarbeitern mit Sitz in Deutschland auch Kollegen von DHL Paket aus dem benachbarten Polen" eingesetzt, sagte eine Unternehmenssprecherin dem "Tagesspiegel". Dabei handele es sich um "erfahrene Zusteller, die freiwillig zur Unterstützung im Berliner Raum im Einsatz sind". Die Zusteller würden mit den üblichen Arbeitsmitteln für die Paketzustellung ausgestattet und geschult.

Verdi: "Beispiellos skandalös"

Die polnischen Aushilfsboten sind laut "Tagesspiegel" bei einer der neuen DHL-Tochterfirmen angestellt, deren Gründung die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi als Vertragsbruch bezeichnet. Sie seien für die Dauer ihres Einsatzes in Berlin untergebracht, ihr Einsatz sei "inklusive Kost und Logis".

Verdi bezeichnete den Einsatz der polnischen Paketboten als "beispiellos skandalös". Das sei eine völlig neue Strategie, den Arbeitskampf im eigenen Land zu unterwandern, die auch bei der Bundespolitik auf Interesse stoßen dürfte", sagte Verdi-Sprecher Jan Jurczyk dem "Tagesspiegel".

Das Klima zwischen Post und Verdi ist bereits seit Monaten vergiftet. Die Post hat angekündigt, Tausende neue unbefristete Stellen schaffen zu wollen, allerdings in 49 neuen Gesellschaften, für die niedrigere Löhne als im Konzern gelten. Verdi sieht dies als Bruch geltender Verträge.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/AFP