Wirtschaft

Götz Werner wird 75 Vom Vater rausgeworfen, dm gegründet

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Vorkämpfer für ein bedingungsloses Grundeinkommen: Götz Werner.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit Zahnpasta zum Erfolg, mit bedingungslosem Grundeinkommen in die Vortragssäle - dm-Gründer Götz Werner wird 75. Sein größter Wunsch: dass seine Ideen zu einer lebenswerten Welt beitragen.

Er hat vor mehr als vier Jahrzehnten aus dem Nichts ein Drogerie-Imperium geschaffen und gilt zugleich als einer der prominentesten Vorkämpfer für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Passt das? Es passt. Wenn man Götz Werner heißt. Heute wird der Gründer der Drogeriemarktkette dm 75 Jahre alt. Der Karlsruher Unternehmer hat die Firma zum Branchenprimus ausgebaut - mit der Einführung des Discounterprinzips für Drogerien, unkonventionellen Methoden, Liebe zum Detail und einem Sinn für das große Ganze.

Über zehn Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem laufenden Geschäft sieht Werner dm gut aufgestellt. Doch angesichts von Digitalisierung, Automatisierung und Globalisierung dürfe man nicht vergessen, um was es gehe: "Die Menschen und deren Bedürfnisse. Sie müssen das Ziel aller Bestrebungen sein, dann kann man Erfolg gar nicht verhindern."

Vom eigenen Erfolg wurde er überrascht. Der Weg vom "Zahnpasta-Verkäufer" (Werner über Werner) zum Vorzeige-Unternehmer mit sozialem Touch war nicht vorhersehbar: "In der Schule sitzengeblieben, nach elf Schuljahren abgegangen. Deutscher Jugendmeister im Rudern, Drogist gelernt, Prokurist geworden. Verstoßener Sohn. Realträumer. Gründer wider Willen", beschreibt er den Werdegang in seiner Biografie.

Den Aufstieg verdankt der Heidelberger Drogisten-Sohn dem Rausschmiss durch den Vater. Der hielt nichts von den "spinnerten" Ideen des Sohnes. Für den damals 28-Jährigen war es schmerzlich, rückblickend aber ein Glücksfall: Im Sommer 1973 eröffnete Werner in Karlsruhe seinen ersten Selbstbedienungs-Drogeriemarkt (dm); auf dreifacher Fläche und mit stark reduziertem Sortiment im Vergleich zu herkömmlichen Drogerien.

Anthroposoph und Goethe-Fan

Von da an ging es fast nur bergauf: dm expandierte, setzte auf Allianzen, früh auf Bio und auf eine etwas andere Mitarbeiterführung. Kundenorientierung, Gewinnbeteiligung, das Unternehmen als sozialer Organismus mit "Lernlingen" und Theater-Workshops. Auch nach seinem Ausscheiden kam der Chef in die Filialen - um ein Schwätzchen zu halten und nach dem Rechten zu sehen.

Branchenkenner bescheinigen dem Anthroposophen und Goethe-Fan, all das richtig gemacht zu haben, was sein langjähriger Konkurrent Schlecker falsch machte. Bundesweit kaufen täglich 1,8 Millionen Menschen bei dm ein. Europaweit beschäftigt der Karlsruher Drogeriewarenhändler heute mehr als 60.000 Menschen in über 3500 Märkten mit einem Jahresumsatz von 10,7 Milliarden Euro.

Lob zollt dafür selbst sein inzwischen schärfster Rivale, Dirk Roßmann aus Burgwedel. Er kennt Werner seit fünf Jahrzehnten, hat ebenfalls seine Drogeriemarktkette Rossmann quasi aus dem Nichts erschaffen und sagt über Werner: "Sein Wissen, sein Ideenreichtum und die jahrzehntelange Verbundenheit zu ihm hat mir immer viel bedeutet."

Götz Werner ist weiter im dm-Aufsichtsrat. Seine Unternehmensanteile hat er vor Jahren in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht, die die Hälfte hält. Die andere Hälfte gehört der Familie des früheren Pfannkuch-Gesellschafters Günther Lehmann. "Die Stiftung soll das Unternehmen stützen und erhalten", sagt Werner. "Ziel eines Unternehmens ist es nicht, Dukatenesel zu sein." Seine sieben Kinder sieht er versorgt: Mit einer guten Ausbildung. Nur Sohn Christoph arbeitet bei dm, als Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung.

Vorkämpfer für das Grundeinkommen

Götz Werner ist auch sonst ein etwas anderer Unternehmer. Seit vielen Jahren ist er als unermüdlicher Vorkämpfer für das bedingungslose Grundeinkommen unterwegs. Das "Einkommen für alle" - so der Titel seines Buches - hat für ihn etwas mit der Würde des Menschen zu tun. "Angesichts des Überflusses, in dem wir leben, müssen wir unverzüglich handeln und unseren Sozialstaat so gestalten, dass jeder menschenwürdig leben kann." Altersarmut findet er schlimm: "Das ist grober Undank, denn unser Wohlstand wurzelt in der Leistungsbereitschaft früherer Generationen."

Nach Hunderten von Vorträgen, Diskussionen und Interviews freut sich Werner über die Dynamik, die das Thema entwickelt hat. "Das bedingungslose Grundeinkommen wird gesellschaftlich breit diskutiert." Parteien setzen sich damit auseinander, an Hochschulen wird dazu geforscht. "Früher oder später führt kein Weg daran vorbei." Er ist überzeugt: "Das bedingungslose Grundeinkommen liefert Lösungen für viele Herausforderungen, bei denen wir heute nicht weiterkommen."

Seit Herbst tritt er aus gesundheitlichen Gründen etwas kürzer. Werner wohnt mit Frau Beatrice in Stuttgart und ist inzwischen vierfacher Großvater. Am Geburtstag will er einen Abstecher nach Karlsruhe zum Neubau der dm-Firmenzentrale machen und dann zu Hause im kleinen Familien- und Freundeskreis feiern. Sein größter Wunsch: "Dass meine Ideen als Unternehmer und Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens fortwirken und zu einer lebenswerten Welt beitragen."

Quelle: n-tv.de, Susanne Kupke, dpa

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