Wirtschaft

Weiches Finanzpolster Volkswagen strotzt vor Kraft

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Mit den Stadt-SUVs finanziert sich Volkswagen den Umstieg auf die Elektromobilität.

(Foto: www.imago-images.de)

Angesichts von Handelsstreits und der weltweiten Wachstumsdelle stapeln Autobauer und Zulieferer reihenweise tiefer. Branchenprimus Volkswagen aber erwartet keinen Rückgang der Verkäufe. Dank der internen Straffung sind zudem immer mehr Mittel für den Umbau zur Elektromobilität vorhanden.

Volkswagen spürt erste Auswirkungen der Autokrise. Zwar verdiente Europas größter Hersteller in den ersten neun Monaten mehr. Bei der Prognose für die Fahrzeugauslieferungen kassierte die Chefetage angesichts der weltweiten Konjunkturschwäche allerdings die Erwartungen: Statt eines leichten Anstiegs sollen die Auslieferungen nun auf dem Niveau des Vorjahres verharren.

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Von Januar bis Ende September nahmen die Wolfsburger operativ 13,5 Milliarden Euro ein und damit ein Viertel mehr als im Vorjahresszeitraum. Der Umsatz erhöhte sich um rund sieben Prozent auf 186,6 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben schließlich knapp 11,2 Milliarden Euro hängen. "Gemessen an dem Umfeld sind die Zahlen stark", sagte ein Händler in einer ersten Reaktion.

Im Vergleich mit anderen Unternehmen aus der Autobranche, die ihren Ausblick wegen der mauen Autokonjunktur deutlich eingedampft haben und Sparprogramme verschärfen, strotzt Volkswagen finanziell weiter vor Kraft. Die Nettoliquidität im Autogeschäft lag Ende September bei 19,8 Milliarden Euro. Der Netto-Cashflow - eine wichtige Kennziffer für Analysten - überstieg mit 8,6 Milliarden Euro den Vorjahreswert um 5,1 Milliarden.

Und das Geld kann der Konzern sehr gut gebrauchen: Bis 2023 wollen die Wolfsburger rund 30 Milliarden Euro allein in die Elektromobilität stecken. Rund 14 Milliarden kommen für die Digitalisierung, die Entwicklung neuer Mobilitätsdienste und das autonome Fahren obendrauf. Auf mehr als 30 Milliarden Euro türmen sich inzwischen die Kosten für die Wiedergutmachung der Dieselmanipulation, die vor vier Jahren in den USA aufgeflogen war.

Finanziert werden soll der Umstieg ins Elektrozeitalter ferner aus dem Geschäft mit herkömmlichen Verbrennern - vor allem durch SUV. Bis 2025 soll jedes zweite Fahrzeug von VW ein solcher Stadtgeländewagen sein, an denen VW wie fast alle in der Branche mehr verdient als an herkömmlichen Pkw. Auch der jüngst in achter Generation präsentierte neue Kompaktwagen Golf soll den Wechsel in die Elektromobilität absichern.

Im laufenden Jahr profitiert der Konzern davon, dass die Kosten bei steigenden Stückzahlen sinken, da immer mehr Fahrzeuge wegen der modularen Bauweise gleiche Teile verwenden. Zugleich mobilisiert Volkswagen Kraftreserven, weil die einzelnen Marken ihre Produktivität steigern. Volkswagen konzentriert sich zudem stärker auf sein Kerngeschäft mit Autos und bereitet die Trennung von Randbereichen vor.

Ertragsstützen waren in den vergangenen Monaten erneut der Sportwagenhersteller Porsche und die beiden Lkw-Hersteller MAN und Scania, deren Holding Traton SE seit Kurzem an der Börse notiert ist. Die Hauptmarke VW steigerte ihr Betriebsergebnis im dritten Jahresviertel Quartal sogar um rund 40 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Das lag neben der gestiegenen Nachfrage nach Stadtgeländewagen auch daran, dass der Gewinn durch das Chaos bei der Umstellung auf den neuen Abgasmessverfahren WLTP vor einem Jahr geschrumpft war. Bei der Tochter Audi sank das Ergebnis indes in den ersten neun Monaten um eine halbe Milliarde Euro.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa/DJ