Wirtschaft

Deutsches Pendant zu Amazon? Versandhändler Otto setzt voll auf digital

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Vor kurzem schrieb der Handelskonzern Otto noch rote Zahlen.

(Foto: picture alliance / Christian Cha)

Gestartet mit dem klassischen, gedruckten Katalog, mausert sich Otto immer mehr zum reinen Online-Händler. Die Digitalisierung des Konzerns soll weiter vorangetrieben werden. Der neue Chef verspricht sich gewaltige Umsatzzuwächse.

Der neue Chef des Versandhändlers Otto will den Konzern digital fit machen und auf Wachstumskurs bringen. "Wir sind uns intern alle einig, dass nun wieder eine Phase ehrgeizigen Wachstums folgen muss", sagte Alexander Birken dem "Handelsblatt". Otto werde außerdem ein "voll digitalisierter Konzern werden". Deshalb werde gezielt in diesen Bereich investiert, digitale Geschäftsfelder sollen mit "substanziell dreistelligen Millionenbeträgen" ausgebaut werden, sagte Birken.

Der Umsatz soll demnach in den kommenden fünf Jahren von 12,5 Milliarden Euro auf 17 Milliarden Euro gesteigert werden. Das entspreche einem jährlichen Umsatzwachstum von rund 800 Millionen Euro. Birken steht seit Jahresanfang an der Spitze der Otto Group. Birken ist aber nicht neu in dem Handels- und Dienstleistungskonzern - er führte zuvor die Einzelgesellschaft Otto, den früheren Otto-Versand.

Der neue Macher sieht die Unternehmensgruppe vor einem großen Wandel. Die deutsche Einzelgesellschaft Otto könne zu einer großen Handelsplattform ausgebaut werden, die fünf bis zehn Millionen verschiedene Artikel anbiete, erklärte Birken. Heute sind es gut zwei Millionen. Birken sagte aber auch: "Wir werden keine anderen Plattformen nachahmen, weder Amazon noch Ali Baba."

Online-Modeshop "About You" soll kräftig wachsen

Auch das Start-up Collins mit dem Online-Modeshop "About You" spielt in der Strategie eine Rolle. "Wir wollen daraus ein Milliardenunternehmen machen", sagte Birken. Gegenwärtig steht Collins bei 135 Millionen Euro Umsatz. Mit der Umsetzung einer neuen Strategie sei mit steigenden Investitionen und neuen Arbeitsplätzen zu rechnen, sagte Birken. Weltweit legte die Otto Group im vergangenen Geschäftsjahr bei den Mitarbeitern um rund 150 auf 49.750 Mitarbeiter zu.

Dem "Hamburger Abendblatt" sagte der neue Otto-Chef, er könne sich auch eine enge Zusammenarbeit mit dem bisherigen Konkurrenten DHL vorstellen. Danach befragt, ob Otto künftig nicht mehr nur über die eigene Tochter Hermes, sondern auch mit DHL Waren ausliefert, sagte er, der Konzern beschäftige sich mit diesem Thema "auf jeden Fall sehr offen".

Die Umsätze der Otto-Gruppe stiegen im zurückliegenden Geschäftsjahr um 3,4 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro. Nach Steuern blieb ein Gewinn von 41 Millionen Euro, nach einem Verlust von 190 Millionen Euro im Vorjahr. Der Handel über das Internet ist seit Jahren Umsatztreiber des Konzerns. Im Vergleich zum Vorjahr steigerte der Konzern die Umsätze der mehr als 100 Online-Shops weltweit auf vergleichbarer Basis um rund zehn Prozent auf knapp sieben Milliarden Euro.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa/AFP

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